«Werden Angebote rund um Mobilität weiter ausbauen»

Smart-Chefin Annette Winkler

Smart-Chefin Annette Winkler
Smart-Chefin Annette Winkler. © dpa

Smart peilt in diesem Jahr einen Absatz zwischen 95.000 und 100.000 Einheiten an. Im Interview mit der Autogazette spricht Smart-Chefin Annette Winkler über Wachstumsziele, neue Modelle und den Boommarkt China.

Die Daimler-Tochter Smart setzt auf weiteres Wachstum in China. «Das Premium-Microsegment in China wächst und hier werden wir mitwachsen. Es gibt in China 160 Städte mit einer Million und mehr Einwohnern. Hier sieht man, welches Potenzial es für Smart in diesem großartigen Land gibt», sagte Smart-Chefin Annette Winkler im Interview mit der Autogazette.

Händlernetz in China wird ausgebaut

Wie die Managerin hinzufügte, werde Smart dazu sein Händlernetz ausbauen. «Wir verfügen mit unserem Vertrieb derzeit über 80 Händler mit 95 Outlets. Bis Ende des Jahres werden wir den Vertrieb auf über 90 Händler und ungefähr 100 Outlets vergrößern. Für das kommende Jahr sind wir derzeit noch in der Planung, doch auch hier ist ein Ausbau geplant.» Nachdem Smart im Vorjahr in China rund 16.000 Fahrzeuge absetzen konnte, erwartet Winkler in diesem Jahr eine neue Bestmarke. «In China liegen wir nach den ersten sieben Monaten bei rund 10.000 neuen begeisterten Kunden. Ich gehe davon aus, dass wir unseren Vorjahresabsatz hier erneut verbessern können».

Trotz rückläufiger Märkte in Europa geht Winkler für dieses Jahr davon aus, dass Smart auf einen weltweiten Absatz von 100.000 Fahrzeugen zusteuern kann, «obwohl uns durch die Absatzkrise ganze Märkte weggebrochen sind». Nachdem die Marke im Vorjahr auf einen Absatz von rund 104.000 Einheiten kam, rechnet Winkler damit, «dass wir am Ende des Jahres irgendwo zwischen 95.000 und 100.000 Einheiten absetzen werden». Wie Winkler sagte, erwarte sie mit dem Start der beiden Ende 2014 auf den Markt kommenden neuen Modelle Smart Fortwo und Smart Forfour «ein eklatantes Wachstum für die Marke».

«Sind glücklich, dass wir Absatzvolumen stabil halten»

Autogazette: Frau Winkler, wie frustrierend ist es eigentlich derzeit Smart-Chefin zu sein?

Annette Winkler: Überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Wir sind glücklich darüber, dass wir unser Absatzvolumen stabil halten - und das trotz der Absatzkrise und rückläufiger Märkte vor allem in Südeuropa. Darauf sind wir stolz.

Autogazette: Statt Ihren Kunden Modellneuheiten anbieten zu können, müssen Sie sie bis 2014 mit immer neuen Sondermodellen vertrösten. Deprimiert das einen Vertriebsprofi wie Sie nicht?

Winkler: Aber nein. Wir haben immer gesagt, dass wir den neuen Smart Fortwo, den wir in Kooperation mit Renault entwickeln, erst im Jahr 2014 auf den Markt bringen werden. Entsprechend habe ich mich darauf einstellen können.

Autogazette: Kein Hauch von Frustration?

Winkler: Wieso? Mit einem Auto wie dem aktuellen Smart Fortwo den Absatz stabil zu halten, ist das Gegenteil von frustrierend. Es ist eine tolle Herausforderung, die wir auch in diesem Jahr meistern werden. Mit neuen Autos Volumen zu machen ist vergleichsweise einfach. Den Absatz mit einem Auto am Ende seines Lebenszyklus stabil zu halten – das ist die Kunst. Zugleich legen wir bereits jetzt die Grundlagen für den Marktstart des neuen Smart, indem wir neue Länder wie beispielsweise China für unsere Marke erschließen.

«Das Premium-Microsegment in China wächst»

Smart-Chefin Annette Winkler
Annette Winkler auf der Shanghai Autoshow Daimler

Autogazette: Welche Rolle kommt dem chinesischen Markt für ihre Absatzziele zu, auf dem Sie in 2012 rund 16.000 Einheiten abgesetzt haben?

Winkler: In China liegen wir nach den ersten sieben Monaten bei rund 10.000 neuen begeisterten Kunden. Ich gehe davon aus, dass wir unseren Vorjahresabsatz hier erneut verbessern können.

Autogazette: Derzeit ist China nach Deutschland und Italien der drittwichtigste Markt für Smart. Wann wird China der wichtigste Markt für Sie sein?

Winkler: Das ist ganz schwer zu sagen. Aber der Trend ist eindeutig: Das Premium-Microsegment in China wächst und hier werden wir mitwachsen. Es gibt in China 160 Städte mit einer Million und mehr Einwohnern. Hier sieht man, welches Potenzial es für Smart in diesem großartigen Land gibt.

Autogazette: Wie bereiten Sie derzeit Ihren Vertrieb in China auf das erwartete Wachstum vor?

Winkler: Wir verfügen mit unserem Vertrieb derzeit über 80 Händler mit 95 Outlets. Bis Ende des Jahres werden wir den Vertrieb auf über 90 Händler und ungefähr 100 Outlets vergrößern. Für das kommende Jahr sind wir derzeit noch in der Planung, doch auch hier ist ein Ausbau geplant.

Autogazette: Welche Perspektiven sehen Sie für den Elektro-Smart in China?

