Skoda mit höchstem Marktanteil seit 23 Jahren

VW-Tochter mit neuen Bestwerten

Skoda-Chefin Imelda Labbé freut sich über neue Bestwerte.
Skoda-Chefin Imelda Labbé freut sich über neue Bestwerte. © Skoda

Der Privatkundenmarkt in Deutschland liegt am Boden. Davon bleibt auch Skoda nicht verschont. Aber die VW-Tochter kommt mit der Kaufzurückhaltung deutlicher besser zu Recht als die Konkurrenz.

Von Frank Mertens

Der deutsche Automarkt kommt einfach nicht richtig in Schwung. Nach elf Monaten wurden nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) 2,807 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen - das sind gerade einmal 2,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ein boomender Automarkt sieht anders aus. Betroffen von diesem verhaltenen Marktverlaufs war natürlich auch die VW-Tochter Skoda. Das zeigte zuletzt auch der November, in dem Skoda mit 14.137 Neuzulassungen einen Rückgang von 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat hinnehmen musste.

Trotzdem konnte sich Skoda in diesem Jahr deutlich besser behaupten als die Konkurrenz. "Wir sind in diesem Jahr fünfmal so stark gewachsen wie der Gesamtmarkt", sagte Skoda-Deutschland-Chefin Imelda Labbé zwei Wochen vor Ende des Jahres in Frankfurt/Main. "Damit sind wir zum sechsten Mal in Folge die erfolgreichste Importmarke", stellte Labbé zufrieden fest. Auch wenn der Privatkundenmarkt derzeit arg schwächelt, war Skoda in dieser Kundengruppe hinter der Konzernmutter VW und Mercedes dennoch drittbeliebteste Marke. Zulegen konnte man auch bei den gewerblichen Kunden. Bei kleinen und großen Flotten kamen die Tschechen per November auf etwa 40.537 Neuzulassungen, ein Plus von fast 30 Prozent zum Vorjahr.

Bester Marktanteil in 23-jährigen Geschichte

Nachdem Skoda in den ersten elf Monaten dieses Jahres 161.512 Neuzulassungen (+10,6 Prozent) verzeichnen konnte, erwartet die erfolgreiche Skoda-Chefin für dieses Jahr 174.500 Fahrzeuge. Das wäre ein Wachstum von 9,1 Prozent. Aber vielleicht werden es am 31. Dezember noch ein paar Fahrzeuge mehr, die vom KBA registriert werden. Wer weiß. Imelda Labbé neigt mit Blick auf die Absatzzahlen bekanntlich zur Zurückhaltung. Mit dieser prognostizierten Zahl käme Skoda auf einen Marktanteil von mindestens 5,7 Prozent. So erfolgreich war man in seiner 23-jährigen Geschichte auf dem deutschen Markt noch nie. Zugleich ist man mit einem Zuwachs von 14.500 Fahrzeugen so stark gewachsen, wie sonst kein anderer Hersteller. Das Jahr 2014 ist damit erneut zu einem Rekordjahr für die VW-Tochter geworden.

Dass das Jahr 2014 so gut lief, liegt zuvorderst natürlich an den Modellen. Hier brachte Skoda nicht nur den neuen Octavia als Limousine und Kombi auf den Markt, sondern auch die beliebten Sondereditionen "Monte Carlo" vom Yeti, dem Citigo und dem Spaceback auf den Markt. Der Fabia, nach dem Octavia das wichtigste Modell der Tschechen, rollte gerade erst zu den Händlern und wird den Absatz erst ab dem kommenden Jahr so richtig beflügeln.

