Suzuki GSX-S 1000F: Nur für routinierte Fahrer

Wenig Technik-Features

Suzuki GSX-S 1000F: Nur für routinierte Fahrer
Für erfahrene Piloten - die Suzuki GSX-1000 F. © Suzuki

Wer sich für die Suzuki GSX-S 1000F interessiert, der sollte über eines auf jeden Fall verfügen: viel Erfahrung. Denn dieses Bike fordert seinen Fahrer – auch wegen des Verzichts auf viele Technik-Features.

Ein „F“ am Ende der Modellbezeichnung steht im englischen Bike-Sprech für das Wort Fairing, Verkleidung. Exakt um diesen einen Buchstaben hat Suzuki den Modellcode seines neuen Power-Roadsters GSX-S 1000 verlängert. Fraglos sieht die GSX-S 1000F aus wie ein Sportbike – mit Ausnahme der breiten Lenkstange. Sie ist primär dafür verantwortlich, dass sich diese mit Superbike-Genen ausgestattete Suzuki durch eine aufrechte, bequeme Sitzposition auszeichnet.

Was sie zu einer Art Motorrad macht, das auf dem Markt noch keinen Wettbewerber hat. Auch deshalb, weil sich Suzuki im Punkt Elektronisierung in Zurückhaltung übt: Ein ABS und eine sehr gut arbeitende Traktionskontrolle sind die einzigen High-Tech-Features; der ganze Rest des Motorrads ist sehr konventionell.

Hohe Ansprüche an den Piloten

Dass die GSX-S 1000F sich nur in wenigen Details – Karosserie, Scheinwerfer, Spiegel und Federungsabstimmung – von ihrer nackten Schwester unterscheidet, wird einem schnell bewusst: Die F stellt in punkto Gasgriff-Behandlung ebenso hohe Ansprüche an ihren Piloten. Denn das Ansprechverhalten des auf Basis der K5-Serie der GSX-R 1000 entwickelten Vierzylindermotors ist aggressiv ausgelegt.

„Wir sprechen mit diesem Motorrad erfahrene Motorradfahrer im Alter von 40+ an“, erklärt der Hersteller diese Auslegung und fügt hinzu: „Die wollen das so, denn sie können damit umgehen.“ Auch mit kritischen Augen betrachtet muss man feststellen: Diese Triebwerksabstimmung ist der der F im Grunde nicht störend, weil sie zu zügigerer und damit auch drehzahlorientierterer Gangart ermuntert. Und je höher das Drehzahlniveau, desto seltener sind in der Praxis störende Lastwechsel. Der 106 kW/145 PS starke Reihenvierzylinder ist ohnehin ein sehr kultivierter, vibrationsarm agierender Antrieb mit mehr als genug Kraft in jeder Lebenslage.

Verzicht auf technische Finessen

Dass die GSX-S 1000F ohne Ride-by-wire, damit ohne wählbare Motor-Mappings, ohne die aktuellen Elektronik-Features wie Quickshifter, semiaktives Fahrwerkssystem, schlüsselloses Startsystem oder auch LED-Licht und Kurven-ABS zu den Händlern rollt, ist auch der Positionierung am Markt geschuldet: Hätte man alles eingebaut, was technisch machbar ist, würde bei Suzuki ein anderer Preis aufgerufen werden müssen, und das ist bei dieser Marke problematischer als bei BMW oder Ducati.

Suzuki GSX-S 1000F
Das Cockpit der Suzuki GSX-S 1000F Suzuki

So hat man sich entschlossen, den Fokus auf das „pure, unverfälschte Motorradfahren“ zu verlegen. Und das wird auch geliefert, und zwar durchaus überzeugend. Die sehr direkte Gasannahme gehört zu diesem Paket wie auch die bewusst nicht linear verlaufende Leistungskurve: Oberhalb von 6.500 Umdrehungen wird nämlich eine Art Nachbrenner gezündet, der dem Fahrer die Arme aus dem Schultergelenk zu reißen droht. Die GSX-S 1000F geht brachial voran. Dass eine dreifach variierbare Traktionskontrolle geliefert wird, ist angesichts des Leistungspotenzials kein Fehler.

Insgesamt erweist sich die GSX-S 1000 als ausgesprochen angenehmes Bike: Der Einliter-Vierzylinder agiert kraftvoll und kultiviert gleichermaßen, ist elastisch und drehfreudig. Zudem ist er mit einem Testverbrauch von kaum über 5,5 Litern/100 Kilometer bei sehr flotter Land- und Bergstraßenfahrt auf den nicht tempolimitierten Landstraßen der Isle of Man sparsam, sofern man die leicht bedienbare und präzise Schaltbox fleißig betätigt. Wer weniger schaltet, muss einen guten halben Liter mehr kalkulieren.

Lenker zuckt spürbar

Auch das fein abgestimmte Fahrwerk gefällt gut, auch wenn die teils brutal buckligen Straßen der Isle of Man mitunter bis ins Fahrerkreuz spürbar sind und für Federn und Dämpfer eine hohe Hürde darstellen: Mitunter zuckt der Lenker schon fühlbar, doch auch auf einen Lenkungsdämpfer hat Suzuki im Sinne des unverfälschten Motorradfahrens verzichtet. Die Federung selbst wurde geringfügig straffer abgestimmt, um die zusätzlichen sieben Kilo Gewicht zu kompensieren. Die GSX-S 1000F umrundet Biegungen aller Radien stabil, gefällt durch leichtes Einlenken und überzeugt durch hohe Schräglagenfreiheit. Die speziell für diese Suzuki entwickelten Dunlop-Reifen harmonieren ausgezeichnet mit dem Chassis und weisen zudem gute Nässeeigenschaften auf.

Suzuki GSX-S 1000F neu Suzuki
Dieses Bike fordert den Piloten Suzuki

Gut abgestimmt zeigt sich die Dreischeiben-Bremsanlage von Brembo (radiale Monobloc-Sättel vorne) und Bosch (ABS); Wirkung, Dosierbarkeit und Standfestigkeit überzeugen. Die Cockpit-Ausstattung ist ausreichend: Eine Ganganzeige ist vorhanden, die Verstellung der Traktionskontrolle erfolgt vom Lenker aus und gelingt spielend. Ergonomische Finessen wie eine Sitzhöhen- oder Lenkerverstellung gibt es nicht.

12.795 Euro und mithin 600 Euro mehr als für die F-lose Roadster verlangt Suzuki für seinen sportlichen Aufrechtsitzer. Ob sich die GSX-S 1000F in der klitzekleinen Nische, in die sie hineinkonstruiert worden ist, ausreichend breit machen kann, muss sich zeigen. Denn trotz ihrer Ausgewogenheit, ihrer nach der nötigen Eingewöhnung leichten Fahrbarkeit und ihres insgesamt angenehmen Wesens ist die Suzuki GSX-S 1000 nicht auf dem neuesten Stand. Viele der aktuellen technologischen Segnungen bietet sie nicht, weder serienmäßig noch gegen Mehrpreis. Akzeptiert die verwöhnte Generation 40+ diese zurückhaltende und von uns einerseits mit Sympathie, aber doch auch mit Skepsis beobachtete Modellpolitik? Die Zulassungsstatistiken in Europas wichtigsten Märkten werden es zeigen. (SP-X)

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