Der Sanierer übernimmt

Führungswechsel bei Opel

Der Sanierer übernimmt
Nick Reilly © Foto: dpa

Die Zeiten von Hans Demant als Chef des Autoherstellers Opel sind vorbei. Der neue Mann an der Spitze heißt Nick Reilly. Er gilt als harter Sanierer. Eín Umstand, der ihn bei den Gewerkschaften unbeliebt macht.

Der bescheidene Ingenieur geht - der harte Sanierer kommt: Hans Demant (59) macht nach fast sechs Jahren an der Opel-Spitze Platz für Nick Reilly (60). Als neuer starker Mann soll GM-Manager Reilly den angeschlagenen Autobauer wieder in die Erfolgsspur bringen und die Dauerkrise beenden.

Keine leichte Aufgabe

Keine leichte Aufgabe, da sind sich die Experten einig: Viele Weichen werden auch künftig nicht am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim gestellt, sondern in der fernen Zentrale der US-Konzernmutter General Motors (GM) in Detroit. Bei den Mitarbeitern muss Reilly zudem unbequeme Entscheidungen durchsetzen: Bis zu 9000 von 48 000 Arbeitsplätzen sollen nach GM-Plänen in Europa gestrichen werden. Von den Mitarbeitern, die bleiben dürfen, verlangt GM finanzielle Opfer. Noch steht nicht einmal der Sanierungsplan.

Und das Klima für die abschließenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmern ist rauer geworden: Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz schäumte, als Reilly auf der Autoshow in Detroit verkündete, sämtliche Forderungen der Arbeitnehmer seien noch offen. Entscheidungen etwa über die vom Betriebsrat geforderte Mitarbeiterkapitalbeteiligung oder die Umwandlung der Adam Opel GmbH in eine Aktiengesellschaft seien noch nicht getroffen, erklärte Reilly.

«Unheimlicher Affront»

Franz wertet das als «unheimlichen Affront». Nach seinen Angaben hat Reilly als GM-Europachef bereits am 10. Dezember schriftlich die Bereitschaft von GM erklärt, die Umwandlung in eine AG auf den Weg zu bringen. Bei der Kapitalbeteiligung sei nur die Frage offen, in welcher Höhe die Mitarbeiter im Gegenzug für ihren jährlichen Lohnverzicht von 265 Millionen Euro an dem Unternehmen beteiligt werden, erläuterte Franz. Nach mehr als einem Jahr vor dem Abgrund braucht Opel dringend Erfolge. «Ich hoffe, dass wir endlich mit dem Hin und Her aufhören und uns auf das eigentliche Ziel konzentrieren: ein erfolgreicher Autohersteller zu werden», forderte der Vize-Präsident des europäischen Opel-Händler-Verbandes EURODA, Albert Still. In der Wirtschaftskrise tun sich Hersteller und Händler ohnehin schwer. 2009 retteten allein die staatlichen Abwrackprämien in vielen Ländern den europäischen Automarkt vor dem Absturz.

«Opel muss jetzt die Weichen stellen für die Produkte von morgen und übermorgen», mahnte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Als einen bedeutenden Markt sieht er Kleinstwagen, sogenannte City Cars. «Die Handschrift von Opel muss insgesamt bei den Modellen noch stärker zu sehen sein.» Das ist nach Ansicht von Dudenhöffer etwa beim Insignia und dem neuen Astra schon gelungen. Doch noch werde Opel von alter GM-Modellpolitik belastet, die zu oft auf kurzfristigen Profit statt auf langfristige Qualität ausgerichtet gewesen sei. «Die Marke Opel wurde verwässert», urteilte Dudenhöffer.

Neue Märkte

Reilly gibt Opel nun ein neues Gesicht - nicht nur am Stammsitz und in Deutschland, sondern europaweit und darüber hinaus: Der Brite hat Russland und - als neuen Markt - Asien im Visier. «Es ist immer gut, wenn eine Marke personalisiert wird», meinte Dudenhöffer.

Überraschend kommt der Führungswechsel nicht. Zu blass blieb Demant nach einhelliger Meinung nicht erst in der jüngsten Krise. Als Techniker und Ingenieur ist Demant eine unbestrittene Kapazität bei Opel. Die Rolle des Geschäftsführers, der Opel auch nach außen vertritt, blieb ihm jedoch fremd. Stattdessen wurde Betriebsratschef Franz zum Sprachrohr des Unternehmens. «Franz hat es geschafft, den Betriebsrat als Co-Management so auszubauen, dass er zum einzigen publizistisch wahrgenommenen Management wurde - das ist einmalig in der deutschen Industriegeschichte», sagte der Leiter der Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW), Wolfgang Meinig.

Demant darf trotzdem bleiben und überwacht künftig weltweit die Produktrechte von GM. Sein Posten mit dem blumigen Titel «GM Vice President Intellectual Property Rights» wurde eigens geschaffen. (dpa)

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