VW soll VDO vor Heuschrecken retten

VW soll VDO vor Heuschrecken retten
Heuschrecken-Alarm bei VDO? © Foto: dpa

Der VW-Betriebsrat will, dass sich der Autokonzern an seinen Zulieferern beteiligt – um sie vor Heuschrecken zu schützen und die Produktion bei Volkswagen sicher zu stellen.

Der VW-Konzernbetriebsrat hat den Vorstand des Unternehmens aufgefordert, sich durch Aktienkäufe an seinen wichtigsten Zulieferern zu beteiligen. Der Einstieg von in erster Linie an kurzfristigen Renditezielen interessierten Hedgefonds bei Autozulieferern sei eine «gefährliche Entwicklung», sagte der Chef des Europäischen Konzernbetriebsrats, Bernd Osterloh, nach einer Mitteilung vom Freitag anlässlich einer Tagung des Gremiums am polnischen VW- Standort Posen.

Ein Unternehmenssprecher in Wolfsburg wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Zu den wichtigsten Zulieferern von Volkswagen gehören die Siemens-Sparte VDO sowie Continental und Benteler. Siemens plant die Abspaltung der Sparte - als Käufer sind eben Finanzinvestoren auch Conti im Gespräch.

VW-Betriebsratschef Osterloh sagte, Manager von Heuschrecken scherten sich nicht darum, ob bei Volkswagen die Produktion zum Erliegen komme, nur weil sie aus rein finanziellem Interesse einen Standort schließen wollten. Oberste Priorität müsse aber die Stärkung der eigenen Hausanfertigung haben. «Wir brauchen dort noch mehr Entwicklungskompetenz als bisher, damit wir das Know-how im Haus behalten.»

Die Existenz der VW-eigenen Komponentenwerke war im vergangenen Jahr gefährdet. Der frühere Chef der Konzern-Kernmarke VW, Wolfgang Bernhard, hatte sie im Zuge der Sanierung auf den Prüfstand gestellt und einen Verkauf nicht ausgeschlossen. Der Betriebsrat war strikt dagegen, forderte vehement den Erhalt der Komponentenwerke und setzte sich durch. Bernhard ist seit Jahresanfang nicht mehr bei Volkswagen. VW hat in Deutschland Komponentenwerke zum Beispiel in Kassel, Salzgitter und Hannover.

Osterloh sagte, die strategische Beteiligung an Zulieferern sei für den Betriebsrat die zweite Priorität einer langfristigen Unternehmens- Strategie. «Wir würden uns damit für die Zukunft sowohl den Anschluss an Produktions- als auch an Entwicklungskompetenz über unsere Hausanfertigung hinaus sichern.» Sinnvoll sei eine solche Strategie auch bei anderen deutschen Autoherstellern. «Wir geraten sonst in Abhängigkeiten, die gefährlich für Arbeitsplätze und ein solides unternehmerisches Handeln sind.» Vorbild sei Toyota. «Nichts wird dort dem Zufall und schon gar nicht der Abhängigkeit von Dritten überlassen.»

Der Europäische Konzernbetriebsrat forderte den VW-Vorstand zudem auf, eine Vereinbarung über weltweit gültige Standards der Informations- und Beteiligungsrechte von Arbeitnehmervertretern im Konzern abzuschließen. Bis heute sei die Mitbestimmungspraxis in den Ländern, in denen der Konzern Standorte habe, unterschiedlich. Ziel sei eine gleiche Grundlage. (dpa)

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