«Anspruchsvolle Ziele besser als Visionen«

Dieter Zetsche in Tokio © Foto: dpa

Dieter Zetsche rechnet für das Jahr 2007 für die Mercedes-Gruppe weltweit mit einer leichten Absatzsteigerung. Überrascht zeigte sich der Daimler-Chef von der Nachfrage nach Dieselfahrzeugen in den USA.

Von Frank Mertens

Dieter Zetsche rechnet für das Jahr 2007 trotz eines schwierigen Gesamtmarkts mit einer Absatzsteigerung der Mercedes-Gruppe. «Nachdem wir uns anfänglich zum Ziel gesetzt haben, in 2007 einen Absatz in der Größenordnung des guten Jahres 2006 zu erzielen, sieht es derzeit so aus, dass wir mit einer Steigerung rechnen könnten»; sagte der Daimler-Chef am Mittwoch zum Auftakt der Tokio Motorshow.

Deutscher Markt als Sonderfall

Seine Zuversicht schöpft Zetsche aus den Verkaufszahlen der ersten neun Monaten des Jahres. In diesem Zeitraum konnte die Mercedes-Gruppe (Mercedes, Smart, Maybach) weltweit einen Rekordabsatz von 942.300 Fahrzeugen vermelden. In den ersten drei Quartalen des Vorjahres hatte der Absatz noch bei 934.200 Fahrzeugen gelegen. Insgesamt hatte die Mercedes-Gruppe, die seit der Namensumbenennung von DaimlerChrysler in Daimler AG nun Mercedes-Benz Cars heißt, im zurückliegenden Jahr 1,25 Millionen Fahrzeuge verkauft.

Dass in Deutschland der Privatkundenmarkt rückläufig ist, sei «natürlich keine erfreuliche Entwicklung», wie Zetsche sagte. Den Rückgang des Privatkundengeschäftes führt der Daimler-Chef auf die kontinuierliche Belastung der Autofahrer zurück. «Und damit meine ich nicht die Neuwagenpreise.». Beim Verbraucher herrsche einfach wegen ständig neuer Ideen und Konzepte seitens der Politik eine starke Verunsicherung. In diesem Zusammenhang nannte Zetsche die Diskussion um die C02-Steuer. «Sie ist nicht erfreulich und kann niemanden mit Freude erfüllen.» Zetsche spricht sich dafür aus, dass die C02-Steuer schnell eingeführt wird. Allerdings müsse darauf geachtet werden, dass sie nicht nur Neufahrzeuge umfasst, sondern die gesamte Flotte einbezieht.

Klare Strategien

Nachdem die Vision einer Welt AG, zu der die einstigen DaimlerChrysler Chefs Edzard Reuter und Jürgen Schrempp den Konzern machen wollten, gescheitert ist, will Zetsche von weiteren Visionen nichts wissen. «Nach zweimal zehn Jahren der Verfolgung einer Vision, haben wir kein Bedürfnis, eine Vision für unser Unternehmen in den Vordergrund zu stellen.» Allerdings habe er Strategien und klare Ziele für alle Divisionen des Konzerns. «In zehn Jahren wollen wir für Anleger eine Aktie darstellen, an der man nicht vorbeikommen kann.» Zugleich will Zetsche, dass die Daimler AG für Studienabgänger ein Arbeitgeber ist, bei dem man unbedingt einen Job haben will. Zugleich wolle man seinen Kunden natürlich die begehrtesten und attraktivsten Autos überhaupt anbieten. «Das sind sehr bodenständige Ziele, doch wir glauben, damit gut für die Zukunft aufgestellt zu sein», sagte Zetsche und fügte hinzu: «Es ist wahrscheinlich besser, anspruchsvolle und weitgesteckte Ziele zu verfolgen als Visionen.»

Ökologischer Aspekt immer wichtiger

Mercedes C-Klasse in Tokio Foto: dpa

Zu diesen anspruchsvollen Zielen gehört in Zeiten der Klimadiskussion auch das Angebot von verbrauchsgünstigen Fahrzeugen, die dem Kunden angeboten werden. Und hier will Mercedes mit neuen Technologien Vorreiter sein. Eines dieser innovativen Fahrzeuge ist das Forschungsfahrzeug F700, dass mit einem Diesotto-Triebwerk und einem Hybrid ausgestattet ist. Der Diesotto vereint die Sparsamkeit eines Dieselmotors mit der Sauberkeit eines Ottomotors. So liegt der Verbrauch des 1.8 Liter Hubraum großen Vierzylinders bei 5,3 Litern und einem C02-Ausstoß von 127 Gramm pro Kilometer. Ob man den F700 in dieser Form jedoch jemals auf der Straße sieht, ist unwahrscheinlich. «Es ist ein Concept Car und kein Vorläufer eines Produktionsfahrzeuges», so Zetsche. Doch die Technologien, die in dem Auto stecken, verfolge man jedoch fast komplett weiter. Das treffe auch auf Designelemete zu, die man auch in künftigen Modellen wiederfinden werde.

Diesotto-Technologie kommt

Der Diesotto-Motor enthalte verschiedene Technologiebausteine, die man so auch in den Markt bringen werde. «80 Prozent der Wirkungsweise dieses Motor können in den nächsten vier bis fünf Jahren erwartet werden», so Zetsche. Die restlichen 20 Prozent, für die eine grundlegende Veränderung der Konstruktion und der Hardware notwendig ist, seien in einem Zeitraum von sechs bis sieben Jahren darstellbar.

Mit Blick auf die Bluetec-Technologie stellte Zetsche fest, dass man den Diesel so sauber machen wolle wie einen Benziner. In den USA bietet Mercedes mittlerweile in allen Bundesstaaten Dieselfahrzeuge an. Bei der E-Klasse liegt der Anteil an Bluetec-Fahrzeugen mittlerweile bereits bei 17 Prozent. «Ich bin überrascht, wie schnell sich die Zurückhaltung der Amerikaner mit Blick auf den Diesel gelegt hat und in einer starkes Interesse übergegangen ist.»