GM-Spitze spricht mit Bundesregierung

Opel-Krise

GM-Vize Fritz Henderson Foto: dpa © Foto: Opel

Das Management von Opel und GM setzt seine Gespräche mit der Bundesregierung zur Rettung des Autobauers in dieser Woche fort. Am Freitag kommt auch GM-Vizepräsident Fritz Henderson nach Berlin.

Von Frank Mertens

Eine Entscheidung für Staatshilfen seitens der Bundesregierung für den um sein Überleben kämpfenden Autobauer Opel lässt weiter auf sich warten. Nach einem ersten Gespräch am Montag zwischen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und dem Opel-Management werden die Gespräche in dieser Woche in Berlin fortgesetzt. Mit dabei sein wird am Freitag neben Europa-Chef Carl-Peter Forster auch GM-Vizepräsident Fritz Henderson. Das sagte Henderson am Dienstag auf dem Autosalon in Genf der Autogazette. Henderson wird der Bundesregierung dann Informationen zu den Plänen des Mutterkonzerns und möglicher Finanzhilfen für die Tochter auf dem Weg in eine teilweise selbständige Zukunft geben. Bislang hatte der von der Insolvenz bedrohte Mutterkonzern sich nicht zu seinen konkreten Plänen mit Opel geäußert.

Auch GM würde 3 Milliarden bereit stellen

Opel hatte am Freitag nach der Aufsichtsratssitzung des Konzerns sein Sanierungskonzept vorgestellt. Es sieht eine teilweise Abkoppelung von GM vor. Für den Weg zu einer rechtlich selbstständigen Geschäftseinheit benötigt Opel einen Kapitalbedarf von 3,3 Milliarden Euro. Sollte diese Summe vom Staat kommen, wäre auch GM bereit bereit, weitere drei Milliarden Euro beizusteuern. Die 3,3 Milliarden Euro an Staatsbürgschaften sollen nicht nur ausschließlich von der Bundesregierung kommen, sondern auch von den anderen europäischen Staaten mit Opel-Standorten wie Spanien, Großbritannien und Belgien.

«Wir haben jetzt zunächst das Gespräch mit der Bundesregierung gesucht, werden aber auch Gespräche mit anderen Regierungen führen», sagte GM-Europachef Carl-Peter Forster am Dienstag in Genf. Wie Forster sagte, habe die spanische Regierung bereits Garantien in Höhe von 200 Millionen Euro abgegeben. «Positive Signale haben wir auch aus Großbritannien erhalten.»

Sorge über Quersubventionierung unbegründet

Forster zeigte Verständnis für die Forderung der Bundesregierung, sich den am Freitag vorgestellten Sanierungsplan detailliert erklären zu lassen. «Hier geht es schließlich um Steuergelder.» Der Bundeswirtschaftsminister hatte nach der Vorlage des Sanierungsplans gesagt, dass es noch «viele offene Fragen» gebe.

So befürchtet zu Guttenberg, dass mögliche Staatshilfen in die USA fließen könnten. Diese Sorge sei unbegründet, sagte Forster. Es könne sichergestellt werden, dass das Geld hier im Land bleibe, sagte er.

Keine konkreten Werksschließungen geplant

Zu Spekulationen über mögliche Werksschließungen sagte Forster, dass Opel in Europa derzeit eine Überkapazität von 30 Prozent habe und damit drei Werke mehr als nötig. Um Werksschließungen zu vermeiden, setze man aber zunächst auf intelligente Arbeitszeitmodelle. Forster stimmte die Belegschaft allerdings auf härtere Zeiten ein. So sei es im Rahmen des Restrukturierungsprozesses erforderlich, mit der Belegschaft über Lohn- und Gehaltsverzicht zu verhandeln.

Zu möglichen Werksschließungen wollte sich Forster konkret aber nicht äußern. Allerdings sagte er, dass man natürlich nach Interessenten schaue, die weitere Produktionskapazitäten benötigen würden. In der Vorwoche gab es Gerüchte, dass Daimler am Kauf des Werkes in Eisenach interessiert sei. Hier wird unter anderem der Corsa produziert. In Stuttgart wollte man dieses Gerücht nicht kommentieren.

Im Fall des Falles gut aufgestellt

Auf Erfolgsspur: der Opel Insignia Foto: Opel

Sollte Opel die gewünschte Staatsbürgschaft erhalten, sieht Forster das Unternehmen gut aufgestellt. Man habe eine glänzende Produktpalette mit CO2-armen Fahrzeugen, einem sich glänzend verkaufenden Insignia und Zukunftstechnologien wie dem Elektroauto Ampera, das am Dienstag seine Weltpremiere feierte. Das Auto soll in Deutschland 2011 auf den Markt kommen. Das Aus für Opel würde in Europa laut Forsters Worten den Verlust von insgesamt 200.000 bis 300.000 Arbeitsplätzen bedeuten. Allein in Deutschland beschäftigt Opel in seinen Werken 25.000 Mitarbeiter. Die Negativkosten einer Schließung kämen den Steuerzahler nach Forsters Worten mehr als eine Unterstützung.

Saab 9-5 vorerst in Rüsselsheim

Opel-Chef Hans Demant geht unterdessen weiter davon aus, dass Saab seinen neuen 9-5er zunächst weiterhin wie geplant in Rüsselsheim produzieren wird und nicht in Trollhättan. Saab selbst hatte nach seinem Insolvenzantrag gesagt, dass der neue 9-5er entgegen ursprünglicher Planung doch ausschließlich in Schweden produziert werden solle.

«Wenn sich der Marktstart des 9-5er nicht verzögern soll, dann bleibt Saab nichts anderes übrig, ihn wie ursprünglich geplant in Rüsselsheim bauen zu lassen.» Eine Verlagerung der Produktion würde aus logistischen Gründen mit einer Vielzahl von Problemen behaftet sein, so Demant.

Keine forcierte Investorsuche

Mit Blick auf die Suche nach einem Investor sagte Forster, dass das derzeit nicht an erster Stelle stehe. Natürlich sei man weiterhin offen für Partnerschaften, aber zunächst konzentriere man sich auf die Gespräche mit der Bundesregierung. Erst danach ginge es darum, nach möglichen Investoren Ausschau zu halten.