Erdgas fester Bestandteil der Kraftstoffstrategie

Hilfe durch europäische Richtlinie

Jose Fernandez Garcia
Jose Fernandez Garcia von der EU. © AG/Mertens

Erdgasautos kommen nicht aus der Nische heraus. Abhilfe soll nun eine neue Richtlinie der EU bringen. Mit ihr soll unter anderem das Tankstellennetz ausgebaut werden.

Mit einer vor einem Monat von der EU auf den Weg gebrachtenRichtlinie sollen Erdgasfahrzeuge aus der Nische herausgeführt werden. In der Direktive ist unter anderem festgelegt, dass die Zahl der Erdgastankstellen erhöht und somit der Kraftstoff zugänglicher für den Endkunden gemacht wird. "Erdgas ist ein fester Bestandteil der europäischen Strategie", sagte José Fernandez Garcia vor Kurzem auf dem 14. Erdgas Mobil Symposium in Berlin.

Erdgas-Kraftstoffkosten auf Elektroauto-Höhe

Für den Policy Officer der Generaldirektion Mobilität und Verkehr der Europäischen Kommission ist Erdgas trotz seiner eigenen fossilen Eigenschaften ein fester Bestandteil der europäischen Kraftstoffstrategie, die insbesondere auch Vertrauen bei Investoren und Verbrauchern schaffen soll. Zugleich soll Erdgas dazu beitragen, den ab 2020 geltenden schärferen CO2-Grenzen gerecht zu werden. Doch der Weg dahin ist steinig, denn im alltäglichen Straßenverkehr kommt Erdgas so gut wie gar nicht vor.

Dabei hat der Kraftstoff seine Vorteile gegenüber anderen Alternativen. "Bis zu 24 Prozent weniger CO2 als ein vergleichbarer Benziner stößt Erdgas aus und die Verbrennung verläuft viel sauberer", sagt Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer beim Verband der Automobilindustrie (VDA), zudem lägen die Kraftstoffkosten unter denen des Diesels. "Sie sind ungefähr gleich hoch wie bei den Elektroautos. Und Elektroautos sind noch einmal rund 10.000 Euro teurer bei der Anschaffung als Autos mit Erdgas", so Eichhorn weiter.

Kein Erdgas in Frankreich

Und so sauber wie Elektrofahrzeuge sollen Erdgasautos auch in Zukunft werden. Durch Beimischung von Biomethan schwinden die fossilen Elemente. Das Ziel 100 Prozent Biomethan und somit emissionsfreies Fahren liegen aber ebenso weit entfernt wie das Ziel der Bundesregierung, im Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen zu haben.

Dabei haben die Fahrzeuge mit dem Compressed Natural Gas (CNG) mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die elektrischen Vertreter. "Die Infrastruktur verläuft schleppend", sagt Eichhorn, "und das Vertrauen in den Kraftstoff ist nicht groß genug." Bei den Elektroautos schrecken auch die mangelnde Infrastruktur sowie die Angst vor der fehlenden Reichweite ab. Durch die EU-Richtlinie soll immerhin das Tankstellennetz flächendeckend ausgebaut werden. Doch Garcia zweifelt an der schnellen Umsetzung. "Für viele der 28 Mitgliedsstaaten ist das Thema Erdgas Neuland. In Frankreich ist Erdgas zum Beispiel gar nicht verfügbar."

Fehlende Präsenz beim Erdgas

Für Jens Andersen lässt sich die Nischenfunktion des Kraftstoffs nicht allein mit der fehlenden Infrastruktur sowie des in Kilogramm vergleichsweise hohen Preises erklären. Der Leiter des Aggregatemanagements bei Volkswagen, sieht auch die fehlende Kommunikation als Erklärung für den ausbleibenden Durchbruch an. "Elektrofahrzeuge sind präsent – CNG dagegen ist in der Öffentlichkeit nicht vertreten. Niemand weiß, was wir für einen attraktiven Kraftstoff anbieten."

Dem Unwissen widersetzten sich 2013 ganze 7800 Autofahrer, die sich ein Erdgasfahrzeug zulegten – Tendenz indes steigend. Im selben Zeitraum legten sich 6379 Kunden ein Elektrofahrzeug zu – Tendenz ebenfalls langsam steigend. Allerdings nicht so steigend, dass das Schneckenrennen demnächst aus der Nische führen kann. Eichhorn sieht zwar schon durch die steigende Tendenz bei den Erdgasfahrzeugen "die ersten Früchte als geerntet", an, weiß aber auch, "dass die richtigen schwierigen Früchte noch kommen werden".

Denn noch schrecken die erhöhten Anschaffungskosten, die sich allerdings je nach Fahrzeuggebracuh recht schnell amortisieren können. Und auch die nicht ganz optimale Infrastruktur von 930 Tankstellen in Deutschland sind zunächst ein Absagegrund, der aber auch nicht zählen kann, da Erdgasfahrzeuge noch einen Benzintank an Bord haben, mit dem die Reichweite bis zur nächsten Tankstelle keine Rolle mehr spielt. Und Erdgasfahrer informieren sich vor einer längeren Reise, wo sie den alternativen Kraftstoff tanken können. Das Internet und auch schon spezielle Apps liefern schnell die Informationen. (AG/TF)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.