Vespa GTS 300 hpe: Auf Höhenflug

Die Vespa GTS 300 hpe wird an den Erfolg der Vorgängerin anschließen. © Piaggio

Die Vespa GTS 300 erfreute sich enormer Beliebtheit. Nun bringt der italienische Rollerhersteller ein neues Modell auf den Markt – und sie wird den Erfolg der Vorgängerin fortsetzen.

Die Vespa GTS 300 ist dabei die stärkste aller Wespen. Und die steigerte ihre Beliebtheit von Jahr zu Jahr. Während der Piaggio-Konzern noch im Jahr 2013 über den „höchsten in Deutschland je erzielten Absatz“ jubelte, erscheint die damalige Zahl von gut 2600 Fahrzeugen heutzutage kaum mehr als ein Achselzucken wert zu sein: Nicht weniger als 5700 GTS 300 wurden 2018 in Deutschland abgesetzt!


Und das, obwohl durchgesickert war, dass es 2019 eine neue Vespa geben wird. Die ist jetzt erhältlich und es gehört wenig prophetische Gabe dazu, um ihr anhaltenden Erfolg vorherzusagen.

Unterschiede kaum zu sehen

Schaut man sich „die Neue“ zum ersten Mal an, bedarf es eines extrem geschulten Vespa-Auges, um die Unterschiede auf den ersten Blick zu erkennen. Denn die Linie, die Anmutung der Vespa GTS, ist gleich geblieben. Zum Glück, werden die Liebhaber der Mutter aller Roller sagen. Doch in Details zeigen sich Sorgfalt und Raffinesse der Vespa-Designer im Umgang mit dieser Scooter-Ikone: Das seitliche Kühlergitter trägt jetzt ein wertigeres Wabenmuster, die „Krawatte“ auf der Außenseite des Beinschildes ist ein wenig breiter und prägnanter geworden. Auch das Rücklicht, wie der weiterhin kreisrunde Scheinwerfer von LEDs befeuert, ist nochmals schicker als beim keineswegs unhübschen Vormodell.

Das Cockpit der Vespa GTS 300 hpe. Foto: SP-X

Die handfesten Neuigkeiten sieht man der Vespa GTS 300 überhaupt nicht an, verstecken sie sich doch unterm Blech. Dem nach wie vor 278 Kubikzentimeter großen Einzylindermotor wurde eine Vielzahl von Änderungen zuteil, um ihn sowohl leistungsfähiger wie auch geschmeidiger und dazuhin auch sauberer zu machen. Er trägt jetzt das Kürzel hpe für „High Performance Engine“.

Neugestalteter Zylinderkopf

So wurde der Zylinderkopf neu gestaltet, was eine deutliche Anhebung des Drehzahlniveaus möglich macht: Lieferte der bisherige Motor seine 21,5 PS bei lediglich 7500 Kurbelwellenumdrehungen, schwingt sich das neue Triebwerk zu knapp 24 PS bei 8.250 U/min. auf. Immerhin 12 Prozent beträgt die Mehrleistung. Um sogar 18 Prozent erhöht sich das maximale Drehmoment, nämlich von 22,3 auf 26 Nm.

Weil auch die stufenlose Variomatik überarbeitet worden ist, lässt sich die Vespa GTS 300 des Baujahres 2019 nochmals ein ganzes Stück feiner fahren: Vibrationen sind kaum mehr zu spüren, der Antritt erfolgt spontaner, der Motor dreht deutlich leichter und beschleunigt die 160 Kilogramm wiegende Vespa – zumindest gefühlt – schneller, auch wenn die Höchstgeschwindigkeit lediglich um zwei auf 120 km/h gestiegen ist. Auf die 2020 in Kraft tretende nächste Abgasnorm Euro 5 ist das neue Triebwerk selbstverständlich vorbereitet.

Ein Kilo leichter geworden

Dass die neue Vespa GTS 300 ein Kilogramm weniger wiegt als die Vorgängerin, ist keine Folge teuren Leichtbaus. Die Entwickler haben den Tank auf 8,5 Liter verkleinert und zudem das Werkzeug um zwei Teile reduziert. Das taten sie in dem Bewusstsein, „dass an einer Vespa ohnehin nichts kaputt geht“.

Nun ja… Immerhin gibt es weiterhin den für die Federbein-Verstellung nötigen Hakenschlüssel und einen Greifer, um gegebenenfalls eine defekte Sicherung aus dem im Handschuhfach leicht zugänglichen Sicherungsträger entfernen zu können. Unterhalb davon findet sich eine nützliche USB-Buchse, sodass Smartphones bei Laune gehalten werden können. Der Fahrer oder die Fahrerin werden ihre gute Laune unterwegs kaum verlieren: Die Sitzposition, der Sitzkomfort und auch die Bedienung der neuesten Vespa sind bestens gelungen.

Ähnlich gutes Fahrgefühl

Die leichte Beherrschung der jüngsten Vespa-Auflage unterscheidet sich nicht vom Vormodell, auch das Fahrverhalten ist gleich: Die Federung spricht auf schlechten Strecken nur zufriedenstellend an, weil die 12 Zoll-Räder und der beschränkte Federweg nicht mehr Komfort zulassen. Aber die Fahrstabilität leidet darunter nicht. Auch kurvige Strecken lassen sich zügig bis schnell absolvieren, sofern der Fahrer souverän agiert. Die Bremse – es gibt vorne und hinten je eine Bremsscheibe – ist defensiv ausgelegt, erfordert für kräftiges Verzögern also mehr Krafteinsatz als den von zwei Fingern.

Insofern ist der Regelbereich des ABS gar nicht so leicht erreichbar. Die Antischlupfregelung ASR, in jeder 300er serienmäßig, ist ein weiteres Sicherheitsdetail, das seine Tätigkeit freilich nur bei sehr geringem Grip aufnimmt.

Basisversion für 6290 Euro

Die Seitenansicht der Vespa GTS 300. Foto: SP-X

Fünf Versionen bietet Hersteller Piaggio von der neuen Vespa GTS 300. Für 6.290 Euro gibt es außer der Basisversion die optisch geringfügig veränderte „Super“, deren  hervorstechendstes Merkmal die rote Feder am Vorderrad darstellt. 100 Euro mehr kosten die nochmals farbiger auftretende „Supersport“ wie auch die „Touring“; letztere weist Nützliches auf, nämlich ein Plexi-Windschild sowie einen verchromten Heck-Gepäckträger. Den noch beim Vormodell serienmäßigen Front-Gepäckträger hat der Controller kassiert. Weiterhin wird es im späteren Frühjahr die zusätzliche „Super Tech“ geben, die mit „Vespa Mia“ ein farbiges TFT-Cockpit mit Connectivity-Funktionen aufweist. Deren Preis ist noch nicht bekannt.

Wie gut die Hightech-Version der 300er Vespa in Deutschland ankommt, weiß man vor dem Verkaufsstart nicht. Sicher ist nur eines: Alle fünf Varianten der GTS 300 zusammen werden auch 2019 und in den Folgejahren für einen anhaltenden Markterfolg von Piaggio im Rollersegment sorgen. (SP-X)