Gilera Fuoco 500: Feuriges Dreirad

Gilera Fuoco 500 © Foto: Gilera

Die Gilera Fuoco 500 sieht nicht nur fesch aus, sondern bietet auch ausgesprochen gute Fahrleistungen. Was das schwergewichtige Dreirad kann, zeigt unser Test.

Von Thilo Kozik

Von der italienischen Traditionsmarke Gilera stammt der dreirädrige Roller mit Namen Fuoco (Feuer), der mit seinem 30 kW/41 PS starken Motor zum Preis von 7600 Euro richtig Dampf macht. Die innovative Vorderradaufhängung der zwei Pneus mit zwei Kurzschwingen, die über ein Parallelogrammgestänge miteinander verbunden sind, stammt aus dem Piaggio mp3. Der Fuoco ist nur mit einem größeren Motor und fescher Offroad-Optik versehen. Warum die beiden 125er und 250er mp3-Roller allerdings unter Piaggio- und nicht Gilera-Flagge fahren, bleibt ein Geheimnis der italienischen Strategen, denn beide Marken sind unter dem Dach des großen Piaggio-Konzerns vereint.

Erstaunliche Fähigkeiten

Kein Geheimnis sind dagegen die erstaunlichen Fähigkeiten der einmaligen Parallelogramm-Vorderradaufhängung, die Fahrmanöver erlaubt, die für Roller bisher unmöglich schienen: Schräglagen mit 40-Grad-Neigung, gefahrlose Vollbremsungen bei Nässe, selbst Slides und Stoppies wie bei den Profis sind drin. D

iese Technik empfiehlt sich eher für ein richtiges Spaßgerät als für ein braves Mobil mit der biederen Optik des mp3, weshalb die Strategen im Piaggio-Konzern dem Fuoco ein feuriges und zugleich kraftvolles Design verpasst haben: Die Front ist von Metallgeflechteinsätzen geprägt, was dem Fahrzeug ein bulliges Aussehen verleiht. Die vordere Scheinwerfergruppe mit den fünf Leuchten erinnert an Rallye-Trucks, die beiden größten Scheinwerfer besitzen stoßsichere Schutzgitter, wie man sie auch von Motocross-Maschinen kennt.

Neuer Viertaktmotor

Die zwei Vorderräder an der Gilera Fuoco 500 Foto: Gilera

Als Antrieb des Gilera Fuoco fungiert der neue Viertaktmotor Master 500 mit Doppelzündung, vier Ventilen, elektronischer Einspritzung und Flüssigkeitskühlung. Aus 493 ccm Hubraum erlöst der Einzylinder knapp 30
kW/41 PS und ein maximales Drehmoment von stolzen 46 Nm bei 5250 U/min. Das reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von 142 km/h und beschert eine für Rollerverhältnisse beachtliche Beschleunigung. Echte Motorräder hängen den Fuoco an der Ampel aber immer noch ab, denn mit 270 Kilogramm schleppt der Italiener reichlich Gewicht mit sich herum.

Zum Wohlfühlen bedarf es wie schon beim mp3 einiger Eingewöhnung, bis man zu dem ungewöhnlichen Fahrverhalten Vertrauen fasst. Erst dann fühlt sich der Fahrer auch bei extremen Fahrmanövern wie auf losem Untergrund oder über nassem Pflaster sicher. Was bleibt, sind höhere Betätigungskräfte als bei einem Einspurfahrzeug, gerade in schnellen Wechselkurven ist ordentlicher Körpereinsatz gefragt.

Großer Wendekreis

In Sachen Handlichkeit ist der Fuoco trotz ähnlicher Breite einem zweirädrigen Roller deutlich unterlegen, und das nicht nur wegen des übergroßen Wendekreises. Punkten kann das Dreirad dagegen bei der Stabilität: Ein 14-Zoll-Hinterrad mit 140/70er Reifen sorgt für die nötige Heckstabilität, vorn helfen sich die beiden Zwölfzöller gegebenenfalls gegenseitig aus. Drei Scheibenbremsen im 240er Format mit Doppelkolben-Bremszangen sorgen für höchst effizientes Bremsen.

Ausflug nach Berlin mit der Gilera Fuoco 500 Foto: Kozik

Die ausgesprochen amüsante Fahrdynamik kann jedoch nicht über einen gewissen Mangel an Komfort hinweg täuschen. Der Fußraum auf den Alu-Riffelblechen ist eingeschränkt und das Trittbrett im Verhältnis zum Sitz einfach zu hoch für lange Touren. Zudem zeigt das Heck beim Überfahren holpriger Untergründe eine Unnachgiebigkeit, die das Rückgrat gar nicht schätzt.

Zur Standardausstattung gehört beim 500er das elektrohydraulische Verriegelungssystem für die Vorderradaufhängung, mit dessen Hilfe der Fuoco ohne Mittelständer auf Knopfdruck aufrecht abgestellt werden kann. Damit wird das Parken selbst auf schrägen Untergründen oder mit einem Rad auf dem Bordstein möglich.

Wer die Technik beherrscht, braucht darüber hinaus die Füße an der Ampel nicht mehr absetzen, um das Fahrzeug im Gleichgewicht zu halten - erstaunte und neidische Blicke der übrigen Verkehrsteilnehmer sind einem dann gewiss. Beim Einsatzspektrum hält es der Fuoco mit seinen vierrädrigen Verwandten, den SUVs: Ungeachtet der geländegängigen Optik fühlt er sich auf Landstraßen am wohlsten; in der Stadt wirkt er zu sperrig, für die Autobahn bietet er zu wenig Wind- und Wetterschutz. (mid)