«Für uns gab es andere Prioritäten als einen SUV»

Seat-Chef Jürgen Stackmann

Jürgen Stackmann ist noch bis Ende Oktober Seat-Chef.
Jürgen Stackmann ist noch bis Ende Oktober Seat-Chef. © Seat

Seat befindet sich auf Wachstumskurs. Im Interview mit der Autogazette spricht Vorstandschef Jürgen Stackmann über Absatzziele, wichtige Märkte und darüber, weshalb es wichtigere Märkte als China gibt.

Die VW-Tochter Seat befindet sich auf Erfolgskurs und erwartet trotz der europäischen Absatzkrise in diesem Jahr ein deutliches Absatzplus. «Wir glauben, dass wir das Jahr mit einem deutlichen Wachstum abschließen werden», sagte Seat-Chef Jürgen Stackmann im Interview mit der Autogazette. «Derzeit liegen wir rund 30.000 Einheiten über dem Vorjahr und das sollte in etwa zu halten sein, denn unsere Verkäufe zeigen eine gute Dynamik», fügte Stackmann hinzu. Der spanische Autobauer kommt nach zehn Monaten mit 295.100 Fahrzeugen auf ein Absatzplus von 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Jahr 2012 kam Seat mit 321.000 ausgelieferten Fahrzeugen noch auf ein Minus von 8,3 Prozent.

Nächster Wachstumsschritt mit Leon ST

Mit Blick auf das kommende Jahr zeigt sich Stackmann zuversichtlich. «Der europäische Markt ist ohne Frage volatil, damit schlecht berechenbar. Doch mit unserem neusten Modell, dem Seat Leon ST, werden wir den nächsten Wachstumsschritt machen», so Stackmann. Dass das bisherige Wachstum in Deutschland mit hohen Preisnachlässen teuer erkauft wurde, wird von Stackmann verneint. «Dieser Erfolg ist nicht teuer erkauft, denn wir wachsen nicht nur beim Volumen, sondern auch beim Ertrag. Doch natürlich bewegen auch wir uns in Deutschland, wie auch in ganz Europa, in einem Umfeld, das nicht ertragsschonend ist.»

«Werden kein Wachstum verlieren»

Seat Leon ST
Der Seat Leon ST Seat

Autogazette: Herr Stackmann, im Vorjahr musste Seat noch mit 321.000 ausgelieferten Fahrzeugen ein Minus von 8,3 Prozent hinnehmen. In diesem Jahr läuft alles auf ein zweistelliges Plus hinaus. Ist das schon eine Trendwende?

Jürgen Stackmann: Wir freuen uns zunächst einmal darüber, dass wir derzeit gegen den Trend wachsen. Das gelingt nicht jeder Marke. Vor allem in Deutschland haben wir bis Oktober um fast 25 Prozent zugelegt. Doch all dies ist kein Zufall, es ist das Ergebnis einer erfolgreichen Modellpolitik. Wir glauben, dass wir das Jahr mit einem deutlichen Wachstum abschließen werden.

Autogazette: Kann sich dieses Wachstum auch im nächsten Jahr fortsetzen, da das Gros der Märkte in Europa kaum Tendenzen einer Besserung zeigt?

Stackmann: Inwieweit dieses Wachstum auch im kommenden Jahr trägt, ist derzeit schlecht abzuschätzen. Der europäische Markt ist ohne Frage volatil, damit schlecht berechenbar. Doch mit unserem neusten Modell, dem Seat Leon ST, werden wir den nächsten Wachstumsschritt machen.

«Unsere Verkäufe zeigen eine gute Dynamik»

Autogazette: Nach den ersten zehn Monaten kommt Seat mit 295.100 Fahrzeugen auf einen Zuwachs von 11,3 Prozent. Wird sich dieser Zuwachs bis Ende des Jahres halten lassen?

Stackmann: Ich gehe davon aus, dass wir kein Wachstum verlieren werden. Derzeit liegen wir rund 30.000 Einheiten über dem Vorjahr und das sollte in etwa zu halten sein, denn unsere Verkäufe zeigen eine gute Dynamik.

Autogazette: Wie nachhaltig ist Ihr Wachstum, wenn es vor allem von den Absatzzahlen des deutschen Marktes getragen wird?

Stackmann: Es ist ein nachhaltiges Wachstum, da wir nicht nur in Deutschland wachsen. Für viele mag das hohe Wachstum in Deutschland überraschend kommen, ist es aber nicht. Denn dahinter steht eine Strategie. Zusammen mit dem Team von Manfred Kantner, das eine tolle Arbeit leistet, stehen wir täglich im Austausch, wie wir die Marke weiter nach vorne bringen können. Wir haben eine Begeisterung im Händlernetz, wie es sie lange nicht mehr gegeben hat. Das sieht man auch daran, dass die Marke nicht nur in einigen Teilsegmenten wächst, sondern über fast alle Modelle hinweg.

«Dieser Erfolg ist nicht teuer erkauft»

Der Kleinstwagen Seat Mii.
Der Seat Mii Seat

Autogazette: Wie teuer erkauft ist dieser Erfolg in Deutschland denn mit Rabatten?

