Hybridautos dominieren VCD-Umweltliste

Neuer Spitzenreiter

Voller Erfolg für Toyota bei der VCD-Umweltliste © VCD

Der Lexus 200h hat die diesjährige Gesamtwertung in der Umweltliste des Verkehrsclubs Deutschland für sich entschieden. Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD, forderte zugleich einen Wertewandel beim Umgang mit dem Auto.

Von Thomas Flehmer

Es hat etwas vom bekannten Weihnachtslied "Alle Jahre wieder". Mitte August lädt der Verkehrsclub Deutschland jedes Jahr zur Vorstellung der Sieger der VCD-Umweltliste. Seit Jahren stellen Hybridfahrzeuge den Gesamtsieger des Rankings, das sich aus den CO2- und Lärmwerten, sowie der Schadstoff- und Naturbelastung der geprüften Fahrzeuge ergibt.

Keine "Super-Spitzenleistung" vom Smart

In diesem Jahr gab es geringfügige Veränderungen. Mit dem Lexus 200h konnte ein Neueinsteiger gleich den ersten Platz sowohl im Gesamtranking als auch in der Kompaktklasse für sich verbuchen Und mit 87 Gramm CO2-Ausstoß auf einem Kilometer reihte sich der Golf-Gegner der Toyota-Nobelmarke hinter dem Smart Fortwo Coupé Diesel bei den Klimabesten ein. Der Kleinwagen von Daimler stößt ein Gramm weniger in die Luft.

"Nicht gerade ein Super-Spitzenleistung", sagte Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD, nicht nur im Vergleich zum ungleich schwereren Hybridfahrzeug aus Japan. Denn auch der Polo Bluemotion mit seinen Derivaten Seat Ibiza Ecomotive und Skoda Fabia Greenline sowie der Toyota Auris Hybrid und Prius sind mit gerade mal 89 Gramm dem Spitzenduo auf den Fersen.


Kritik an deutschen Herstellern

Der VW Polo Bluemotion war als einziges deutsches Fahrzeug in den Top Ten vertreten VW

Doch die Liste ist in jedem Jahr der Ausgangspunkt des VCD, dem Verbraucher Informationen für den Neuwagenkauf zu geben und der Automobilindustrie – vor allem den deutschen Herstellern – den richtigen Weg zu weisen. Das vom Verband der Automobilindustrie (VDA) kürzlich ausgewiesene Lob, den CO2-Ausstoß im vergangenen Jahr gravierend gesenkt zu haben, stößt Lottsiepen auf. Denn die in Europa knapp über 140 Gramm – in Deutschland sind es 151 Gramm – hatten die Hersteller in einer Selbstverpflichtung für 2008 zugesagt, um verbindliche Grenzwerte zu verhindern.

"Der Rückgang fällt so hoch aus, weil die Hersteller jahrelang nichts getan haben und Wirtschaftskrise und Abwrackprämie den Drang zu kleineren Fahrzeugen forcierten." Den Minderverbrauch zu hervorzuheben, quittiert Lottsiepen, "wäre so, als würde Bayern München die vergangenen Saison als Erfolg feiern."

"Auf dem Holzweg"

Der Porsche Panamera Hybrid Porsche

Dass eine konsequente Senkung erreicht werden kann, beweisen die Top Ten des Gesamt-Rankings, so Lottsiepen. Die überwiegend aus Kleinwagen bestehenden Besten unterschreiten bereits heute den Grenzwert von 95 Gramm pro Kilometer, der 2020 erreicht werden müsse.

Angesichts von gleich fünf Hybridmodellen unter den Top Ten des Gesamtranking rüffelte Lottsiepen die deutschen Hersteller, die diese "Entwicklung lange Zeit verschlafen" hätten und sich jetzt "auf dem Holzweg" befänden, da sie die Technik mit einem Verbrennungs- und Elektromotor lediglich in den großen und schweren Fahrzeugen anbieten.

Keine Kaufempfehlung für Elektroautos

Elektrofahrzeuge wir der Peugeot Ion werden in den kommenden Jahren das Ranking bestimmen Peugeot

"Es reicht nicht aus, sich auf das Premium-Segment zu konzentrieren, um Kunden aus Russland und China zu gewinnen", sagt Lottsiepen, "man braucht heute kein Auto, das mehr als fünf Liter benötigt. Da müssen wir einen Wertewandel vollziehen." Dass auch die Hybridfahrzeuge außerhalb des Stadtverkehrs sehr viel mehr verbrauchen, da dort der Elektromotor kaum zum Einsatz kommt, wird aufgrund der Maßstäbe der Umweltliste nicht genügend berücksichtigt, auch wenn die außerstädtische Fahrt soll doppelt so hoch bewertet werden soll wie der Verbrauch im Stadtverkehr.

Für die Hybriden wird es sowieso vorerst das letzte Jahr des Triumphes gewesen sein. Ab dem kommenden Jahr wird das ein oder andere Elektrofahrzeug vorbeiziehen. Ob und wie dann das bereits während der Produktion entschwebte CO2 mit in die Bewertung einfließt, wird zur Denkaufgabe für die nächste Ausgabe der Liste. Einen Kauf der leisen Fahrzeuge kann Lottsiepen aufgrund der teuren Finanzierung keine Kaufempfehlung aussprechen – zumindest nicht für Privatpersonen.

"Nutzen statt besitzen"

Das Car2Go-Programm läuft recht erfolgreich Daimler

Diese sollten die mobile Zukunft sowieso anders als bisher gestalten. "Es reicht nicht, ein umweltschonendes Fahrzeug zu kaufen", sagt die VCD-Bundesvorsitzende Monika Ganseforth, "es müssen auch die Alternativen gestärkt werden." So sollte das Fahrzeug auch stehen gelassen werden, um die öffentlichen Nahverkehrsmittel oder das Fahrrad zu benutzen.

Noch mehr setzt der VCD auf den Trend "Nutzen statt besitzen", sprich Car-Sharing oder das zeitweise Mieten eines Autos. Das im Aufbau befindliche Projekt "Mu by Peugeot" lobte Lottsiepen mehrmals. Das bereits seit Jahren erfolgreiche "Car2Go" von Daimler fand keine Berücksichtigung. Auch das hatte etwas von "Alle Jahre wieder".


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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.