Der Umwelt zuliebe

Brauntöne als Auto-Lackfarbe

Der Mini Cooper Clubman in Braun © Foto: BMW Mini

Braun nimmt in den Farbpaletten der Autohersteller eine immer stärkere Rolle ein. Doch noch dominierenden die traditionellen Farben.

Von Felix Rehwald

Brauntöne sind als Autofarbe immer mehr im Kommen. Ob Mini Clubman, Audi A5 Cabrio oder Mercedes E- Klasse - Braun spielt inzwischen in den Farbpaletten vieler neuer Modelle eine Rolle. Dafür gibt es nach Einschätzung von Michael Golek vom Lackhersteller BASF Coatings in Münster einen nachvollziehbaren Grund: «Die gewachsene Bedeutung von Umweltthemen.»

Enormer Anstieg im ersten Halbjahr

Wurden nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) in Flensburg im Januar dieses Jahres nur 2448 Neufahrzeuge mit der Farbe Braun zugelassen, waren es im Juni bereits 7081. Die Zahl aller im ersten Halbjahr neu zugelassenen braunen Autos gibt das KBA mit 29.770 an.

«Ökologie ist inzwischen immer mehr Menschen wichtig. Allerdings hat sich das Verständnis gewandelt», erläutert Golek. Umweltaspekte seien keine Randthemen mehr, sondern für breite Bevölkerungsschichten salonfähig geworden. Außerdem werde Ökologie längst nicht mehr mit «Reduktion und Verzicht» assoziiert. Eine ökologische Einstellung könne heute auch luxuriös und elegant sein - Ökologie, Komfortbewusstsein und Individualität verschmelzen.

Cabrio in dunkelbraun

Das spiegelt sich laut Golek auch in den neuen Brauntönen wider, die häufig einen Metallic- oder anderen markanten Effekt haben. «Das klassische Braun war früher ein absolutes No-Go», sagt Golek. Es habe sich weiterentwickelt: Die Farbdesigner zählen zu den Tönen der Farbwelt, die sie als «die neuen Ökos - Paten der Erde» bezeichnen, tiefe warme Brauntöne, die von dunklem Honig bis Schokolade und Bronzetöne reichen.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, auf den Audi-Sprecher Thomas Hagg in Ingolstadt hinweist. So seien die Hersteller auch bestrebt, sich bei den Farben von der Konkurrenz abzuheben. Nicht zuletzt deshalb sei das «Teak-Braun», das unter anderem für das neue A5 Cabrio erhältlich ist, in die Farbpalette bei Audi aufgenommen worden. «Mit dem A5 Cabrio waren wir relativ früh», sagt Hagg. Außerdem sei es derzeit das einzige Cabrio, das in Dunkelbraun erhältlich ist. Mit der Entscheidung bewiesen die Ingolstädter offenbar ein gutes Gespür: «Gerade beim Cabrio ist das eine stark gefragte Farbe», sagt Hagg. Braun könnte sich gewissermaßen zum neuen Weiß entwickeln.

Grau vor schwarz

Warum sich eine Farbe bei bestimmten Autos als Modefarbe durchsetzt, kann Hagg nicht genau erklären. «Die Leute sehen das, immer mehr haben es und irgendwann ist eine kritische Masse erreicht.» Allerdings räumt Hagg auch ein, dass die Akzeptanz neuer Farbtöne vor der Markteinführung ausgiebig getestet und von der Marketingabteilung reichlich Marktforschung betrieben wird.

Trotz des neuen Trends zum Braun machen braune Autos bezogen auf alle Neuzulassungen in Deutschland noch immer einen eher geringen Anteil aus. Laut KBA wurden im ersten Halbjahr rund 2,06 Millionen Pkw neu zugelassen. Die 29.770 braunen Autos entsprechen also nur rund 1,4 Prozent der Neuzulassungen. Graue Autos führen mit 690.842 (rund 34 Prozent) unangefochten die Rangliste an, gefolgt von schwarzen Pkw mit 573.328 (rund 28 Prozent).

Tendenz zu neuen Trendfarben

Laut Farbexperte Michael Golek werden sich die Auswirkungen der neuen Trendfarben erst in zwei bis drei Jahren deutlicher in den Zulassungsstatistiken bemerkbar machen. «Das wird sich noch verstärken.» Allerdings sei es auch ausgesprochen schwierig, die großen Farben Schwarz, Silber - das statistisch als Grauton zählt - und Dunkelblau abzulösen. Autokäufer - und zwar sowohl Flottenbetreiber als auch Privatleute - achteten bei der Farbwahl immer noch stark auf den Wiederverkaufswert.

Dabei herrsche noch die Ansicht vor, für ein schwarzes oder graues Auto lasse sich beim Wiederverkauf ein höherer Preis erzielen als für ein braunes oder rotes. Eine Ausnahme machen Autokäufer laut Golek bei Spaß- oder Single-Autos. Bei diesen Gattungen setzten sich neue, auffällige Farben eher durch. (dpa/tmn)