BMW F 900 XR: Ausgewogener Allrounder

Die BMW F 900 XR ist mit 105 PS unterwegs. © BMW

BMW hat die S 1000 XR neu gedacht und in die Mittelklasse transferiert. Heruasgekommen ist die F 900 XR. Ein sehr ausgewogenes Allround-Motorrad.

Fünf Jahre lang zeigte die 2015 auf den Markt gekommene BMW S 1000 XR, wie ein bis dahin typischer Sporttourer auch neu gedacht und umgesetzt werden kann: Als XR-Fahrer kann man nämlich, ganz im GS-Stil aufrecht sitzend, entspannt und zugleich sportlich unterwegs sein. Mit dem aus dem Superbike-Modell S 1000 RR abgeleiteten Einliter-Vierzylindermotor und einer Leistung von zumindest 160 PS ist die S 1000 XR freilich nicht gerade ein Bike für jedermann.


So hat BMW sich entschlossen, das Konzept des hoch motorisierten „Abenteuermotorrads für Asphalt“ in die Mittelklasse zu übertragen. Herausgekommen ist die F 900 XR, die in diesen Wochen zu den Händlern rollt.

Neuer Zweizylinder-Reihenmotor

Angetrieben wird die Mittelklasse-BMW von einem neuen Zweizylinder-Reihenmotor, der aus dem bisherigen Triebwerk der F 850 GS hervorgegangen ist. Dabei wurde der Hubraum um rund 50 Kubikzentimeter vergrößert, wodurch mehr Leistung (105 PS statt 95 PS) und Drehmoment realisiert wird.

Das DIgitaldisplay an der BMW F 900 XR. Foto: BMW

Mit nunmehr 895 Kubikzentimetern Hubraum ist der kräftig antretende Motor ohnehin bereits an der Obergrenze der Mittelklasse angekommen. Er nimmt ausgesprochen sanft und gut kontrollierbar Gas an, vibriert so gut wie überhaupt nicht und dreht bei Bedarf stürmisch hoch, ohne aber permanent zu Leistungsorgien zu animieren. Den BMW-Entwicklern ist mit dem neuen Triebwerk also ein ausgezeichnet laufender, mit einem Realverbrauch von knapp fünf Litern zugleich sparsamer Motor gelungen, den es bei der nächsten Modellüberarbeitung der F 850 GS ganz bestimmt auch in diesem Modell geben wird. Dank der gewählten Zündabstände klingt der Twin so, als handle es sich um einen V2-Motor – ein feiner Sound!

Fahrgewicht von 220 Kilometer

Mit einem fahrfertigen Gewicht von knapp 220 Kilogramm ist die F 900 XR leicht genug, um sich auch von weniger erfahrenen Piloten problemlos handhaben zu lassen. Obwohl sie selbst groß gewachsenen Männern genügend Raum zum entspannten Sitzen gibt, eignet sie sich auch für Fahrerinnen und Fahrer ohne Gardemaß.

Sehr hilfreich ist diesbezüglich das breite Angebot An niedrigeren und höheren Sitzbänken; die mögliche Sitzhöhe reicht von 77,5 bis 87 Zentimeter. Eine so große Bandbreite ist selbst für die in punkto Ergonomie schon seit Jahrzehnten besonders aufmerksamen Bayern neu. Auf den jüngsten technischen Stand hat BMW auch die Lichttechnologie der ab 11.400 Euro erhältlichen Maschine gebracht: LED-Beleuchtung rundum ist Serie, Tagfahrlicht jedoch nur gegen Zuzahlung erhältlich.

Einlenken in Kurven und das Durchwedeln kurvenreicher Gebirgsstrecken fallen mit der neuen BMW F 900 XR leicht; hilfreich sind dabei die vorteilhafte Gewichtsverteilung, die günstige Sitzposition mit aufrechtem Oberkörper und die gut gewählte Lenkerbreite. Auf diese Weise vermittelt die XR ein Gefühl von Souveränität und Sicherheit, denn selbst schlecht einsehbare Kurven mit überraschendem Verlauf können dank der Positionierung des Fahrers ohne besonderen Nervenaufwand pariert werden – ein bisschen mehr Druck am Lenker genügt in der Regel, um die BMW auf den gewünschten Kurs zu bringen.

Hohes Bremsniveau

In Sachen Bremsen agiert die F 900 XR auf gewohnt hohem BMW-Niveau: Mit großformatigen radialen Doppelscheibenbremsen vorne ist das Motorrad bestens für sicheres Verzögern ausgerüstet, die Transparenz der Bremsanlage überzeugt genauso wie das Regelverhalten des ABS. Die Regelintervalle sind kurz und frei von Ruppigkeit. Einen klaren Schritt nach vorne hat BMW bei der Abstimmung des optionalen Schaltassistenten gemacht: Gangwechsel ohne Ziehen des Kupplungshebels verlaufen auch bei wenig Gas geschmeidig; andererseits ist die Kupplung sehr leichtgängig und präzise zu bedienen. Damit gehört die BMW F 900 XR zu jenen Bikes, bei denen das Wechseln der Gänge ohne Quickshifter genauso erfreulich verläuft wie unter Zuhilfenahme des elektronischen Helferleins.

Die F 900 XR verfügt über das aktuelle Farb-TFT als zentrale Informationsquelle im Cockpit. Die Anzeige ist vorbildlich übersichtlich, das Fahrtempo ist jederzeit leicht ablesbar. Dazu können ganz nach Belieben fast alle gewünschten zusätzlichen Informationen präsentiert oder auch nicht gezeigt werden; freilich ist eine gewisse Konzentration vonnöten, um den Anzeigemodus während der Fahrt zu wechseln. Dies zu tun oder zu lassen, hat der Fahrer freilich selbst in der (linken) Hand; das am Lenkerteil positionierte Drehrad zur Einstellung ist jedenfalls mit einiger Übung gut handhabbar.

Ergonomie als Stärke

Die BMW F 900 XR bietet glänzende Fahrleistungen. Foto: BMW

Ergonomie und Fahrkomfort gelten zu Recht als traditionelle Stärken von BMW-Bikes; diesbezüglich macht die F 900 XR zum Glück keine Ausnahme. Der Windschutz ist nicht zuletzt dank des sehr einfach einhändig verstellbaren Windschilds sehr gut, die Sitzposition selbst ebenso. Auf diese Weise lassen sich auch lange Strecken komfortabel zurücklegen. Marathon-Etappen scheitern eher am relativ kleinen 15,5 Liter-Tank; trotz des mäßigen Benzinverbrauchs – er liegt je nach Einsatz des Fahrers zwischen 4,2 und knapp über 5 Litern – fordert die Warnleuchte nach etwa 250 Kilometern zum Nachtanken auf.

Präsentierte sich die 165 PS leistende BMW S 1000 XR bislang doch als ausgesprochen kerniges Fahrgerät, die mit ihrem hohen Drehzahlniveau streckenweise als nervig empfunden werden konnte, so überzeugt die neue F 900 XR durch mehr Ausgewogenheit: Sie macht aktives Fahren genauso leicht möglich wie komfortorientiertes Gleiten, bietet ein zielgenaues, präzises Fahrwerk und zugleich gute Möglichkeiten auch für Touren zu zweit, denn BMW wäre nicht BMW, wenn es im Sonderausstattungsprogramm nicht reichlich Gepäckausstattungsmöglichkeiten gäbe. (SP-X)

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