Alles Hybrid, oder was?

VCD Auto-Umweltliste und ADAC EcoTest

Der Toyota Prius gewann bereits zum vierten Mal das Umweltranking des VCD © Foto: dpa

Der ADAC und der Verkehrsclub Deutschland haben die sparsamsten Autos gekürt. Dabei werden die Testsieger von den Verbrauchern zumeist links liegen gelassen.

Von Thomas Flehmer

Endlich wissen wir es. Das Auto muss neu gedacht werden, wie Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) uns in dieser Woche anlässlich der Verabschiedung des Aktionsplans Elektromobilität wissen ließ. Das Elektroauto wird fast schon zum neuen Heilsbringer stilisiert. Doch bevor die neuen Stromer uns ihren Segen bringen (oder auch nicht), wird es noch eine ganze Weile dauern. Bis dahin müssen wir uns mit Altbekanntem begnügen.

Hybride dominieren seit fünf Jahren

Damit bei der Wahl eines Autos auch möglichst ökologische Kriterien angelegt werden, stellt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) nun bereits seit 20 Jahren seine Umweltliste vor. Nachdem von 1999 bis 2003 der Drei-Liter-Lupo von VW das Klassement bestimmte, haben seit 2004 Hybridfahrzeuge die Spitze der Top Ten eingenommen. Unter den besten Zehn tummeln sich mit dem Toyota Prius sowie den ebenfalls hybriden Modellen Civic und Insight von Honda hauptsächlich japanische Fahrzeuge aus verschiedenen Fahrzeugsegmenten, zumeist aus dem Kleinwagensektor.

Für Sonja Schmidt vom ADAC ist so eine Aufzählung indes irreführend. «Es bringt dem Verbraucher nichts, einen Passat mit einem Smart zu vergleichen», sagt die Projektleiterin des ADAC Ecotests, der ebenfalls in dieser Woche und insgesamt zum sechsten Mal veröffentlicht wurde. Beim Autoclub sind die besten Fahrzeuge nach den klassischen Segmenten geordnet. Aber auch der VCD bietet mit den Untersegmenten «Kompaktklasse», «Familienautos», «Siebensitzer» und «Klimabeste» noch weitere Vergleichsmöglichkeiten an.

Unterschiedliche Prüfregularien

In dem wichtigen Kompaktklasse-Segment führen in beiden Listen die Hybridfahrzeuge das Feld an, anschließend trennen sich die Wege nicht nur aufgrund verschiedener Prüfregularien. Beim VCD stehen neben dem CO2-Ausstoß noch Lärm sowie Schadstoff- und Naturbelastung auf dem Prüfstand. «Lärm führt zu immer mehr Gesundheitsschäden bis hin zum Tod», sagt Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD.

Beim ADAC führen lediglich der CO2-Ausstoß sowie giftige Schadstoffe zum Endergebnis. Für noch mehr Diskrepanz sorgt aber auch das Prüfverfahren an sich. Während sich der VCD als kleiner Verband an die Angaben der Autohersteller halten muss, kann der ADAC mit seinen über 16 Millionen Mitgliedern jedes Auto akribisch unter die Lupe nehmen. «Wir testen jedes Fahrzeug realitätsnah auf Verbrauch und seinen Schadstoffausstoß», so Schmidt.

Forderung nach realitätsnahen Prüfzyklus

Der Honda Insight landete auf dem zweiten Rang Foto: Honda

Realitätsnah heißt, dass Autobahnfahrten mit eingeschalteter Klimaanlage dazugehören. Beim europäischen Prüfzyklus, dem offiziellen Vorgang zur Erstellung der Herstellerangaben, werden die Verbräuche in einer Halle auf einer Rolle mit ausgeschalteten Nebenverbrauchern fabriziert. Und da treffen sich ADAC und VCD wieder. Beide fordern seit Jahren eine Änderung des Prüfzyklus, da die derzeitige Regelung den Verbraucher in die Irre führen kann.

Denn im wirklichen Leben hatten einige Fahrzeuge beim ADAC-Test «Probleme in einigen Punkten», so Schmidt, «besonders die Dieselfahrzeuge ohne Filter.» So fordert Lottsiepen denn auch eine breitere Zuwendung zum Hybridantrieb. «Dem Hybridfahrzeug gehört die Zukunft», sagt Lottsiepen, «und diese Entwicklung hat die deutsche Industrie verschlafen.» Nicht ganz so weit aus dem Fenster lehnt sich der ADAC. «Die Zukunft gehört denjenigen Fahrzeugen, die es schaffen, Verbrauch und Schadstoff signifikant zu senken.»

«Diskussion gepuscht»

So scheinen die Hybriden auch in den nächsten Jahren die entscheidende Rolle bei Ecotest oder Umweltliste zu spielen. Auch wenn der Verbraucher diese Fahrzeuge nicht über ein Nischendasein hinauskommen lässt und so an der Wirkung dieser Rankings Zweifel aufkommen. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres entschieden sich in Deutschland 1555 Käufer für den Prius, 840 kauften den Insight. Doch bezwecken beide Listen mehr, als nur dem Verbraucher Hilfen zur Seite zu stellen.

«Die Diskussion wird gepuscht. Wahrscheinlich hätten bisher nur halb so viele Autofahrer Hybridfahrzeuge gekauft, wenn es die Liste nicht gegeben hätte. Aber es dauert immer seine Zeit, bis sich eine Technik sich auf dem Markt durchsetzt», sagt Lottsiepen, «und wenn die deutschen Hersteller ihre ersten Hybridfahrzeuge anbieten, wird das Kaufinteresse geweckt werden.» Schmidt bleibt skeptisch: «Der Umweltgedanke ist beim Autokauf nur ein Aspekt unter vielen wie Design oder Familientauglichkeit.» Und diese Aspekte sind vom Umweltbewusstsein völlig losgelöst.