PS-Protzerei in Zeiten des Klimawandels

Ein zum Lowrider umgebauter Hummer H2 © Foto: Messe Essen

Die einen diskutieren über ein Tempolimit von 130 km/h, die anderen über immer mehr PS. Das Eldorado der Tuner ist die Essen Motorshow, die Anfang Dezember ihren 40. Geburtstag feiert.

Es gibt in der Autowelt Dinge, über die derzeit nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Schließlich ist es nicht so, dass Atem beraubende PS-Zahlen und gesteigerte Höchstgeschwindigkeiten bei Zuhörern unisono für ein zustimmendes Nicken sorgen. Wer sich jedoch aller Umweltdiskussion zum Trotz für solche Themen begeistern kann, der findet vom 1. bis 9. Dezember mitten im Ruhrgebiet eine Art Eldorado, das Gleichgesinnte anzieht: Auf der Essen Motor Show geht es nur um den Spaß am Auto und am Motorrad. In diesem Jahr wird die Automesse 40 Jahre alt.

Verbrauch kein Tabu-Thema

Allerdings sind auch bei den Motor-Tunern mittlerweile Themen wie Kraftstoffverbrauch angekommen: «Bei neuen Diesel-Leistungssteigerungen gibt es jetzt auch die Kombination aus zusätzlicher Leistung und gleichzeitig gesenktem Verbrauch», erklärt Mathias Albert, Sprecher des Verbandes Automobiltuning und -zubehör (VATZ) in Frankfurt/Main. Allerdings scheint die Kundschaft selbst weiterhin vor allem auf die Leistung zu schauen: Bestrebungen, solche Maßnahmen mit den Begriff Eco-Tuning zu versehen, kamen bei der Klientel bisher nicht wirklich an.

Äußerlich wird die Veredelung oder das Tuning des Wagens nicht mehr überdeutlich herausgestellt. «Die Optiken zeigen sich eher zurückhaltend, auch auffällige Lackierungen sind eher selten», so Albert. Was in diesem Jahr an Neuheiten zu sehen sein wird, dazu schweigen die Autoveredler meist bis zur Eröffnung der Motor Show.

Überarbeitung des M3

Auf der Essen Motorshow sind Rennsportboliden wie dieser BMW der letzten 40 Jahre zu sehen Foto: Messe Essen

Es wird jedoch davon ausgegangen, dass unter anderem verschiedene überarbeitete Varianten des neuen M3 von BMW zu sehen sein werden. Der Veredler Carlsson plant laut Pressesprecher Stefan Müller die Vorstellung von drei Modellen. Erwartet wird ein überarbeitetes T-Modell der Mercedes C-Klasse. Auch eine S-Klasse und ein Mercedes ML sollen dabei sein. Abt aus Kempten dürfte mit einem entsprechend aufbereiteten A5 von Audi vertreten sein.

Neben all den straßentauglichen Fahrzeugen gibt es auch zahlreiche Dinge aus der Autowelt zu sehen, bei denen niemand auch nur einen Gedanken an eine offizielle Zulassung verschwendet hat. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Art-Cars - Unikate, die von Künstlern nicht nur erdacht, sondern auch gebaut wurden.

In diesem Jahr gehört dazu ein Ding, das den Namen Phantoms trägt. Optisch erinnert die vom Bildhauer William Burge aus einzelnen Blechen gefertigte Karosserie entfernt an einen Bugatti Atlantic aus den 30er Jahren - dessen Frontpartie jedoch nicht mit stilisierten Hunde-, Vogel- und Menschenköpfen verziert war. Die Basis dieser ungewöhnlichen Erscheinung war allerdings mal recht alltäglich - das Chassis spendete ein VW Käfer aus dem Jahr 1968.

Skurrile Eigenbauten

Auch die Motorradseite ist vertreten - und zwar mit einer Reihe recht skurriler Eigenbauten. So haben Shane Landon und Judd Ball ihren ersten Eigenbau «Bonz» als Skelett verkleidet. Bruce Vetti hat gemeinsam mit seinen Söhnen Tony, Mike und Kevin ein ohnehin schon recht seltenes Motorrad vom Typ Boss Hoss zu einem Einzelstück mit dem Namen «The Dragon Slayer» modifiziert - Wert: 150.000 Dollar (101.000 Euro).

Gleichzeitig entdeckt die Motor Show aber ihre Wurzeln wieder: Die lagen im Bereich Motorsport - schließlich startete die Veranstaltung einst als Internationale Sport- und Rennwagenausstellung. In diesem Jahr werden daher laut der Messe Essen Boliden aus dem Rennsport der vergangenen 40 Jahre gezeigt. (dpa)