Hohe Taktrate auch im nächsten Jahr

Der Skoda Fabia ist ein agiler Kleinwagen.
Der neue Skoda Fabia Skoda

So hoch wie die Taktrate in diesem Jahr war, so hoch wird sie für die VW-Tochter auch im kommenden Jahr sein. Ein Jahr, in dem sich das Wachstum der Marke natürlich fortschreiben soll, wie Labbé sagte. Was das in konkreten Zahlen bedeutet, lässt sich Labbé indes nicht entlocken. Doch bereits im Januar wird der neue Fabia Combi auf den Markt kommen, auf den mehr als 40 Prozent des gesamten Fabia-Absatzes entfallen. Mit dem neuen Design, über den der Kombi wie auch die Limousine verfügt, sei da aber mit Blick auf die Verteilung sogar noch etwas Luft nach oben - sicherlich auch beim Absatz. Denn mit seiner neuen Designsprache versucht Skoda auch neue, jüngere Kunden zur Marke zu bringen. Der Handel, der den Fabia bereits in seinen Verkaufsräumen stehen hat, macht in dieser Richtung bereits gute Erfahrungen.

Doch das Jahr steht insbesondere im Zeichen des neuen Skoda Superb, dem Flaggschiff der Marke. Im März feiert er auf dem Autosalon Genf seine Weltpremiere, im Sommer wird er dann zu den Händlern rollen. Der neue Superb soll dann nicht nur wegen seines Designs, sondern auch wegen seiner Vielzahl von neuen Fahrassistenzsystemen für einen Wow-Effekt beim Kunden sorgen. Von dem, was Skoda bislang vom Superb verraten und gezeigt hat, wird er die Mittelklasse mächtig durcheinander wirbeln. Die Konkurrenz beobachtet ziemlich genau, was Skoda da derzeit macht.

Bekanntheit der Marke weiter steigern

Skoda will mit dem neuen Superb die Mittelklasse rocken.
Noch getarnt, der neue Superb Skoda

Kein Wunder, denn der Importeur sei "mittlerweile in der Liga der etablierten Volumenhersteller angekommen", wie Labbé feststellte - und wildert bereits mächtig bei der Konkurrenz. Gerade die Eroberungsrate bei Ford und Opel sei hoch. Gemessen an dem, was Skoda derzeit noch vor hat und an Neuheiten anbieten wird, dürfte man bei diesen Wettbewerbern doch etwas unruhig werden. Zwar liegen Ford mit 193.302 Neuzulassungen (Marktanteil 6,9 Prozent) und Opel (202.716/7,2 Prozent) noch vor Skoda - doch Labbé arbeitet mit Nachdruck daran, diesen Abstand weiter zu verkürzen.

Dazu soll auch die Bekanntheit der Marke weiter gesteigert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Skoda unter anderem auf sein Engagement im Radsport, Eishockey und Rallyesport, aber auch als Mobilitätsdienstleister bei Events mit Promifaktor wie zuletzt der Echo-Verleihung. All das soll in die Marke einzahlen und Skoda noch bekannter als bisher machen. So sind derzeit in Deutschland 1,5 Millionen Skoda-Fahrzeuge im Bestand, bis Ende der Dekade sollen es zwei Millionen werden. Schritt für Schritt arbeitet sich Skoda an die Wettbewerber heran.

Das Autohaus Hackerott mit neuem Skoda-Markenauftritt
Neuer Markenauftritt bei einem Skoda-Händler Skoda

Ein wichtiger Aspekt der Wachstumsstrategie ist dabei auch die Umstellung auf einen neuen, moderneren Auftritt der Händlerbetriebe. Derzeit haben bereits 50 Betriebe auf das neue Handelsdesign umgestellt, bis Ende des Jahres sollen es schon 100 sein. Die Umstellung der derzeit 580 bundesweiten Autohäuser soll 2015 abgeschlossen sein. Mit dieser Umstellung soll ein Wachstum von neun Prozent einhergehen, auch wenn diese Zahl noch nicht belastbar sei, wie Labbé betonte.

Denn diese neun Prozent würden auf den Erfahrungen der 50 Betriebe beruhen, die bereits auf das neue Design umgestellt hätten. Es bleibt also abzuwarten, in welchem Maße die Tschechen im kommenden Jahr zulegen werden. Doch eines ist sicher: sie werden weiter wachsen und wohl noch näher an Ford und Opel heranrücken. Von daher hat sich auch ein wenig die Wertigkeit verschoben: Während früher primär auf die anderen Importeure geachtet wurde, schaut man mittlerweile auf andere Volumenhersteller. Keine schlechte Ausgangsposition für 2015.