Scheider neuer Vorstandschef beim Zulieferer ZF

Wolf-Henning Scheider. Foto: dpa
Wolf-Henning Scheider ist neuer Chef des Zulieferers ZF. © dpa

Der Autozulieferer ZF setzt beim Wechsel an der Spitze auf einen erfahrenen Mann aus der Branche. Neuer Vorstandsvorsitzender am Bodensee wird der bisherige Mahle-Chef Wolf-Henning Scheider.

Der 55-Jährige werde den Posten bereits am Donnerstag antreten, teilte das Unternehmen direkt im Annschluss an die Aufsichtsratssitzung mit. Zuvor hatte der „Südkurier“ darüber berichtet. Scheiders Posten bei Mahle übernimmt Jörg Stratmann, der dort bisher den Geschäftsbereich Thermomanagement verantwortet.


Scheider sorgte bei Mahle für Transformationsprozess

„Als CEO von Mahle hat Wolf-Henning Scheider viel Kompetenz in einem wegweisenden Transformationsprozess gezeigt“, betonte der Aufsichtsratschef von ZF, Franz-Josef Paefgen. Scheider leitet den deutlich kleineren Stuttgarter Autozulieferer seit 2015 und hat dort den Wandel von einem stark vom Verbrennungsmotor abhängigen Geschäft hin zur Elektromobilität vorangetrieben. Begonnen und große Teile seines bisherigen Berufslebens verbracht hat Scheider bei Bosch. Zuletzt hatte er dort den mit Abstand größten und wichtigsten Geschäftsbereich, die Kraftfahrzeugsparte, geleitet.

Bei Mahle war Scheider bislang für weltweit knapp 80.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von gut 12 Milliarden Euro verantwortlich. ZF hatte 2016 knapp 137.000 Mitarbeiter und fast dreimal so viel Umsatz wie Mahle.

Zuletzt hatte das Unternehmen allerdings mit Turbulenzen an der Führungsspitze zu kämpfen. Der bisherige ZF-Vorstandschef Stefan Sommer musste im Dezember im Streit mit kommunalen Anteilseignern gehen – laut Medienberichten auch deshalb, weil seine ambitionierte Expansionsstrategie nicht bei allen Aufsehern auf Gegenliebe stieß. Nach Sommers Abschied hatte Finanzvorstand Konstantin Sauer vorübergehend die Führung des Unternehmens übernommen.

Auch Mahle ist ein Stiftungsunterneen

Wie ZF sind auch Bosch und Mahle Stiftungsunternehmen. Außerdem kennt sich Scheider im Automobilbereich bestens aus. „Von der Konstruktion her passt er also gut zu ZF“, sagte Branchenexperte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen, der Scheider schon lange kennt. „Beides zusammen macht ZF am Ende ja aus.“

Einen Kurswechsel erwartet Diez allerdings nicht. Auch Sommers Ziel sei gewesen, die Abhängigkeit von ZF vom Getriebe zu reduzieren und das Unternehmen mit Blick auf den Wandel in der Branche breiter aufzustellen. „Und das ist ja genau die Strategie, die Scheider bei Mahle verfolgt hat.“ Auch Aufsichtsratschef Paefgen betonte: „Er wird die bestehende Strategie ZF 2025 konsequent fortführen.“

ZF ist stark vertreten in der Herstellung von Getrieben und Fahrwerken für Pkw und Nutzfahrzeuge. 2015 übernahm der Zulieferer den US-Konkurrenten TRW Automotive. Der Konzern gehört zu knapp 94 Prozent der Zeppelin-Stiftung, bei der die Stadt Friedrichshafen das Sagen hat. ZF gehört wie Bosch und Continental zu den größten Automobilzulieferern weltweit. (dpa)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.

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