Moto Morini Corsaro: Die Legende lebt

Moto Morini Corsaro: Die Legende lebt
Moto Morini Corsaro. © Foto: Werk

Die Motorradmarke Moto Morini feiert Wiederauferstehung. Erstes Modell ist ein kraftstrotzendes Naked Bike mit Namen Corsaro.

Von Thilo Kozik

Ältere Motorradfahrer werden sich lebhaft an den klangvollen Namen Moto Morini erinnern können. Es ist die «andere» Motorradmarke aus Bologna - stets im Schatten von Ducati. Jetzt ist Morini zurück mit einem Aufsehen erregenden, kraftstrotzenden Naked Bike namens Corsaro. Dieses neue Motorrad entspricht dem Bologneser Reinheitsgebot: Ein mächtiger Vau-Zwo-Motor mit 1187 Kubik, der im Gitterrohrrahmen aus Stahl hängt und von hochwertigen italienischen Fahrwerkskomponenten ergänzt wird. Das Ganze in edles italienisches Design gehüllt, und fertig ist der Gegenspieler zur Ducati Monster.

Ungewöhnlicher Winkel

Erst genaueres Hinsehen entlarvt die Unterschiede. Wie die im ungewöhnlichen 87 Grad Winkel gespreizten Zylinder. Das spart gegenüber einem vergleichbaren 90-Grad-Twin 2,5 Zentimeter Länge ein, andererseits werden noch keine Ausgleichswellen wie beim engen Aprilia-60-Grad-Vau benötigt. Erdacht wurde der Vierventiler von Motorenentwickler Franco Lambertini, der bereits vor über dreißig Jahren für die Antriebseinheit der legendären Morini 3 1/2 Sport verantwortlich war.

Der 61-Jährige verpasste dem Corsaro-Vau aus einem Guss gefertigte Zylinder und Kurbelgehäuse, was der Einheit jede Menge Stabilität verleiht. Die braucht der für hohe Drehzahlen extrem kurzhubig mit riesigen 107 Millimeter Kolben versehene Motor auch, denn 140 PS bei 8500 U/min liegt auf V2-Supersportler-Niveau.

High-End-Motorrad

Auch das Fahrwerksensemble zeigt sich dem Anspruch an ein italienisches High-End-Motorrad gewachsen: Der Morini-Gitterrohrrahmen nimmt vorn eine komplett einstellbare Marzocchi-Gabel mit 50er Tauchrohrdurchmesser auf, hinten stützt ein Sachs-Federbein über eine Anlenkhebelei die ganz in Schwarz gehaltene Schwinge gegen den Rahmen ab. Brembo steuert neben den Vierkolbenstoppern samt 320er Scheiben die Sechs-Speichen-Felgen bei, auf denen Pirelli Diablo-Pneus aufgezogen sind.

Ergonomisch dominiert Sportlichkeit mit hinten liegenden Rasten und hohem Sitz. Dazu passt die leichte Vorlage, die von der Gold eloxierten Lenkstange verlangt wird. Mit Druck auf den Starterknopf springt der Motor nach kleiner Verzögerung an. Dann rumpelt der Corsaro-Twin kräftig und aggressiv vor sich hin. Für einen Euro-3-legalen Motor rauscht der V-Twin ziemlich kräftig. Sanfter Druck im unteren Drehzahlbereich steigert sich zu wahren Schubbergen im Mitteldrittel, und ganz oben hat man allerhand zu tun, den Lenker fest in den Händen zu halten. Kein Wunder, bei 6500 Umdrehungen präsentiert die Kurbelwelle 123 Newtonmeter, die Überholen zur Handgelenksübung machen.

Kaum Vibrationen

Obwohl der Motor fest mit dem Chassis verschraubt ist, bleiben Vibrationen ein vorübergehendes Phänomen. Hinter der Flyscreen wird es ab 150 km/h zugig, doch kann man sich dahinter ducken und den schicken, schwarz unterlegten Tacho anstarren, dessen Skala bis 250 km/h reicht. Kleinere Unvollkommenheiten wären die knorrige Sechsgangbox mit dem unauffindbaren Leerlauf und die Leistungsinsuffizienz bei niedrigen Drehzahlen. Bis zum Serienanlauf will Lambertini mit seinem Team das Kennfeld der Marelli-Einspritzanlage überarbeitet haben. Am Handling, das genau den Erwartungen an ein 198-Kilo-Bike entspricht, gibt es dagegen nichts zu verbessern.

Attraktiver Preis

Die neue Morini macht einen stabilitätsorientierten Eindruck und lieferte keinen Grund zur Beanstandung. Das Schönste kommt jedoch zum Schluss: Im Gegensatz zu anderen wieder belebten und mittlerweile wieder vergangenen Marken Italiens wird die Corsaro zu einem konkurrenzfähigen Preis ohne Sammlerbonus angeboten: 12.500 Euro verlangt Importeur März für das Edelstück.

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