Triumph Tiger 800 XC: Ab ins Gelände

Neues Offroad-Bike

Offroad-Bike der Briten, die Triumph Tiger XC 80 © Triumph

Bislang hatte Triumph kein Offroad-Bike im Angebot. Doch das ändert sich. Mit der Tiger 800 XC wagt sich der britische Motorradhersteller nunmehr auch ins Gelände.

Von Thilo Kozik

Erstmals wagt sich der britische Traditionshersteller Triumph ins Offroad-Segment: Die geländegängige Tiger 800 XC ist rundum neu gezeichnet und wird von einem neu konstruierten 799-ccm-Dreizylinder mit 70 kW/95 PS angetrieben. XC steht für Cross Country, und mit ihrem jüngsten Gefährt nehmen die Engländer unverblümt die BMW F 800 GS ins Visier. Dafür ist der Neuling aus Hinckley mit ähnlichen Insignien wie der Vorreiter aus München versehen: Neben der langbeinigen Statur aller Geländegänger und den unvermeidlichen Speichenrädern zeigt auch die Engländerin die charakteristische hohe Radabdeckung vorn, umgangssprachlich als GS-Schnabel bekannt.

Typische Triumph-Merkmale

Dazu kommen noch Triumph-typische Design-Merkmale, die die Tiger eindeutig als Britin ausweisen: Der polygonale Doppelscheinwerfer, ein Stahlrahmen mit doppelten Oberzügen in Anlehnung an die Leichtmetallrahmen der übrigen Triumph-Modelle und der hochgelegte Schalldämpfer sprechen die Triumph-Sprache.

Doch mehr noch als alle stilistischen Anleihen verleiht die Dreizylinder-Kraftquelle den Briten-Bikes ihre Identität, das ist bei der Tiger nicht anders. Für den Einsatz in einem Geländegänger mussten die Ingenieure jedoch ihre Konstruktionsphilosophie anpassen, denn statt der Hochleistungs-Straßenmotorräder ist für eine Offroad-taugliche Maschine eine drehmomentorientierte Charakteristik essenziell.

Die Tiger 800 XC von Triumph Triumph

Letzten Endes hat man sich für einen flüssigkeitsgekühlten Dreizylinder mit mehr Hub als in den 675er Modellen Daytona und Street Triple entschieden, die Tiger 800-Einheit ist ein neu gezeichneter Motor, der nur wenige Komponenten wie den Zylinderkopf-Rohling und die Drosselklappenkörper des 675er Triples übernimmt. Aus echten 799 ccm Hubraum erlöst der Tiger-Triple maximal 95 PS, was ihn nicht nur zum stärksten seiner Klasse macht; gleichzeitig genügt er den Anforderungen der in Kürze in Kraft tretenden Regelungen zur Führerscheinklasse A2. Für Stufenführerschein-Inhaber findet sich ein 34-PS-Kit im offiziellen Triumph-Zubehörprogramm.

Geschmeidiger Motor der Triumph Tiger

Im Fahrbetrieb überzeugen aber noch mehr die 79 Nm Drehmoment, die der Motor geschmeidig und bereits ab 1 500 Umdrehungen Vortrieb vermehrend einsetzt. Der Dreizylinder geht sehr weich ans Gas, setzt Befehle spontan und exakt um und erfreut dabei mit erstaunlicher Gleichförmigkeit der Leistungsabgabe bis hoch an 9000 Touren.

Damit ergibt sich ein unheimlich breites nutzbares Drehzahlband, mit dem der Triple auch noch im sechsten Gang ohne zu murren gemütlich durch verwinkelte Dörfer rollt. Als Dreingabe gibt es ein richtig geschmeidiges Sechsganggetriebe, das beste, das Triumph bislang zu bieten hat. Wenn man an dem einzigartigen Antrieb überhaupt etwas aussetzen möchte, dann vielleicht das arg domestizierte Dreizylinder-Fauchen und den leicht überdurchschnittlichen Verbrauch, der sich auf der nicht repräsentativen Testrunde ergeben hat. Nachteile bei der Reichweite sind mit dem etwas höheren Konsum nicht verbunden - die Tiger ist mit einem voluminösen 19-Liter-Tank gesegnet, dem größten dieser Klasse.

Robuste Gabel

Triumph Tiger 800 XC Neu
Die Triumph Tiger 800 XC hat eine robuste Gabel Triumph

Für artgerechten Einsatz in Feld, Wald und Wiesen ist die Tiger 800 XC mit einer robusten 45 mm Upside-Down-Gabel mit satten 220 mm Federweg und der typischen Offroad-Bereifung mit 21-Zoll-Speichenrad vorn und 17 Zoll hinten versehen. Eine hohe aufrechte Sitzposition und reichlich Bodenfreiheit gehören dazu, aus der Höhe von 845 mm liefert der Sattel der Tiger 800 XC einen unverstellten Überblick über das Verkehrsgeschehen.

Auf verwinkelten Sträßchen gefällt die Tiger 800 XC mit einer unbeirrbaren Stabilität bei Geradeauslauf und in Schräglage, mit straffer abgestimmter Dämpfung und Federung des Federbeins ergibt sich ein geradezu sportives Fahrvergnügen. Vertrauen erweckend und nachvollziehbar biegt die Tiger in die Ecken. Beim Thema Bremsen profitiert der Tiger-Treiber von den Asphalt-Erfahrungen der Engländer, die ihre 800er mit einer Doppelscheibenbremse vorn versehen. Diese agiert jedoch nicht bissig, sondern entwickelt ihre Wirkung gleichmäßig und entsprechend der aufgewendeten Handkraft. Hinten blockiert die Einzelscheibe jedoch zu früh. Mit optionalem ABS kommt die Tiger leider erst im nächsten Jahr, deshalb war bei diesem Fahrtermin noch kein Test möglich.

Triumph Tiger 800 XC
Die Triumph Tiger 800 XC Triumph

Wer seine Tiger 800 XC lieber abseits befestigter Wege bewegt, sollte die dafür vorgesehene grobstollige Metzeler Karoo-Paarung montieren. Damit bekommt die Tiger die benötigte Traktion auf losem Untergrund. Gemeinsam mit dem sehr durchzugsstarken Motor lässt sich die Triumph damit vergleichsweise leicht über Stock und Stein bewegen. Die im Zubehör angebotenen Schutzmaßnahmen für Ölwanne und Motor sollten jedoch angebaut sein, um mögliche Schäden zu minimieren.

Mit ihren tollen Fahreigenschaften on- wie offroad, der hochwertigen Anmutung und dem genialen Dreizylinder feiert die Tiger 800 XC eine beeindruckende Premiere. Und der nicht zu hohe Preis von 9 590 Euro (mit ABS: 10 190 Euro) wird dazu führen, dass der britische Tiger im bajuwarischen Revier wildern dürfte. (mid)

Vorheriger ArtikelDiesel-Hybrid für Toyota vorerst kein Thema
Nächster ArtikelBosch baut seine Werkstattkette aus
Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.