Winkler: Der Elektro-Smart ist das erste europäische Fahrzeug, das die Homologation bekommen hat. Wir hoffen, dass wir es bis Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres schaffen, dort die ersten Elektro-Smarts auf den Markt zu bringen. Doch in China wartet im Bereich der Elektromobilität noch eine Menge Arbeit auf uns. Sei es nun bei der Infrastruktur oder bei der Normierung der Stecker. Die positive Grundstimmung für Elektromobilität bietet hier aber sehr große Chancen.

«Wir erwarten ein starkes Wachstum»

Smart Electric Drive an der Stromtankstelle.
Der Elektro-Smart an der Steckdose dpa

Autogazette: Nach sieben Monaten liegt der Absatz von Smart weltweit bei rund 60.000 Fahrzeugen. Das ist ein Rückgang von 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Ist das bisherige Jahr für Sie damit besser als gedacht gelaufen?

Winkler: Es ist so gelaufen wie geplant. Wir sind mit der Ansage 90.000 plus x gestartet. Doch uns ist es gelungen, wieder auf einen Absatz um die 100.000 zuzusteuern, obwohl uns durch die Absatzkrise ganze Märkte weggebrochen sind. Selbst in Deutschland, wo wir uns starken Mitbewerbern zu stellen haben, liegen wir im Segment auf Platz zwei. Zudem ruhte in unserem französischen Werk in Hambach die Produktion für zwei Monate, um die Fertigung auf das neue Modell vorzubereiten.

Autogazette: Im Vorjahr kamen Sie auf einen Absatz von fast 104.000. Was ist in diesem Jahr realistisch? Es sieht doch alles eher nach einem Absatz um die 95.000 Einheiten aus.

Winkler: Ich rechne damit, dass wir am Ende des Jahres irgendwo zwischen 95.000 und 100.000 Einheiten absetzen werden.

Autogazette: Wann wird denn der mit Renault entwickelte neue Smart Fortwo auf den Markt kommen? Anfang oder Ende des Jahres 2014?

Winkler: Er wird Ende nächsten Jahres auf den Markt kommen. Wo wir die Messepremiere des neuen Smart feiern werden, steht indes noch nicht fest.

Autogazette: Und der Smart Forfour?

Winkler: Sie werden beide in 2014 in den Markt eingeführt.

Autogazette: Welche Absatzperspektiven haben Sie mittelfristig für die Marke Smart mit den beiden neuen Modellen?

Winkler: Wir erwarten ein starkes Wachstum, aber Smart wird nie eine Marke sein, die ihren Erfolg nur am Verkaufsvolumen festmacht. Smart hat eine Vorreiterrolle als Mobilitätsanbieter, ich verweise hier nur auf unser Carsharing-Angebot car2go: Es hat mittlerweile viele Nachahmer gefunden. Daneben haben wir ein E-Bike im Angebot und einen vollelektrischen Scooter bringen wir auch noch. Smart wird zukünftig nicht davon leben, ein Derivat nach dem anderen auf den Markt zu bringen, sondern Software um das Auto herum anzubieten. Neben car2go haben wir von Daimler Mobility Services beispielsweise unsere Mobilitätsplattform Moovel. Diese Angebote rund um die Mobilität werden wir weiter ausbauen.

«Eine hohe Sicherheit gehört zur DNA der Marke»

Flinkster und Car2go gehen zusammen.
Car2Go soll ausgebaut werden Daimler

Autogazette: Lassen Sie uns bei den Wachstumszielen von Smart bleiben. Es war zu hören, dass für den neuen Smart-Fortwo mit jährlich mit 140.000 Einheiten geplant wird und für den forfour mit 70.000. Stimmen die Zahlen nicht?

Winkler: Zu diesen Zahlen sage ich nichts. Das ist reine Spekulation. Doch mit den Smart Fortwo und dem Forfour erwarten wir ein eklatantes Wachstum für die Marke.

Autogazette: Mercedes musste den in Kooperation mit Renault produzierten Citan nach schlechten Crashtestergebnissen zurückrufen. Wie besorgt hat Sie dieses Desaster mit Blick auf den neuen Fortwo?

Winkler: Gar nicht. Eine hohe Sicherheit gehört zur DNA der Marke. Und das wurde im Lastenheft berücksichtigt. Wenn wir erst aufgrund dieses Vorkommnisses diesen Aspekt in den Fokus gerückt hätten, wäre es schon zu spät gewesen. Ein Erfolgskriterium des jetzigen smart ist seine hohe Sicherheit und auch der kommende smart wird unserem Sicherheitsanspruch entsprechen.

Autogazette: Mit car2go hatten Sie eigentlich vor, bis zum Jahr 2014 profitabel zu sein. Doch dieses Ziel wird nicht zu erreichen sein. Wann ist es soweit?

Winkler: Wir sind bereits mit mehreren Städten profitabel, damit zeigen wir, dass es geht. Doch wenn immer neue Städte hinzukommen – und wir werden mit car2go weiter wachsen – wird es dauern, bis auch diese Städte schwarze Zahlen schreiben. An der Aussage, dass wir bis zur Mitte des Jahrzehnts mit car2go wirtschaftlich sein werden, ändert sich nichts. Nächstes Jahr streben wir bereits einen Umsatz von 100 Millionen Euro mit der Daimler Mobility Services GmbH an, wovon ein Großteil durch car2go erwirtschaftet werden wird.

Autogazette: Ist das nicht sehr optimistisch? Nur an drei von 22 Standorten sollen Sie bereits rentabel sein?

Winkler: Die meisten car2go Standorte sind erst seit 2012 in Betrieb. Die erwähnten drei Städte gehören zu denen, die bereits im Jahr 2011 gestartet sind. Wir sind mit car2go insgesamt auf einem sehr guten Weg – insofern ist unser Optimismus absolut angebracht.

Das Interview mit Annette Winkler führte Frank Mertens