Junge und alte Fahrer besonders unfallgefährdet

Sicherheitstraining © Foto: dpa

Übermut und Selbstüberschätzung führen häufig zu Unfällen. Gerade bei zwei sehr unterschiedlichen Zielgruppen besteht eine höhere Unfallgefahr als bei anderen Verkehrsteilnehmern.

Von Felix Rehwald

Die Entwicklung ist eindeutig: Seit Jahren geht die Zahl der Verkehrsunfälle in Deutschland zurück. Noch nie war die Quote der bei Unfällen getöteten Menschen so niedrig wie heute. Dennoch lässt sich das Risiko nicht gänzlich ausschalten. Dabei besteht für manche Verkehrsteilnehmer eine höhere Gefahr: Junge Fahrer und Senioren sind besonders häufig unter den Opfern.

Tragische Disco-Unfälle

Von den insgesamt 5091 im Jahr 2006 getöteten Verkehrsteilnehmern kamen dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden zufolge 1011 aus der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen. 83.292 junge Menschen wurden bei Unfällen verletzt. «Alle sechs Minuten verunglückt ein 18- bis 24-Jähriger», sagt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn. Alle acht Stunden sei ein Todesfall zu beklagen.

Langfristig betrachtet, sei zwar auch bei den jungen Fahrern ein Rückgang der Opfer festzustellen, sagt Klaus Brandenstein von der Unfallforschung der Versicherer in Berlin. Dennoch bereitet diese Gruppe den Experten große Sorgen. «Da kommen jugendlicher Übermut, Unerfahrenheit und Selbstüberschätzung zusammen», sagt Marion Steinbach von der Deutschen Verkehrswacht (DVW) in Bonn. Oft sind noch Alkohol- und Drogenkonsum, Übermüdung und Imponiergehabe im Spiel - mit den immer wieder zu beklagenden tragischen Disco-Unfällen als Folge.

Selbstüberschätzung bei Senioren

Selbstüberschätzung ist laut Steinbach auch ein Grund dafür, warum viele ältere Verkehrsteilnehmer ab 75 Jahren unter den Unfallopfern sind. «Viele Senioren sehen sich selbst noch als jung-dynamisch an. Dabei unterschätzen sie häufig bestimmte körperliche Defizite», sagt die DVW-Sprecherin.

Das erkläre auch, warum viele Senioren als Fußgänger und Radfahrer unter den Unfallopfern sind, sagt Rademacher vom DVR. «Sie sind nicht mehr so schnell und kommen nicht mehr so leicht über die Straße», sagt Marion Steinbach. Hinzu kommt laut Klaus Brandenstein, dass ältere Menschen verletzungsanfälliger sind.

Anstieg von Opfern befürchtet

Eine Eigenschaft, über die Ältere verfügen, macht das Erkennen von Defiziten nicht leichter: «Sie können sehr viel kompensieren», sagt Brandenstein. Langjährige Fahrroutine könne körperliche Mängel in einem gewissen Rahmen wieder wettmachen. Manche Senioren richteten auch ihre Fahrzeiten nach einer günstigen Wetter- oder Verkehrslage.

Für die Forscher ist es interessant, wie sich der demographische Wandel auf die Unfallzahlen auswirkt. «Senioren sind eine Klientel, die in den nächsten Jahrzehnten immer größer wird», so Brandenstein. Steinbach befürchtet daher einen Anstieg der Opferzahlen. Auf der anderen Seite könnte eine bessere Ausstattung der Autos mit Sicherheitstechnik positive Wirkung haben.

Keine Stigmatisierung

Gespannt sind die Experten auch, welche Ergebnisse neue Ansätze zur Verbesserung der Verkehrssicherheit junger Fahrer liefern. Erste Stichproben zeigten, dass der Führerschein mit 17 und das begleitete Fahren positive Wirkung hat, sagt Brandenstein. Ähnliches will die DVW bei den Alkoholunfällen bewirken, indem junge Frauen angesprochen werden: Sie sollen nicht mehr bei Angetrunkenen einsteigen.

Bei allen Bemühungen sollen die restlichen Verkehrsteilnehmer nicht vergessen werden: «Jeder gehört irgendwie einer Risikogruppe an», sagt Brandenstein. «Wir werden immer an verschiedenen Baustellen arbeiten müssen.» (dpa)