Triumph Street Triple: Kurvenjäger

Triumph Street Triple: Kurvenjäger
Triumph Street Triple © Foto: Triumph

Die Street Triple von Triumph bringt alles mit, um selbst potenteren Bikes einen Schrecken einzujagen. Neben den guten Fahrleistungen überrascht das jüngste Modell der Briten vor allem durch seinen Preis.

Von Thilo Kozik

Manchmal kommt man sich als Motorradjournalist etwas hintergangen vor, aber wahrscheinlich muss das so sein: Während wir vor anderthalb Jahren die Vorzüge der mittlerweile hochdekorierten und sogar in Rennen erfolgreichen Triumph Daytona 675 im malaysischen Sepang erfahren durften, kümmerten sich die Triumph-Entwickler bereits mit Hochdruck um die unverkleidete Landstraßen-Version des 675er Triples.

Knackige Sportlichkeit

Natürlich war uns allen von Anfang an klar, dass ein solcher Motor nicht nur zum Einsatz in einem Supersport-Bike taugt. Schon allein aus kostentechnischen Gründen ist eine Verwendung in einem weiteren Motorradkonzept nur logisch, und was wäre da besser geeignet als eine etwas gemäßigtere Streetfighter-Version nach Vorbild der genialen Speed Triple aus gleichem Hause? Also taten die Entwickler in den heiligen Triumph-Hallen von Hinckley das Nahe liegende und kreuzten ihre beiden Vorzeigemodelle Speed Triple und Daytona 675 - heraus kam die Street Triple 675, die eine erste Visitenkarte auf dem verschlungenen Asphalt rund um den norditalienischen Gardasee ablieferte.

Wie das große Vorbild strahlt die Street Triple schon im Stand knackige Sportlichkeit mit einem Schuss Streetfighter-Image aus. Kunststück, schließlich schaut sie aus den gleichen Doppel-Glupschern in die Welt wie die Speed Triple und pufft am Heck aus einem ähnlich doppelläufigen Ende aus. Dazwischen ist jedoch viel 675, vom übersichtlichen Instrumentenfeld mit den gleichen Funktionen wie die Daytona über den markanten Leichtmetall-Rahmen mit der schön gebogenen Zweiarmschwinge bis zum einzigartigen Dreizylinder.

Saubere Gasannahme

Das Cockpit der Triumph Street Triple Foto: Triumph

Dieser macht übrigens auch ohne Verkleidung eine gute Figur: Schwarz gefinisht und mit einer im Motor verpackten kombinierten Öl-/Wasserpumpe gibt es keine störenden Schläuche und Kabel. Einzige Änderung gegenüber dem Daytona-Drilling sind modifizierte Nockenwellen, die entsprechend dem Einsatzzweck auf kurvigen Landstraßen die Spitzenleistung zugunsten mehr Druck unten und in der Mitte kappen: Verblieben sind 106 muntere PS bei 11.700 U/min und ein maximales Drehmoment von 68 Nm, das bei 9200 U/min anliegt.

Dabei können weniger diese Daten als die echte Leistungsentwicklung überzeugen: Fast vom Standgas weg nimmt der Dreizylinder sauber Gas an und schiebt kräftig voran, nur um in der Drehzahlmitte richtig quicklebendig an der Kette zu zerren. Oben herum erlahmt der Elan ab fünfstelligen Drehzahlen, doch auf der Landstraße spielt sich in diesem Bereich ohnehin nur wenig ab. Der Aussage des Pressetextes, die Street Triple liefere zwischen 3500 und 12.300 U/min stets mehr als 60 Nm Drehmoment, kann man durchaus Glauben schenken. Auf jeden Fall zeigt die Street Triple ein erstaunlich breites, für eine 600er fast unglaubliches Leistungsband.

Hochgelegte Schalldämpfer

Die Auspuffrohre an der Street Triple von Triumph sind hochgelegt Foto: Triumph

Für ein gutes Ansprechverhalten auf Gasgriffbefehle sorgt eine elektronische und sequentiell arbeitende Multipoint-Einspritzung mit drei Drosselklappengehäusen im 44er Format, die den Sprit über drei Mehrloch-Einspritzventile zerstäuben. Sensoren für die Position von Drosselklappen und Kurbelwelle, eingelegter Gang, Geschwindigkeit, Luftdruck, Luft- und Kühlmitteltemperatur helfen bei der Kalkulation der richtigen Menge. Die Frischluft bekommt der Motor wie bei der Daytona direkt durch den Lenkkopf in die Airbox geleitet. Und als wäre die Fahrperformance des Dreizylinders selbst noch nicht genug, so sorgt jeder Gasstoß für ein aggressives Fauchen aus den beiden hochgelegten Schalldämpfern - wem jetzt kein wohliger Schauer über den Rücken läuft, wird niemals ein Gefühl für Motorräder entwickeln.

