Neuentwicklungen für «Retractable Hardtops»

Aufklappen mit mehr Stil

Ein Retractable Hardtop von Webasto © Foto: Webasto

Stoffdächer werden häufig den Stahldachkonstruktionen vorgezogen. Einige Automobilzulieferer wollen mit pfiffigen Lösungen die festen Klappdächer weiter etablieren.

Von Felix Rehwald

Praktische Lösungen müssen nicht immer auf Gegenliebe stoßen. So schätzen zwar viele Cabriofans den Nutzen eines «Retractable Hardtops» (RHT), das ein offenes Auto auf Knopfdruck zum allwettertauglichen Coupé macht. Doch weil die festen Klappdachkonstruktionen bislang Kompromisse bei Design und Kofferraumvolumen erforderlich machten, ziehen viele weiterhin herkömmliche Stoffdachlösungen vor. Einige Automobilzulieferer arbeiten daher an Neuentwicklungen, die den RHTs ein gefälligeres Aussehen oder pfiffige Zusatzfunktionen verschaffen sollen.

Mix aus Klapp- und Stoffverdeck

Ein Beispiel dafür liefert Webasto mit der Studie Light Concept. Das Roadsterdach soll nach Angaben des Unternehmens im bayrischen Stockdorf die Vorteile eines festen Klappdachs mit denen eines klassischen Stoffverdecks verbinden. Es besteht aus einem neuen Materialmix, bei dem Leichtbauteile aus Polyurethan und Polycarbonat kombiniert wurden. Sie sollen dem 14 Kilogramm schweren «Hybrid»-Dach Festigkeit geben, ohne dass dabei seine Flexibilität verloren geht.

Statt Metallgestänge und Gelenke setzt Webasto eine spezielle Scharnier-Technik ein. Dadurch ergibt sich ein einziger Drehpunkt, über den das Dach bewegt wird. Die Unterkonstruktion wird aus einem Stück gefertigt, die äußere Oberfläche besteht aus einer durchgehenden Stoffbahn. Nicht zuletzt deshalb sieht das feste Dach wie ein Stoffverdeck aus. Es lässt sich laut Webasto mit einem Handgriff öffnen und in einem Teil auf dem Heckbereich ablegen. Stauraum im Kofferraum wird dadurch nicht benötigt. Eine kratzfeste, beheizbare Polycarbonat-Heckscheibe ist ebenfalls Teil des Konzepts.

Hardtop im Softlook

Über das Design seiner RHTs hat sich auch der französische Zulieferer Heuliez Gedanken gemacht. Er liefert unter anderem die Dachkonstruktion für den Opel Tigra TwinTop. Für Kunden, die zwar den Nutzen des klappbaren Stahldachs schätzen, aber wenig begeistert von seinem Aussehen sind, gibt es das Tigra-RHT nun auch im «Softtop-Look»: Ein auf die Stahlsegmente geklebter Textildachstoff soll dem Roadster nach Firmenangaben ein «nostalgisches Aussehen» verleihen.

Wie dagegen eine lichte Klappdachlösung für ein viertüriges Cabrio aussehen könnte, hat Heuliez anhand der Studie Macarena vorgestellt. Über der Karosserie, für die ein Peugeot 407 die Basis lieferte, spannt sich ein Glasdach mit drei Segmenten. Auf Knopfdruck faltet sich die Konstruktion laut Heuliez platzsparend im Heck zusammen, so dass noch ein Kofferraum mit 300 Litern Volumen zur Verfügung steht. Außerdem könnten dadurch die hinteren Sitzplätze «komfortabel» ausgelegt werden. Darüber hinaus lassen sich die Glassegmente als stufenloses Schiebedach verwenden.

Schwenkdach für besseren Zustieg

Komfort war auch ein Thema für die Dachkonstrukteure beim Zulieferer Edag aus Fulda beim Umbau eines Rolls-Royce Phantom. Sie hatten für die Schwenkdachlösung «Vision Komfort» allerdings kein RHT im Sinn. Es soll Fahrzeuginsassen vielmehr einen bequemeren Zustieg zum Fond ermöglichen. Da sich das Dach im Bereich der hinteren Sitzbank zur Mitte hin ein Stück weit aufklappen lässt, ist laut Edag «ein aufrechtes Ein- und Aussteigen» möglich. Ein würdeloses gebücktes Hinein- und Hinauszwängen wäre für die adlige oder betuchte Rolls-Royce-Kundschaft somit hinfällig.

«Es ist immer gut, wenn experimentiert wird», sagt der Automobilexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer über die neuen Dachkonzepte. Ob jedoch auch alle Erfolg haben werden, sei fraglich. Vor allem die aufgeklebten «Stoffmützen» oder die Ein- und Ausstiegshilfen für Rolls-Fahrer schätzt der Dozent an der Fachhochschule Gelsenkirchen eher als Spielerei für Automessen ein. Am aussichtsreichsten seien Ideen, die den RHTs ein schickeres Aussehen, einen geringeren Platzbedarf im eingeklappten Zustand und auch noch niedrigere Produktionskosten bescherten. Denn die Konkurrenz aus Stoff sei nicht zu unterschätzen: «Klassische Stoffdächer sind viel zeitloser als man gedacht hat.» (dpa/gms)