Angst vor Erster Hilfe ist meist unbegründet

Mehr Mut zum Helfen

Angst vor Erster Hilfe ist meist unbegründet
Experten beklagen fehlenden Mut zur Ersten Hilfe © Foto: dpa

Viele Autofahrer fühlen sich nicht in der Lage, bei Autounfällen Erste Hilfe zu leisten. Dabei ist die schnelle Hilfe wichtig, selbst dann, wenn sie nicht korrekt angewendet wird.

Von Felix Rehwald

Beim Thema Erste Hilfe ist vielen Autofahrern nicht wohl in ihrer Haut: Sie fühlen sich unsicher, überfordert, haben Angst vor Fehlern. Für sie ist es daher eine Horrorvorstellung, bei einem Unfall plötzlich als Ersthelfer gefordert zu sein. Notfallmediziner halten die Sorgen jedoch für unbegründet, denn als Ersthelfer kann man nicht viel falsch machen - im Gegenteil.

Viele fühlen sich nicht in der Lage

Nach Angaben des ADAC in München fühlen sich die meisten Autofahrer nicht in der Lage, bei einem Unfall zu helfen - aus Unsicherheit und Angst vor Fehlern. Denn der für den Führerschein absolvierte Erste-Hilfe-Kurs liegt oft schon viele Jahre zurück.

Wohl auch deshalb werden laut einer Studie des Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement (INM) am Klinikum der Universität München nur in 59,1 Prozent aller Notfälle Erste-Hilfe-Maßnahmen «insgesamt richtig und ausreichend» angewendet. In 24,8 Prozent der Fälle werden Ersthelfer aktiv, aber nicht ausreichend. In 16,1 Prozent der Fälle unternehmen Ersthelfer gar nichts.

Verantwortung wird abgeschoben

Die Bereitschaft zu helfen, hängt laut INM stark davon ab, wie kompetent sich die potenziellen Helfer selbst einschätzen. Hinzu kommen nach INM-Angaben situationsspezifische Faktoren. So helfen Laien eher, wenn sie Zeuge des gesamten Unfallgeschehens wurden. Und je mehr Personen an einer Unfallstelle anwesend sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit der Hilfeleistung: Jeder Anwesende schiebe die Verantwortung auf den anderen, sagt Karin Burghofer, Diplom-Psychologin am INM.

Almut Schönermarck, Leiterin der ADAC-Verkehrsmedizin, versteht es zwar, dass Ersthelfer nervös und aufgeregt sind. Das sei jedoch keine Rechtfertigung, nicht einzugreifen: «Jede Hilfe ist besser als keine Hilfe», betont die Notärztin. Sie verweist auf Untersuchungen, die selbst bei nicht korrekt vorgenommener Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) Verbesserungen der Überlebenschancen nachgewiesen haben.

Eile ist geboten

Denn bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist Eile geboten: «Ab der siebten Minute ist mit bleibenden Hirnschäden zu rechnen.» Wird zudem berücksichtigt, dass der durchschnittliche Zeitraum vom Absetzen eines Notrufs bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes in Deutschland rund acht Minuten beträgt, ist klar, warum Ersthelfer wichtig sind.

Zu den Maßnahmen zählen nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Berlin neben der Absicherung der Unfallstelle die Rettung von Verletzten aus dem Gefahrenbereich, das Absetzen eines Notrufs sowie die Lagerung: Ist der Verletzte bewusstlos, atmet aber normal, wird er in die stabile Seitenlage gebracht. Danach werden Wunden steril abgedeckt und Blutungen mit dem Druckverband gestillt.

Anwesenheit hilft auch schon

Ist keine Atmung festzustellen, wird der Verletzte auf den Rücken gedreht, und mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen. Dazu wird sein Oberkörper freigemacht und mit beiden Händen und durchgestreckten Armen 30 mal der Brustkorb vier bis fünf Zentimeter nach unten gedrückt. Der Druckpunkt liegt dabei laut Almut Schönermarck in der Mitte des Brustkorbs auf einer gedachten Linie zwischen den Brustwarzen. Nach 30 Herzdruckmassagen wird der Patient zweimal beatmet. «Priorität sollte die Druckmassage haben», erklärt die Notärztin.

Neben diesen Handgriffen ist auch die psychologische Komponente wichtig, ergänzt Schönermarck. Bereits die bloße Anwesenheit eines Ersthelfers hilft Verletzten ungemein: Sie wissen, es ist jemand da. (dpa/gms)

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