Schlüsselrolle bei Finanzaufsicht

Übernahme-Schlacht um Conti

Conti-Chef Manfred Wennemer © Foto: dpa

In der Übernahme-Schlacht um den Autozulieferer Continental kommt der Finanzaufsicht eine entscheidende Rolle zu. Sie muss entscheiden, ob sich die Schaeffler-Gruppe rechtswidrig Aktien gesichert hat.

In der Übernahmeschlacht um Conti richten sich gespannte Blicke auf die Finanzaufsicht BaFin - ihr kommt eine Schlüsselrolle zu. Dabei geht es um umstrittene Finanzgeschäfte der Schaeffler-Gruppe, die Conti übernehmen will. Schaeffler hat sich mit Hilfe von Swap-Geschäften, also Tauschgeschäften, Zugriff auf ein großes Conti-Aktien-Paket gesichert. Aus Sicht des DAX-Konzerns hat sich Schaeffler rechtswidrig herangeschlichen und Melde- und Mitteilungspflichten umgangen. Contis Ziel: Die BaFin soll die «Schaeffler-Swaps» untersagen. Die Position des Familienunternehmens aus Herzogenaurach wäre damit empfindlich geschwächt. Winkt die Finanzaufsicht den Deal aber durch, dürften die Franken - die ihr Vorgehen als legal sehen, freie Fahrt bei der Conti haben.

VDO-Übernahme drückt auf Erträge

Dabei hat Continental derzeit eigentlich andere Sorgen: Der Konzern muss die Integration der übernommenen Siemens-Sparte VDO bewerkstelligen. Die Finanzierung des milliardenschweren Kaufs drückt auf die Erträge. Am Donnerstag meldete Conti für das erste Halbjahr einen Gewinneinbruch, wegen hoher Zinsen sank der Überschuss um 37 Prozent auf 361 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor VDO- Sondereffekten stieg allerdings deutlich an.

Im Übernahmekampf liegt der Ball nun bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die Untersuchung der Swap- Geschäfte werde «einige Wochen» dauern, sagte ein Sprecher in Bonn. Zwar hatte die Behörde das Übernahmeangebot von Schaeffler geprüft und die Veröffentlichung gestattet, dabei handelte es sich aber um eine formale Prüfung.

Schaeffler hatte am Mittwoch den Conti-Aktionären offiziell 70,12 Euro pro Aktie geboten. Die Gruppe hat eine gute Position, weil sie sich mit Hilfe von Banken über Swap-Geschäfte Zugriff auf rund 28 Prozent der Conti-Anteile gesichert hat. Acht Prozent halten die Franken bereits. Mit Blick auf Ängste in Hannover erneuerte Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger die Zusage, Conti solle nicht zerschlagen werden, es solle keinen Job-Abbau geben. Schaeffler würde es begrüßen, wenn die Conti-Führung um Vorstandschef Manfred Wennemer an Bord bliebe.

Höherer Preis gefordert

Conti lehnte eine Stellungnahme vorerst ab. Die Position aber ist bekannt: Conti fordert einen deutlich höheren Preis oder eine Begrenzung der Schaeffler-Beteiligung auf 20 Prozent. Schaeffler aber will mehr als 30 Prozent der Anteile. Dafür zückte Conti die juristische Karte und zitierte Gutachten von Rechtsexperten. Die bekräftigten, die Swap-Geschäfte seien illegal. Die Schaeffler-Gruppe dürfe nicht die «Früchte ihres rechtswidrigen Vorgehens» ernten, lauteten die markigen Worte aus Hannover.

Die Interessen der Conti-Aktionäre seien «massiv verletzt» worden, weil sie zu Niedrigkursen an die Banken verkauft hätten - ohne zu ahnen, dass Schaeffler eine Übernahme plant. Die beteiligten Banken hatten jeweils nur knapp unter drei Prozent der Conti-Anteile gekauft und blieben damit unter der ersten Meldeschwelle. Aus Sicht von Conti kann die BaFin gegen das «rechtswidrige Vorgehen» von Schaeffler nicht nur Bußgelder verhängen, sondern weitaus schärfere Instrumente einsetzen - bis hin zu einer Untersagung der Swap-Geschäfte.

Das Familienunternehmen konterte: Das Vorgehen sei absolut legal. Von Seiten der Gruppe hieß es, man sei sehr erstaunt, wie sich Leute über die Rechtmäßigkeit von Verträgen äußern könnten, deren Inhalt und Ausgestaltung sie überhaupt nicht kennen würden. Die Swap- Geschäfte seien nicht meldepflichtig. Schaeffler sei «nicht erfreut» über das Vorgehen von Conti. «Falsche Behauptungen werden durch Wiederholungen nicht wahr.»

Falls die BaFin das Schaeffler-Vorgehen billigt, hätte Conti rechtlich gesehen schlechte Karten. Eine mögliche Klage von Conti gegen eine Entscheidung der Behörde wäre «problematisch», hieß es im Umfeld des Unternehmens. Jedoch könnten Aktionäre, die sich möglicherweise verschaukelt fühlen, auf Schadenersatz klagen - das wiederum würde Conti im Übernahmekampf selbst wenig nützen.

Der Autozulieferer arbeitet unterdessen weiter an einer anderen Front an einer Abwehr der Übernahme. So ist der Konzern auf der Suche nach einem «weißen Ritter», einem freundlich gesonnen Großinvestor. Ein solcher dürfte allerdings schwer zu finden sein - die zentrale Hoffnung von Conti ist ein Einschreiten der Finanzaufsicht. (dpa)