Stackmann: Dieser Erfolg ist nicht teuer erkauft, denn wir wachsen nicht nur beim Volumen, sondern auch beim Ertrag. Doch natürlich bewegen auch wir uns in Deutschland, wie auch in ganz Europa, in einem Umfeld, das nicht ertragsschonend ist.

Autogazette: Wird sich der Preiskampf unter den Herstellern auch im kommenden Jahr fortsetzen?

Stackmann: Der europäische Markt liegt am Boden, er ist auf einem 25-Jahre-Tiefststand. Es gibt mehr Angebot als Nachfrage, entsprechend wird sich der Preiskampf fortsetzen. Ich sehe zwar keine Erleichterung, aber auch keine Zuspitzung mit Blick auf die Rabatte.

Autogazette: Welche Rolle spielt der chinesische Markt für Ihre Wachstumsziele? Bei Ihrem Vorgänger genoss das Thema noch hohe Priorität.

Stackmann: Es gibt seit zwei Jahren einen Testlauf in China, wo wir zurzeit mit zehn Handelspartnern zusammen arbeiten. Wir haben in dieser Zeit gelernt, wie der Markt funktioniert.

Autogazette: Und was haben Sie gelernt?

Stackmann: Marken, die nicht in China produzieren, haben es generell schwer. Wir arbeiten an einer Strategie. Klar ist jetzt schon: ein reines Import-Geschäft wird für uns so nicht funktionieren. Aber unser Markenprofil spricht die chinesische Klientel an. Denn der Durchschnitts-Chinese, der ein Auto kauft, ist 25 Jahre alt. Das spricht für uns. 

«Wir wachsen außereuropäisch etwas schneller»

Der Seat Alhambra Seat

Autogazette: Aber der Mutterkonzern verfügt über Werke...

Stackmann: ...die alle bereits sehr gut ausgelastet sind. Entsprechend genießt China mit Blick auf unseren Wachstumskurs keine Priorität. Wir wollen auf anderen Märkten wachsen, vor allem in Europa.

Autogazette: Im Vorjahr wurden 18 Prozent des Gesamtabsatzes von Seat außerhalb des Kontinents abgesetzt. Wird sich diese Internationalisierung fortsetzen?

Stackmann: Ohne Frage spielt die weitere Internationalisierung für uns eine Rolle. Wir wachsen derzeit außereuropäisch etwas schneller als innereuropäisch. Von daher könnten wir in diesem Jahr auf einen Absatz von 20 Prozent kommen, der außerhalb Europas erzielt wird.

Autogazette: Welche Märkte stehen bei Ihnen besonders im Fokus?

Stackmann: Algerien ist für uns bereits der sechsgrößte Markt, zugleich der größte Einzelmarkt in Afrika. Wir wollen in Europa zudem weiter in Deutschland, in Frankreich, Italien und Österreich wachsen. Daneben ist es für uns auch wichtig, den osteuropäischen Markt für uns zu erschließen, auf dem wir noch recht unbekannt sind. Mit unserer Produktpalette fällt es uns leichter, hier in Europa zu wachsen, als in der Ferne eine neue Vertriebsstruktur aufzubauen. Doch Sie sehen, es gibt für uns genug Wachstumspotenziale, um die Marke weiter nach vorn zu bringen.

«Marke schnell in die schwarzen Zahlen führen»

Das Heck des Seat Leon SC FR.
Der Seat Leon SC Seat

Autogazette: Die Verkaufszahlen von SUVs wachsen, doch Seat hat bisher kein entsprechendes Modell anzubieten. Wann schließen Sie diese Lücke?

Strackmann: Wir machen uns natürlich Gedanken darüber, einen SUV auf den Markt zu bringen. Doch entschieden ist hier noch nichts.

Autogazette: Hat man das Thema SUV schlichtweg verschlafen?

Stackmann: Keineswegs. Für uns gab es nur andere Prioritäten als einen SUV. Zudem muss man sich die Frage stellen, ob man ein solches Modell auch wirklich zu Wachstum führen kann, denn dafür bedarf es auch einer entsprechenden Vertriebsstruktur. Ich bin jetzt erst einmal froh, dass wir unsere Konzentration auf weiteres Wachstum mit der Leon-Familie legen können, insbesondere mit dem Kombi.

Autogazette: Seit dem Jahr 2009 hat Seat seinen Verlust von 391 Millionen Euro auf 134 Millionen Euro im Jahr 2012 reduziert. Wann sehen Sie die Marke wieder in der Profitabilität?

Stackmann: Hier wagen wir keine Prognose. Denn es hängt von einem stabilen Umfeld ab. Doch derzeit bewegen wir uns in einem von einer Krise geprägten Gesamtmarkt in Europa. Doch unser Ziel ist klar: Wir wollen die Marke so schnell wie möglich wieder in die schwarzen Zahlen führen.

Das Interview mit Jürgen Stackmann führte Frank Mertens