«Bund lässt Opel gegen die Wand fahren»

Autoexperte Dudenhöffer

Opel in Bochum © Foto: dpa

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat dem Bundeswirtschaftsminister den Willen zur Opel-Rettung abgesprochen. Das Treffen im Kanzleramt sei naiv vorbereitet worden. Doch nicht jeder will die Sitzung in Berlin negativ beurteilen.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den unbedingten Willen zur Rettung des angeschlagenen Autobauers Opel abgesprochen. «Man hat den Eindruck, er will Opel bewusst in die Insolvenz schicken und den Schwarzen Peter den USA zuschieben», sagte der Professor an der Universität Duisburg-Essen am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Frankfurt.

Treuhandmodell kein Erfolgsmodell

Guttenberg habe sich zu sehr auf sein Treuhandmodell festgelegt, das aber keine Chancen auf Erfolg habe: «Die Amerikaner können dem Modell nicht zustimmen, weil es gegen US-Gläubigerrecht verstoßen würde», sagte Dudenhöffer: «Man kann auch nicht vom lieben Gott verlangen, dass er mit dem Teufel essen geht.» Nach Einschätzung von Experten kann die amerikanische Seite vor dem drohenden Insolvenz- Verfahren von General Motors (GM) keine allzu großen Zugeständnisse machen, weil sie damit eine Klageflut von Gläubigern riskieren würde.

Anstatt weiter an dem Treuhandmodell festzuhalten, hätten sich die Beteiligten am Mittwoch für Magna als Investor bei Opel entscheiden und die Bedingungen für einen Einstieg festlegen müssen. Alternativ könne der Staat auch vorübergehend selbst einspringen. «Die Chance ist groß, dass auch GM und die US-Regierung Magna bevorzugen, weil Fiat mit Chrysler ein direkter Konkurrent von GM in Amerika ist.» Die Bundesregierung will hingegen mit Magna und Fiat weiter verhandeln.

Naive Vorbereitung

Der bei den Autoherstellern nicht unumstrittene Experte kritisierte, dass das Opel-Treffen in der Nacht zum Donnerstag im Kanzleramt «naiv» vorbereitet gewesen sei. «Es ist unverständlich, das die Konzepte nicht vorab mit Magna und Fiat abgestimmt wurden.» Alle Beteiligten seien nach Berlin gekommen, aber nichts habe geklappt. Der Bund lasse Opel mit dieser Strategie an die Wand fahren. Es sei zwar «chaotisch», dass GM das Treffen mit einer Forderung nach weiteren 300 Millionen Euro Liquidität eröffnet habe. Allerdings hätte man derartiges erwarten können, sagte Dudenhöffer: «Das ist GM. Wir erleben die ganze Zeit, dass die ihre Zahlen nicht im Griff haben.»

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sieht die Chancen für den angeschlagenen Autobauer Opel trotz der ergebnislosen Nachtsitzung im Kanzleramt indes eher verbessert. Allerdings brauche Opel bereits am kommenden Dienstag 500 Millionen Euro Liquidität statt der ursprünglich kalkulierten 100 bis 150 Millionen, wenn die europäische Einheit bis dahin vom Mutterkonzern General Motors (GM) entflochten sein sollte. Deshalb bestehe hoher Zeitdruck, sagte Koch am Donnerstagmorgen auf einer Sondersitzung des Landtags-Haushaltsausschusses in Wiesbaden.

Koch zuversichtlich

Koch sagte, er gehe «mit einem beträchtlichen Maß an Optimismus in die nächsten 24 oder 36 Stunden». Er begründete das mit dem Engagement der Investoren und deren Einschätzung zur Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Durch eine staatliche Brückenfinanzierung könne das Geld nicht bereits am kommenden Dienstag bereitgestellt werden, sagte Koch. Deshalb müsse dies einer der potenziellen Investoren tun. Magna sei dazu bereit. Für eine Brückenfinanzierung bräuchten Bund und Länder aber auch eine klare Aussicht auf eine anschließende dauerhafte Lösung: «Wir können die Überbrückung nach dem Bürgschaftsrecht nur leisten, wenn wir wissen, dass es etwas nach dem Übergang gibt.» Diese Perspektive müsse in einer Absichtserklärung zwischen GM und einem Investor bestehen. Die USA brächten dafür wenig Verständnis auf und hätten sich bei den Gesprächen «schädlich» verhalten.

Koch sagte, dass GM eine Präferenz für den Investor Magna habe erkennen lassen. Fiat dagegen wolle die Verbindungen zwischen Opel und der Konzernmutter weitgehend lockern. Die Konzepte der beiden Investoren unterschieden sich auch darin, dass Magna die Produktion zwar konzentrieren, aber kein Element der Fertigung aufgeben wolle. Fiat dagegen wolle die Opel-Fahrzeuge zudem mit Fiat-Motoren ausstatten. Der Haushalts-Ausschuss fasste am Donnerstag keinen Beschluss über den hessischen Beitrag von rund 450 Millionen Euro zur Brückenfinanzierung. Er vertagte sich auf Sonntag.

Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) hofft, dass an diesem Freitag eine Entscheidung über die Zukunft von Opel getroffen werden kann. Zugleich kritisierte Steinmeier am Donnerstag in Berlin, dass die Finanzierungslücke bei der amerikanischen Opel- Mutter General Motors (GM) erst zu Beginn der Verhandlungen bekannt wurde. «Das hätte man eher wissen können und vor allem sagen müssen. Das zeigt, dass die Kommunikation zwischen Amerika und Europa noch nicht gut genug ist.» Es gelte nun, das Tempo zu halten. (dpa/AG)