Unterschätzte Komfort-Zentimeter

Ladekantenhöhen

Unterschätzte Komfort-Zentimeter
Eine zu hohe Ladekante sorgt nicht immer gute Stimmung © Foto: dpa

Zu den unterschätzten Autoparametern gehört die Höhe der Ladekante. Noch nie war sie so hoch angesetzt wie bei manch aktuellem Kleinwagen.

Von Martin Woldt

Mit 53 Zentimetern „über dem Meeresspiegel“ ist die Ladekante des Lamborghini Gallardo eigentlich sensationell niedrig. Man könnte vermuten komfortabel. Aber weder steht das Fahrzeug in dem Ruf besonders familienfreundlich zu sein, noch passen in seinen 110 Liter großen Kofferraum wesentlich mehr als Hut, Schirm, Brille und Gesangbuch, gut noch ein Fläschchen Davidoff «Cool Water». Der Kofferraumzugang liegt letztlich so hoch wie beim Opel Combo. Was für ein Gleichnis. Die Ladekante erscheint als irritierendes Fahrzeugmaß, das keine endgültigen Rückschlüsse auf den Charakter des Fahrzeuges erlaubt. Wir haben uns angewöhnt, eine niedrige Schwelle zum Kofferraum als besonders alltagstauglich anzusehen; vermutlich weil uns Aldi und Co. immer häufiger auf Parkplätze und Parkhäuser entlang der Einfallsstraßen nötigen, um uns zum gewichtigen Großeinkauf zu animieren.

Kein ausschlaggebendes Kriterium

Der Suzuki Alto verfügt über eine recht hohe Ladekante Foto: Suzuki

Als ein ausschlaggebendes Kriterium für den Autokauf mag ADAC-Testingenieur Dino Silvestro die Ladekantenhöhe auch nicht betrachten. «Für unsere Testbewertung spielt sie immer dann eine Rolle, wenn es darum geht, die Zugänglichkeit des Kofferraums einzuordnen.» Welchen Nutzen könnte eine niedrige Schwelle für sich genommen auch versprechen, wenn breite Rückleuchten, enge Radhäuser oder tiefe Bordwände das Einladen dennoch mühsam machen?

Silvestro erkennt in erster Linie Designgründe, die die Höhe beeinflussen. Breite, das Heck betonende Stoßfänger hätten eben häufig auch eine hohe Kante zur Folge. «Um eine geringe Höhe bemühen sich die Hersteller bei bestimmten Bauformen wie Kombis oder Familienvans, bei denen die Ladung einen eher größeren Stellenwert besitzt. Tatsächlich waren unter den von uns betrachteten rund 800 Modellreihen aus den letzten 15 Jahren 156 Kombis und 113 sogenannte Großraumlimousinen, deren Ladekante sich zwischen eher niedrigen 50 bis 66 Zentimetern bewegen.»

Zwischen 36 und 82 Zentimetern

82 Zentimeter muss man beim Toyota iQ heben Foto: Toyota

Allen voran der inzwischen nicht mehr gebaute Daihatsu Gran Move, dessen Kofferraumschwelle unschlagbare 36 Zentimeter über dem Asphalt schwebt. Ausreißer-Kombis nach oben - allerdings wenige - gibt es auch. So präsentiert sich das seit 2006 gebaute noch aktuelle T-Modell der E-Klasse mit stattlichen 79 Zentimetern über dem Erdboden. Vielleicht ein Hinweis, dass man in dieser Liga eher einkaufen lässt als selbst bei Getränke Hoffmann vorzufahren. Sei es drum, denn auch da, wo man wohl noch eher selber den Einkaufwagen schiebt, sieht es bisweilen kaum besser aus.

Etwa beim noch recht neuen Suzuki Alto, einem Vertreter aus dem gerade ziemlich begehrten Segment der Minis. Auf eine Höhe von 81 Zentimetern legt Suzuki hier die Latte, so hoch wie beim baugleichen Nissan Pixo oder dem sonst so knuffigen Peugeot 107. Noch einen Zentimeter mehr hat der Toyota iQ zu bieten - ein Zeichen, dass die Verbrauchswerte momentan manch andere Autoqualität völlig in den Schatten stellen?

Goldene Faustregel

Wenn sich eine hohe Kante schon nicht vermeiden lässt, sollte man darauf achten, dass sie keine lackierten Flächen auf gleicher Ebene mit dem Plastikmantel aufbietet. Das sind die Stellen, an denen neue Autos sehr bald unansehnlich werden. Schützen kann man solche Stellen mit geeigneten Klebefolien aus dem Zubehörhandel. Und letztlich gibt es auch kein Idealmaß für die Ladekante. Eine Faustregel besagt, dass sie sich irgendwo zwischen oberhalb der Knie und der Mitte der Oberschenkel befinden sollte.

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