Übrigens ist der satte Klang kein Zufall, sondern eine Folge modifizierter Längen- und Ausdehnungsverhältnisse von Krümmer und Schalldämpfer - an diesem Sound-Engineering könnte man sich in München ein Vorbild nehmen! Fahrwerkseitig übernimmt die Street Triple den bewährten Leichtmetall-Brückenrahmen der Daytona 675 samt der formschönen Zweiarmschwinge, im Supersport-Segment das Maß der Dinge hinsichtlich Stabilität und Handlichkeit.

Gute Ergonomie

Die neue Street Triple von Triumph Foto: Triumph

Diese Konfiguration betont die Vorteile des schlanken Dreizylinder-Motordesigns und sorgt im Verbund mit der schmalen Sitzbank, dem nah zum Fahrer gelegenem Lenker und der entspannten Fußrastenposition für ein ausgewogenes Wohlfühlambiente. Sehr angenehm: Die Street Triple zeigt gerade das richtige Maß Fahrerintegration; hier braucht sich niemand über einen langen Tank zu spannen oder unbequem zusammen zu falten - die Street Triple sitzt, passt und hat Luft.

Länger gefahren geben die Kanten des Polsters jedoch nach; dieses kleine Manko soll zum Serienanlauf geändert werden. So handlich sich die Geometrie mit einem Lenkkopfwinkel von 24,3 Grad, 95,3 mm Nachlauf und einem Radstand von 1.395 mm liest, so willig fährt sich der Landstraßenfeger. Denn zusätzlich bringt die Triple ein Trockengewicht von 167 kg mit sich, bei dem sich die meisten Konkurrenten nicht mehr auf die Waage trauen und blass um die Nase werden.

Mehr Grip bei Nässe gewünscht

In diesen Farben erhältlich: Die Street Triple von Triumph Foto: Triumph

Leichtfüßig biegt sie in lange wie weite Kurven, durch Spitzkehren bleibt sie völlig neutral - das oftmals beobachtete kippelige oder unwillige Verhalten in diesem niedrigen Geschwindigkeitsbereich geht ihr völlig ab. Und das, obwohl die bei anderen Modellen oft kritisierten Dunlop Qualifier-Pneus auf den Daytona-Felgen rotieren, bei der Triumph-Dunlop-Gemeinschaft stimmt einfach die Chemie.

Etwas mehr Grip bei Nässe wäre sicher kein Nachteil, doch kann dies zum Teil durch den wenig griffigen Asphalt verursacht sein. Das unproblematische und harmonische Fahrverhalten kommt Einsteigern sicher zupass. Doch keine falschen Schlüsse: Die Triple ist kein Anfänger-Bike. Mit ihr lässt es sich hervorragend angasen, selbst erfahrene Sportfahrer kommen bei der fahraktiven Auslegung voll auf ihre Kosten und dürften die Britin auf der Landstraße selten in den Grenzbereich treiben. Auch wenn die Triumph-Controller bei den Federelementen den Rotstift haben kreiseln lassen - die Upside-Down-Gabel ist gar nicht, das Federbein nur in der Vorspannung justierbar.

Attraktiver Preis

Doch mit dem gebotenen Kompromiss aus Dämpfung und Komfort geht schon verdammt viel, das ist nach der Fahrpräsentation sicher. Nicht zu verachten ist dabei der Beitrag der so harmlos dreinschauenden Nissin-Doppelscheibenbremsen mit Doppelkolben-Schwimmsätteln. Diese sorgen für eine sauber kalkulierbare, höchst effektive Bremsleistung, die ihresgleichen sucht.

Abgesehen von den guten Fahreigenschaften ist das Beste an der neuen Triumph ihr Preis: Mit 7.350 Euro ist sie das preiswerteste Modell der gesamten Triumph-Flotte, und dazu eins der dynamischsten. Keine Frage: Schlank, leicht und wendig gibt die charakterstarke Street Triple einen ausgezeichneten Landstraßenjäger ab, der im Rückspiegel weitaus potenterer Bikes für gewaltigen Schrecken sorgen wird.

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