Die Fernweh-Harley

Harley-Davidson Ultra Classic Electra Glide © Foto: Harley

Wie kaum ein anderes Motorrad verkörpert die Harley-Davidson Ultra Classic Electra Glide den «American Way of drive». Dieses Motorrad bietet alles, was man für ausgedehnte Touren braucht – Hifi-Anlage inklusive.

Von Heiko P. Wacker

Für viele Biker verkörpern die großen Tourer von Harley-Davidson den «American Way of Drive» wie kein anderes Motorrad. Opulente Optik, Fernstreckentauglichkeit und zahllose Komfortdetails machen vor allem das Flaggschiff FLHTCU Ultra Classic Electra Glide zum Reisefahrzeug schlechthin. Angetrieben wird das Bike vom 1584 ccm großen V-Twin-Motor mit 57 kW/78 PS Leistung, der bestens zum neuen Sechsganggetriebe passt. Ab 24.615 Euro ist das Bike zu haben.

Hifi-Anlage serienmäßig

Die stolze Summe wird indes durch Motorradaufbau gerechtfertigt, prunkt doch die Ultra Classic mit 385 Kilogramm Masse pur. Die voluminöse Verkleidung mit den integrierten Lautsprechern der serienmäßigen HiFi-Anlage, die lang gezogene Chromkonsole, die vorderen Beinschilde und nicht zuletzt die eleganten Hartschalenkoffer nebst Topcase geben der Fernweh-Harley die Note eines mondänen Reisefahrzeugs, auch wenn die Zuladung lediglich 185 Kilo beträgt.

Derart überbordende Optik polarisiert. Doch neidische oder abfällige Bemerkungen haben keinerlei Relevanz mehr, sobald man sich in den außerordentlich bequemen Sattel geschwungen hat. Passend geschnitten, selbst noch für den größten amerikanischen Fastfood-Liebhaber mit entsprechender Leibesfülle, fühlt sich der Durchschnittseuropäer in dem legeren Gestühl regelrecht geborgen. Das gilt ebenso für den Sozius, dessen Thron manchen Wohnzimmersessel in den Schatten stellt. Eine stabile, seitlich ausgreifende Rückenlehne sorgt für zusätzliches Behagen, während die Füße auf stabilen Trittbrettern ruhen. Derart komfortabel versorgt, verlieren lange Distanzen ihren Schrecken.

Topspeed kein Thema

Harley-Davidson Ultra Classic Electra Glide Foto: Harley

Jedoch sollte der Fahrer hohes Tempo aus seinem Vokabular streichen, denn ungeachtet der möglichen Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h bleibt man schon wegen der Verwirbelungen am Helm meist im moderaten Bereich bis etwa 130 km/h. Begleitet von spürbaren, indes kaum störenden Vibrationen liefert der V2-Motor mit elektrischer Einspritzung eine Leistung von 57 kW/78 PS bei 5450 U/min sowie ein maximales Drehmoment von 123 Nm bei 3400 U/min. So macht sich denn rasch gelassene Abgeklärtheit breit, die dazu führt, dass man bei gemütlichem Tempo durch die Lande cruist.

Die Gänge des neuen Sechsganggetriebes «Cruise Drive» werden per Schaltwippe eingelegt. Allerdings lässt sich dabei der Leerlauf nur schwer finden und ein Rückwärtsgang, wie ihn beispielsweise die Komforttourer von Honda oder BMW offerieren, fehlt. Deshalb erfordert es ein ordentliches Maß an Erfahrung, die Ultra Classic zu rangieren. Zudem verweigert das weich abgestimmte Fahrwerk rasante Manöver und die rasch aufsetzenden Trittbrettchen schließen tiefe Kurvenlagen und hohe Kurventempi aus. Ein aktives Fahrwerk, wie es anderweitig erhältlich ist, oder gar ein ABS sucht man bei der Harley vergeblich.

Hohes Fahrgenuss

Harley-Davidson Ultra Classic Electra Glide Foto: Harley

Eine eher zurückhaltende Fahrweise stellt sich somit zwangsläufig ein, ohne dass dies den Fahrgenuss beeinträchtigen würde. Man wird gelassener, für stressgeplagte Zeitgenossen kann die Fahrt auf dieser Harley wie eine Entspannungsübung wirken. Einen Beitrag hierzu leistet auch die HiFi-Anlage mit CD/MP3-Spieler. Die Lautstärke kann selbst der Sozius von seinem Platz aus regulieren.

Auch sonst prunkt das luxuriös ausgestattete Cockpit mit diversen Details wie einer Außentemperaturanzeige, einer schmucken Tankuhr, einem Voltmeter und dem Öldruckinstrument. Zudem umfasst die Serienausstattung unter anderem einen Tempomat, eine funkbetriebene Alarmanlage mit Wegfahrsperre und eine Gegensprechanlage. Purer Reiseluxus, der bei einem Verbrauch von 5,7 Litern Superbenzin auf 100 Kilometern erlaubt bis zu 330 Kilometer langen Etappen. In Anbetracht des Gewichts und des enormen Luftwiderstands fällt der Durst der Harley in einen akzeptablen Bereich.

Günstige Werte also für ein nicht ganz so preiswertes Motorrad, das dafür an jedem Ort und an jeder Tankstelle für Aufmerksamkeit sorgt. Das gilt vor allem für die schicke Zweifarblackierung, die rund 700 Euro Aufpreis kostet. Wer gerne mit wildfremden Menschen ins Gespräch kommt, wird mit der Ultra Classic glückliche Tage erleben. Diesen Effekt gibt es beim Kauf ebenso kostenlos dazu wie ein Lebensgefühl der extra lässigen Sorte. (mid)