Sblocs Calderas: Lastenrad mit Neigungstechnik

Sblocs Calderas: Lastenrad mit Neigungstechnik
Das Sblocs Calderasi verfügt über Neigungstechnik. © SP-X

Lastenräder werden gerade bei Großstädten immer beliebter. Doch ganz einfach sind sie nicht zu fahren. Nun bietet Sblocs mit dem Calderas ein Rad mit Neigungstechnik an.

Damit bietet das Berliner Start-up Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, statt mit einem gemeinhin sperrigen Lastenrad eleganter durch die Stadt zu fahren. Sblocs bietet mit dem dreirädrigen Calderas eine kompakte Alternative, die neben einer unterhaltsamen Neigungstechnik noch einen E-Antrieb bietet. Mit seiner schicken, geräumigen und vielseitig nutzbar Frontbox reicht das Calderas für Alltag und Wocheneinkauf. Während des Tests ist unser Auto in der Garage geblieben.


Zahlenfetischisten, besonders wenn sie Familienkombis bevorzugen, dürften die 120 Liter Stauraum des Dreirads nicht sonderlich beeindrucken. Doch praktisch reichen sie für viele Situationen bereits aus. Supermarkt, Baumarkt, Picknick-Ausflug – in der Regel war ausreichend Stauraum vorhanden. Falls nicht, hilft ein optionaler Gepäckträger oder ein einfacher Rucksack aus.

Zuladung von 150 Kilo

Ebenfalls für die meisten Konstellationen reichen dürfte die Zuladung, denn unser 35 Kilogramm schweres Calderas konnte maximal 150 Kilogramm schultern. Alternativ zu größeren Mengen Gepäck kann der zwischen zwei 24-Zoll-Rädern gelagerte Holzkasten ein kleineres Kind aufnehmen.

Für diesen Zweck haben die Berliner ein smartes Umbau-Kit entwickelt, mit dem die Box einen gepolsterten Kindersitz mit Dreipunktgurt bietet. Diese Lösung ist wie die gesamte Box eine Sblocs-Eigenentwicklung, die im Wesentlichen aus ineinandergesteckten und zusätzlich verleimten Multiplexplatten sowie einer gebogenen Rückwand aus Aluminium besteht. Trotz der Holzwände ist die Konstruktion wetterfest, was sich am tadellosen Zustand selbst nach mehreren Starkregenereignissen zeigte.

Vorne breit, hinten schlank: Das Calderas von Sblocs ist ein Dreirad für Erwachsene. Foto: SP-X

Außerdem bietet sie einen abschließbaren Deckel. Schränkt dieser den Gepäckraum nach oben ein, lässt er sich einfach herausnehmen. Auch um die Lagerung von Gepäck der Box hat man sich Gedanken gemacht. Einerseits schont eine softe Matte aus Kautschuk im Ladeboden das Gepäck. Andererseits wird die gesamte Box noch auf Silentblocks gelagert, was ebenfalls hilft, einige Vibrationen zu eliminieren.

Erstaunlich schlank gehaltenes Bike

Unser ganz in Schwarz gehaltenes Exemplar in Gravel-Aufmachung macht mit seinem leichten Rahmen eine erfreulich schlanke Figur. Trotz der schwarz verkleideten Motorbox im Tretlager-Bereich sowie dem am Steuerrohr befestigten 635-Wh-Akku wirkt die Konstruktion luftig und aufgeräumt. Diverse Anbauteile von gehobener Qualität vermitteln einen außerdem wertigen Eindruck. Interessant ist die Mischung mit profilierten MTB-Reifen sowie der Verzicht auf Schutzbleche.

Endgültig zum Hingucker macht das Bike allerdings seine Neigungstechnik der nur geringfügig über die Lenkerenden herausragenden Vorderachse. Bereits im Stand versprüht diese Lösung Dynamik, sofern das Bike nach links oder rechts kippt. Die Vorderräder sind mit vertikalen Stangen verschraubt, die wiederum von zwei Querträgern angelenkt werden, die mittig über einen Drehpunkt mit dem Rahmen verbunden sind. Die im Kern einfache Mechanik erlaubt ein Kippen der Vorderräder samt Box und dem hinteren Fahrrad, was für ein Kurvenverhalten sorgt, das dem von Einspurfahrzeugen sehr nahekommt.

Fast wie ein normales Rad

Der Clou: In Kurven kann man sich fast wie mit einem normalen Rad hineinlegen. Allerdings geht das nur bis zu einem bestimmten Winkel und damit nur mit moderater Schräglage. In langgezogenen Kurven reicht das, sich wie auf einem sportlich Einspurfahrzeug zu fühlen. Geht es enger ums Eck, muss man umdenken, denn dann ist außerdem die Lenklogik des Dreirads gefragt, was nach einem bewussten Drehen des Lenkers mit zudem etwas Kraftaufwand verlangt.

Weil das im Widerspruch zur Lenklogik von Einspur-Rädern steht, sorgt dies bereits auf den ersten Metern und Kurven für Irritation und plötzliche Bremsmanöver. Gewöhnen muss man sich auch an ein gewisses Eigenleben der Lenkung, wenn diese trotz Lenkungsdämpfer bei groben Unebenheiten die Zielvorgaben topediert. Aufgrund meist holperiger Fahrradwege ist man deshalb die meiste Zeit mit beiden Händen am Lenker unterwegs. Hat man jedoch den Dreh raus, macht das besondere Lenksystem durchaus Laune. Nach einer kurzen Einfühlphase kommt das Calderas sogar für längere Touren oder den täglichen Weg zur Arbeit infrage.

Antrieb von Brose

Dank der Neigungstechnik fährt sich das Sblocs Calderas fast wie ein normales Rad. Foto: SP-X

Sehr schnell findet man Freude am kräftigen Schub des Brose-Antriebs Drive T, der ein besonders gleichmäßiges Vortriebsgefühl vermittelt, was dem Fahrer das Gefühl vermittelt, eigentlich ein Fahrrad ohne E-Unterstützung zu fahren. Das gilt insbesondere für den Eco-Modus, der Reichweiten tief im dreistelligen Bereich erlaubt und außerdem die Fitness des Fahrers stählt. Mit ihren maximal 70 Newtonmeter sorgt die Maschine im Boost-Modus auch für erstaunlich viel Druck. Unter Last macht sich der sonst ausgesprochen leise Motor allerdings durch ein deutliches Surren bemerkbar. Außerdem geht bei maximaler Unterstützung der Stromvorrat wesentlich schneller zur Neige.

Gut harmoniert der Brose-Antrieb in Kombination mit der achtgängigen Alfine-Nabenschaltung. Sblocs bietet alternativ auch Kettenschaltungen oder eine Rohloff-Nabenschaltung mit 14 Gängen an. Letztere empfiehlt sich, falls Kunden den stärkeren Drive S von Brose mit 90 Newtonmeter Drehmoment wünschen. Solche Lösungen treiben den ohnehin schon ordentlichen Preis des Calderas selbstredend weiter in die Höhe. Für die Basisversion pur ohne E-Motor werden bereits rund 5.000 Euro aufgerufen. Unser Gravel mit Drive T und Alfine-Schaltung geht bei 6.400 Euro los. (SP-X)

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