Saab-Chef Jonsson tritt ab

Mysteriöse Rolle des Finanziers

Saab-Chef Jan Ake Jonsson (l.) und Victor Muller © dpa

Saab bekommt Mitte Mai einen neuen Chef. Übergangsweise wird Saab-Eigner Victor Muller das angeschlagene Unternehmen leiten.

Chefwechsel beim kleinen und angeschlagenen schwedischen Autohersteller Saab: Der bisherige Konzernchef Jan Åke Jonsson tritt Mitte Mai ab. Übergangsweise solle der niederländische Saab-Eigner Victor Muller das Unternehmen führen, das er Anfang 2010 vom US-Konzern General Motors übernommen hatte, teilte das Unternehmen am Freitag in Trollhättan mit. Ebenfalls am Freitag teilte Saabs Muttergesellschaft Spyker Cars in Zeewolde mit, dass mit der schwedischen Tochter im vergangenen Jahr ein Verlust von 218 Millionen Euro eingefahren wurde.

Überlebensfähigkeit fraglich

Mit einer Produktion von 32.000 Wagen im vergangenen Jahr und einer Produktionsprognose für 2011 von 80.000 Autos gilt die langfristige Überlebensfähigkeit von Saab als fraglich. Muller hatte im Februar seine Anteile am kleinen niederländischen Sportwagenhersteller Spyker verkauft, um Mittel für die schwächelnde schwedische Marke freizumachen.

Als unklar gilt die Rolle des russischen Finanziers Wladimir Antonow, der als Investor bei Saab einsteigen möchte und als Hauptfinanzquelle für Muller gilt. Seine Beteiligung wurde aber beim Saab-Verkauf von General Motors ausdrücklich ausgeschlossen, weil ihm US-Behörden Beziehungen zu Mafiakreisen vorwerfen.

40 Jahre bei Saab

Jonsson (59) begründete seinen Rücktritt nach 40 Jahren bei Saab und sechs Jahren an der Spitze mit persönlichen Gründen. Er sagte im Rundfunk, er habe volles Vertrauen in die Lebensfähigkeit von Saab mit seinen 3700 Beschäftigten. Am Vortag war bekannt geworden, dass der als neuer Finanz- und Vizekonzernchef verpflichtete Nils-Johan Andersson kurz vor Amtsantritt wieder abgesprungen ist. Auch er machte persönliche Gründe geltend. (dpa)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.