VW: Volle Konzentration auf die Batterie

Der VW ID.3 ist das erste E-Auto auf Basis des MEB. © VW

Der VW ID.3 wird wie geplant im Sommer auf den Markt kommen – wenngleich sich die Wolfsburger mit dieser unkonkreten Angabe viel Spielraum lassen.

Natürlich kennen die VW-Manager die Zweifel all derer, die dem Elektroauto skeptisch gegenüberstehen. Wie ist das mit der Reichweite, den Preisen, der Suche nach einer Ladesäule? Oder sollte man vielleicht doch auf die Wasserstoffautos warten und solange weiterhin auf Benziner oder Diesel setzen?


Für den Wolfsburger-Elektrochef Thomas Ulbrich sind diese Fragen längst abgehakt. „Wir stehen am Beginn einer neuen Ära und Volkswagen geht voran“, sagt er bei der Eröffnung einer Ausstellung in der Berlin-Zentrale des Konzerns, die den Hauptstädtern alles rund um die elektrischen Modelle nahebringen soll.

Erste Autos kommen im Sommer

Denn VW macht endlich ernst, steht kurz vor dem Marktstart. Ab Sommer sollen die ersten Kunden per rechtem Pedal in freier Wildbahn Strom geben dürfen. Der ID.3 kommt auf die Straße, zuerst sollen die über 30.000 Vorbestellungen abgearbeitet werden. Ulbrich: „Jetzt kommt es darauf an, das E-Auto in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.“ Damit meint er natürlich eben jenen ID.3, aber auch das elektrische SUV ID.4, das Ende dieses Jahres auf den Markt kommt.

Mit der „Mitte“ zielt der Oberelektriker auf die „Bezahlbarkeit“ des ID.3 ab, der anders als die bisherigen Konzernstromer Audi E-Tron und Porsche Taycan nicht nur für die wohlhabende Kundschaft erschwinglich sein soll. Thomas Ulbrich rechnet vor: „Die 45 kWh-Basisvariante kostet nach Abzug der Umweltprämie 23.430 Euro und liegt damit auf dem Niveau eines vergleichbaren Golf 1,5 TSI.“ Hinzu käme dann noch 840 Euro Ersparnis bei den laufenden Kosten. Keine Kfz-Steuer, keine Ölwechsel, günstigere Versicherungsklasse (17) und geringere Energiepreise.

330 Kilometer Reichweite bei Einstiegsversion

Laut Norm kommt der billigste ID.3 auf eine Reichweite von 330 Kilometern, mit mittlerem Akku (58 kWh, 28.430 Euro mit eingerechnetem Umweltbonus) schaftt er 90 Kilometer mehr. Spitzenmodell ist die 77 kWh-Variante, die auf gut 500 Kilometer kommt, dann aber zu Preisen über 40.000 Euro.

Wenn der Neuling, dessen Bedeutung Ulbrich in einem Atemzug mit dem Käfer oder dem Golf nennt, demnächst auf die Straße kommt, sollen übrigens alle Probleme ausgemerzt sein. „Ich komme gerade von einer Testfahrt mit allen meinen Vorstandskollegen“, berichtet er und räumt ein, dass der ID.3 noch nicht „bei 100 Prozent“ ist. „Es ist bei neuen Technologien kurz vor dem Marktstart normal, dass da noch letzte technische Aufgaben erledigt werden müssen. Aber wir sind auf der Zielgeraden.“ In den letzten Wochen war durchgesickert, dass es vor allem bei der komplexen Software Probleme gibt.

Unzufrieden mit Ladeinfrastruktur

Thomas Ulbrich ist VW-Vorstand für E-Mobilität. Foto: Ulbrich

Noch unzufrieden ist der VW-Mann mit dem Ausbau der Infrastruktur. „Bei den öffentlichen Ladesäulen muss endlich der Knoten platzen, das versprochene Wachstum steht weitgehend noch auf dem Papier. Wir müssen den Menschen ihre Ladeangst nehmen.“ Er sieht Industrie, Politik und Energiewirtschaft in der Pflicht. „Das gilt auch für uns“, so Ulbrich und kündigte 30.000 weitere Ladesäulen auf VW-Standorten und bei den Händlern an.

Und was ist mit Wasserstoff als Zukunftsenergie? „Die Diskussion darüber bremst den Durchbruch der E-Mobilität“, ärgert sich der Volkswagen-Vorstand. Das Wasserstoff-Auto für Millionen von Pkw – als Alternative zum batteriebetriebenen Auto von Morgen – sei aus Sicht von Volkswagen ein Irrweg, der Einsatz von Wasserstoff sinnvoll in der Industrie, im Schwerlastverkehr, bei Flugzeugen und auch bei Schiffen. „Beim Auto sagen wir ganz klar: Volle Konzentration auf die Batterie. Und dabei wissen wir die Wissenschaft hinter uns.“ (SP-X)

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