Exklusiver Edelrenner

Ducati 1098R

Ducati 1098R © Foto: Ducati

Ducati lebt seine rennsportliche Bestimmung voll und ganz aus. Mit der 1098R schicken die Italiener nun das stärkste und zugleich leichteste Zweizylinder-Straßenmotorrad in Rennen um die Gunst der Käufer.

Von Thilo Kozik

Das neue Reglement in der Superbike-Weltmeisterschaft macht es möglich: Zweizylindermotorräder wie die von Ducati dürfen ihre Kraft in der 2008er Rennsaison nun aus einem satten Hubraum von 1200 Kubik schöpfen.

Allerdings dürfen dafür keine Spezialmotorräder gebaut werden wie im MotoGP. In der Superbike-WM treten vergleichsweise seriennahe Motorräder an, von denen mindestens 500 Stück gebaut und verkauft wurden. Erster Vertreter dieser neuen Generation ist die Ducati 1098R, das Flaggschiff der Ducati-Superbike-Familie und ein roter Renner aus echtem Schrot und Korn.

Stärkstes Zweizylinder-Straßenbike

Zahlreiche intensive Arbeiten an Fahrwerk und Motor machen aus der „R“ das stärkste und leichteste Zweizylinder-Straßenmotorrad, das jemals gebaut wurde: Der Ducati-typische 90-Grad-Zweizylinder mit Desmodromik, Testastretta Evoluzione Motor genannt, leistet unglaubliche 180 PS und ein gewaltiges Drehmoment von 134 Newtonmeter. Dazu war feinste Zweizylinder-Technologie wie elliptische Drosselklappenkörper, Titanpleuel und handtellergroße Kastenkolben notwendig, allesamt Entwicklungen der Ducati-Rennsportabteilung.

Der Doppelrohrauspuff der Ducati 1098R Foto: Ducati

Was diese Kraftquelle dann aber in der Realität abfackelt, lässt sich anhand der technischen Daten nur ahnen. Durch die ultraleichten Motorinnereien zeigt dieser Zweizylinder eine fast unverschämte Drehfreude, die den Fahrer die drei kleinen und einen großen Schaltblitz zunächst immer wieder ignorieren lässt - so schnell kann doch kein Vau-Motor hochdrehen! Hart wie ein Rennmotorrad geht der Desmo-Twin ans Gas und liefert imposanten, nahezu gleichmäßigen Vortrieb.

Auf zur nächsten Runde - die Ducati 1098R Foto: Ducati

Glücklicherweise finden die wild preschenden Cavalli in den Radialzangen adäquate Partner, die die wilde Rote vor der Kurve zuverlässig wieder einfangen. Wohl unterstützt wird das Ankermanöver von einer deutlich pulsierenden, aber effektiv arbeitenden Anti-Hopping-Kupplung, die ein blockierendes Hinterrad bei heftigem Herunterschalten vor der Kurve verhindert.

Goldene Gleitrohre

Platz für eine Person - der Sitz der Ducati 1098R Foto: Ducati

Eingebettet ist die Kraftquelle in den charakteristischen Gitterrohrrahmen, der allen Ducatis Halt gibt. Vorne werkelt eine auffällige Upside-Down-Gabel mit goldenen Gleitrohren, hinten eine formschöne Einarmschwinge mit dickem 190er Reifen, der von Pirelli speziell für die 1098 R entwickelt wurde. Dass in dieser Kategorie die Federelemente voll einstellbar sind, ist selbstverständlich. Neu ist aber das edle Öhlins-TTX-Federbein am Heck, das noch reibungsärmer arbeitet. So ausgerüstet pfeilt die Rote unbeirrbar durch enge wie weite Kurven, hält den eingeschlagenen Strich sauber ein und belohnt mit tollem Feedback. Dass die Front beim Beschleunigen immer leichter wird, hat man in Bologna einkalkuliert und deshalb einen einstellbaren Lenkungsdämpfer montiert - danke!

Duell zwischen zwei Ducati 1098R Foto: Ducati

Intensive gewichtsreduzierende Maßnahmen wie zahllose Kohlefaserteile drücken das Trockengewicht der Duc auf lediglich 165 Kilo. Das und die leichten Schmiederäder sind verantwortlich dafür, dass sich die elegante Italienerin mühelos von einer Schräglage in die andere werfen lässt. Im saftigen Preis von 35.000 Euro für die 1098 R ist ein nur für den Rennstreckenbetrieb zugelassener Race Kit inbegriffen, das mit Termignoni-Racingschalldämpfern und entsprechendem Steuergerät die Maximalleistung um weitere 6 PS auf insgesamt 186 PS steigert und die Ducati Corse Traktionskontrolle beinhaltet.

Traktionskontrolle

Gemacht für die Rennstrecke - die Ducati 1098R Foto: Ducati

Auf diesem Steuergerät ist nicht nur das Mapping für die Rennauspuff-Anlage hinterlegt, sondern die DTC (Ducati Traction Control), der ersten Traktionskontrolle im Serienbereich. Dieses Elektronikwunder lässt sich in acht Stufen justieren und regelt zuverlässig den Krafteinsatz in Schräglage. Je nach Modus und aktuellen Gasgriffbefehlen greift das System in die Motorsteuerung ein vom spürbaren Unterbrechen der Zündung bis zum sanften Herunterregeln des Schubs. Das fördert die Sicherheit und optimiert die Rundenzeiten zugleich.

Mit der 1098 R stellt sich ein sündhaft teures Rennmotorrad ohne Wenn und Aber vor, mit ausgeklügelten Features dazu auserkoren, auf der Rennstrecke Triumphe einzufahren. Für den Alltag gibt’s bessere Bikes, doch zum Träumen gibt’s für Motorradfahrer kaum etwas Schöneres als die rassige Italienerin.