GM verlässt Insolvenz

Neuanfang nach staatlicher Übernahme

Die Konzernzentrale von GM © Foto: dpa

General Motors hat noch ein Zukunft. Der Staat hat durch die Übernahme den Weg für einen Neustart freigemacht.

Neustart für den einst weltgrößten Autobauer General Motors (GM): Die ums Überleben kämpfende bisherige Opel- Mutter ist nach lediglich 40 Tagen wieder aus der Insolvenz gefahren. Der deutlich kleinere neue GM-Konzern hat sich von vielen Altlasten befreit und ist vorerst mehrheitlich in Staatsbesitz. Für Opel soll nun unter Hochdruck bis nächste Woche ein verbindlicher Vorvertrag mit neuen Investoren geschlossen werden.

40 Tage Insolvenz

«Der heutige Tag markiert einen Neuanfang für General Motors», sagte GM-Chef Fritz Henderson am Freitag am Konzernsitz in Detroit (Michigan). Der neue Verwaltungsratschef Ed Whitacre sagte: «100 Jahre lang hat GM zu den größten Unternehmen der Welt gehört. Das steht GM wieder zu. Und da wird GM auch wieder sein.»

Nach der zur Rettung nötigen weitgehenden Verstaatlichung halten die USA und Kanada zusammen vorerst 72,5 Prozent. Im Gegenzug fließen zur Sanierung weit mehr als 50 Milliarden Dollar (36 Mrd Euro) an Steuergeldern. «Wir werden hart dafür arbeiten, um das Geld und das Vertrauen zurückzahlen», versicherte Henderson. Das erst am 1. Juni beantragte Gläubigerschutzverfahren des gut 100 Jahre alten Traditionskonzerns war das bislang größte in der US- Industriegeschichte. Es verlief weit schneller als von Experten erwartet.

Trennung von vielen Marken

Auch Wettbewerber Chrysler hatte Mitte Juni seine Insolvenz binnen lediglich rund 40 Tagen durch den Einstieg des italienischen Fiat- Konzerns beendet. Beide Fälle gelten als Erfolg von US-Präsident Barack Obama bei den Rettungsbemühungen für die US-Autoindustrie.

Der angeschlagene deutsche Hersteller Opel war noch rechtzeitig vor der Insolvenz von GM rechtlich abgespalten worden. Neue Investoren sollen Opel retten. Als Favorit gilt bislang der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna, der einen Vorvertrag bis diesen Mittwoch anstrebt. GM behält einen Minderheitsanteil, bekräftigte Henderson. Geplant sind 35 Prozent.

Altlasten bleiben in Insolvenz

Bis zuletzt hatten Einwände von Gläubigern sowie offene Schadensersatzforderungen den Neustart von GM gefährdet. Das Gericht wies sie jedoch ab, da es keine Alternative zum Sanierungsplan gebe. Die meisten Altlasten lässt GM in der Insolvenz zurück, sie werden verkauft oder abgewickelt. Auch der stark geschrumpfte neue Konzern hat aber noch milliardenschwere Schulden.

Der größte US-Hersteller trennt sich von vielen Marken, als Kern bleiben vor allem Chevrolet und Cadillac. Auch die insolvente schwedische Tochter Saab soll verkauft werden. Nach bereits harten Einschnitten werden nochmals über ein Dutzend Werke und 40 Prozent der Händler dicht gemacht.

Börsengang im nächsten Jahr

Weitere zehntausende Jobs fallen weg - nach Worten von Henderson nun auf rund 64.000 Stellen in den USA bis Jahresende. Vor 20 Jahren hatte GM hier noch 538.000 Mitarbeiter - seither gab es mehrere drastische Sanierungswellen.

Schon nächstes Jahr will die US-Regierung erste Teile von GM wieder an die Börse bringen. Die Aktien der bisherigen GM-Anteilseigner sind wertlos geworden. Am neuen Konzern hält neben dem Staat die Autogewerkschaft UAW zunächst 17,5 Prozent für Zugeständnisse bei der Krankenversicherung der Betriebsrentner. Die übrigen zehn Prozent gehören Gläubigern für einen Verzicht auf 27 Milliarden Dollar an Schulden. Sie können später aufstocken.

88 Milliarden Dollar Minus in vier Jahren

Von Anfang 2005 bis heute hat GM ein Minus von insgesamt 88 Milliarden Dollar eingefahren. Die Talfahrt beschleunigte zuletzt der dramatische Einbruch des Autoabsatzes erst auf dem US-Heimatmarkt und später wegen der Wirtschaftskrise auch in Europa und andernorts.

Zum Verhängnis wurden dem Konzern zu hohe Kosten und eine verfehlte Modellpolitik. Viel zu lange setzte GM überwiegend auf spritfressende Limousinen und Pickups. Asiatische Rivalen wie Toyota wurden völlig unterschätzt. (dpa)