Skoda Klement: Das etwas andere E-Bike

Bislang noch ein Prototyp

Entspannt durch den Park: das Skoda Klement. © Skoda

Skoda hat eine lange Tradition im Fahrradbau. Das beweist der Autobauer nun mit dem Prototypen des Klement. Es ist ein Fahrrad, bei dem nicht mehr getreten werden muss.

Der königliche Wildpark Stromovka ist gut 95 Hektar groß, zahlreiche Wege winden sich zwischen alten Bäumen, entlang an Liegewiesen und rund um einen kleinen See. Für die Prager ist die Idylle so etwas wie der Hyde Park in London oder Münchens Englischer Garten.


Seit Jahrhunderten genießen die Bewohner der tschechischen Hauptstadt die grüne Lunge nahe der Moldau. Ein Paradies für Mutter-Kind-Ausflüge, strampelnde Radfahrer, geduckt rollende Skater oder Pärchen aller Altersstufen. Und für einen halben Tag das Testfeld einer auf den ersten Blick überraschenden neuen Art der Fortbewegung auf zwei Rädern. Ganz elektrisch natürlich.

Auf dem Klement wird nicht getreten

Ein Fahrrad ohne Kette, das Rectus Fermoris, Fibularis Longis oder Tibialis Anterior in den zeitweiligen Ruhestand befördert. All diese Beinmuskeln können sich entspannen, auf diesem Bike wird nicht getreten. Skoda hat seine Idee von der abgasfreien Fahrt in der Stadt schon auf dem Genfer Automobilsalon im Frühjahr präsentiert und jetzt erstmals zum Ausprobieren in den Riesenpark gebracht. Nur auf den ersten Blick ist Klement ein Fahrrad, jedenfalls was die klassische Silhouette betrifft. Doch es fehlen die bekannten Pedale, die Zahnräder und vor allem die stets verölte Kette. Am Lenker gibt es keine Griffe für die Bremsen, dafür aber an beiden Enden farbige LED-Leuchten als Blinker vor dem Richtungswechsel.

Natürlich lassen sich Funktionen des Skoda Klement über das Smartphone abrufen. Foto: Skoda

Die Füße des Fahrers ruhen auf zwei rechteckigen Trittflächen. Sie sind platziert, wo bei den bekannten E-Bikes das Tretlager angebracht ist. Eine massive Rahmen-Konstruktion kombiniert die diversen Rohre und Streben eines klassischen Fahrrads, nimmt auch den Sattel auf. Eine mittige Verzweigung gen Boden endet in den erwähnten Auflagen für die Füße. Sieht alles futuristisch und zugleich stabil aus, was sich die Skoda-Techniker da ausgedacht haben.

Und sorgt bei den Parkbesuchern schon im Stand für Neugierde. Ebenso wie das fest montierte, recht große Smartphone auf dem Rahmen, das von außen unsichtbar mit der Bordeelektronik vernetzt ist. Derzeit noch mit Bluetooth, später per drahtlosem WiFi. Tacho, Batterieanzeige und Grad der Rekuperation werden angezeigt. Über Knöpfe am Lenker werden die Blinker, die Beleuchtung und auch ein elektronisches Warnsignal bedient.

E-Motor mit 5,5 PS Leistung

Der elektrische Nabenmotor am Hinterrad leistet 5,5 PS – deutlich mehr als die Hilfsaggregate bei einem E-Bike. Zwei Lithium-Ionen-Batterien mit zusammen 104 Zellen liefern 1.250 Wattstunden und machen erst nach rund 60 Kilometern schlapp. Die Akkus können leicht entnommen und an der Steckdose wiederbelebt werden. Der Clou für ein Zweirad: Strom bezieht Klement auch beim Bremsen oder Bergabfahren. Diese Rekuperation kennen wir aus Elektroautos. Weil das Zweirad mit seinem Power-Triebwerk bis zu 45 km/h schnell werden und beim Spurten sogar mit Tour-de-France-Profis mithalten kann, gilt es als eine Art Mofa, für das ein Führerschein nötig sein wird.

Denn das Fahrerlebnis ist ebenso beindruckend wie respekteinflößend. Wenn man sich denn auf die ungewohnte Art des Beschleunigens und Bremsens gewöhnt hat. Soll es losgehen, werden die auf dem Tritt ruhenden Füße nach vorne gekippt und die Post geht ab. Mit ultraleisem Singen schießt Klement ins elektrische Leben. Das Dosieren zwischen gemächlichem Gleiten und rasantem Ritt will geübt sein. Ebenso wie das Bremsen: Hier muss Druck auf die Fersen gelegt werden. Anfangs richtet man sich unbewusst etwas auf, um genug Kraft auf den hinteren Teil der beiden „Pedale“ zu bekommen. Nach einigen Minuten klappt auch hier die Abstimmung.

Noch Modifikationen möglich

Auf dem Skoda Klement braucht man nicht mehr treten. Foto: Skoda

Noch hat Skoda nicht entschieden, ob es diese Art der Bedienung auch in die beschlossene Serienfertigung des Klement schafft. Da die gewohnte Art des Umgangs sicher für mehr gedanklicher Sicherheit bei den Benutzern sorgt, könnte das Serienmodell auch mit Griffen am Lenker fürs Gasgeben und Bremsen geliefert werden. Noch offen sind weitere Extras, die für ein Zukunftsmobil dieser Art denkbar sind.

Zum Beispiel ABS, das wie beim Auto das Blockieren der Räder beim Bremsen verhindert. Auf dem Smartphone, das übrigens während der Fahrt per Induktion geladen wird, können weitere Funktionen installiert werden. Zum Beispiel Notruf, Navigation mit „Nach-Hause-finden“-Programm, Ferndiagnose für Akku und Routenplanung unter Berücksichtigung des Ladezustandes.

Skoda betont, dass das Prager Test-Bike noch ein Prototyp ist und weiterentwickelt wird. Es ist Teil des firmeneigenen Zweiradkonzepts für die sogenannte nachhaltige Mikromobilität im Stadtverkehr und soll vor allem jüngere Kunden für die tschechische VW-Tochterfirma heranführen. (SP-X)

2 Kommentare

  1. Was für ein Quatsch, dass Teil ist einfach ein E-Bike, wie es schon tausende von Motorradherstellern gibt. Es ist kein E-Bike in dem Sinne, es kann nicht auf Fahrradwegen genutzt werden, womit es ein schöndes E-Mofa ist. Sie sollten besser mal ein gutes Pedelec bauen.

    • Lustig, wieso tut man das als Quatsch ab? Dann sagst du es ist ein E-Bike aber doch kein E-Bike.
      Es ist ein Konzept. Dazu noch ein ziemlich innovatives. Man soll von A nach B kommen ohne Sport zu treiben. Fertig. Quatsch finde ich Menschen, die alles als Quatsch abstempeln. Weiter so Skoda, das ist ein tolles Konzept. Bremsen und Gashebel, sind sicher Gewöhnungsbedürftig. Da wäre eine Handbremse und ein Gashebel sicher ein einfacherer Einstieg. Aber man kann sich an alles gewöhnen. Ich würde mir so ein Teil zum Pendeln sicher zulegen.

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