Seat Alhambra: Erste Generation mit vielen Mängeln

Der Seat Alhambra ist ein Platzriese. © Seat

Der Seat Alhambra ist ein ideales Fahrzeug für Familien. Doch wer sich für den Spanier als Gebrauchtwagen interessiert, sollte genauer hinschauen.

Ein Seat Alhambra kann richtig was wegstecken. Zumindest wenn es um die Anzahl der Passagiere oder Gepäck geht. Einige andere Nehmerqualitäten geben hingegen leichten Anlass zur Kritik. Gebrauchtwagen-Interessenten sollten jedenfalls ein paar Problemzonen des spanischen Riesen kritisch beäugen, damit das vermeintliche Schnäppchen später nicht teuer wird.


Was Platzangebot und Stauraum betrifft, ist der Alhambra eine Macht. Standardmäßig ist der Spanier ein vollwertiger Fünfsitzer, da seine Rückbank aus drei Einzelsitzen besteht. Die sind zudem umleg- und verschiebbar, anders als beim ersten Alhambra lassen sie sich aber nicht ausbauen. Dennoch bleibt Platz für 809 bis 2430 Liter Gepäck. Optional gibt es außerdem eine umklappbare Beifahrersitzlehne, was den Transport langer Gegenstände erleichtert.

Platz ohne Ende

Wer häufiger mit mehr als fünf Personen unterwegs ist, kann auch nach Versionen mit dritter Sitzreihe suchen, deren Kofferraum mit 267 bis 2.297 Liter allerdings etwas kleiner ausfällt. Dafür finden auf den Sitzen der dritten Reihe selbst erwachsene Passagiere ausreichend viel Platz. Ein weiterer Vorzug des Vans sind seine praktischen Schiebetüren, was ein Aussteigen in engen Parklücken erleichtert. Auf Wunsch lassen sie sich auch vom Fahrersitz aus elektrisch betätigen.

Rund 70 Prozent der gebraucht angebotenen Alhambra sind mit einem Dieselmotor ausgerüstet, der angesichts des 1,8 Tonnen schweren Fahrzeugs längsdynamisch und verbrauchstechnisch als eindeutig bessere Wahl erscheint. Im Lauf der fast neunjährigen Modellgeschichte wurden stets Zweiliter-Vieryzlinder-Aggregate in unterschiedlichen und gelegentlich sich ändernden Leistungsstufen angeboten. Heute können Gebrauchtkunden deshalb zwischen 115 PS, 140 PS, 150 PS, 170 PS, 177 PS und 184 PS wählen.

Überarbeitung 2016

Mit der Überarbeitung zum Modelljahr 2016 bekamen die zuvor stets noch nach Euro 5 zertifizierten Selbstzünder das Euro-6-Label. Wer einen Gebrauchten mit Euro-5-Triebwerk kaufen will, sollte den Händler oder Vorbesitzer fragen, ob die im Rahmen des Abgas-Skandals vorgesehenen Software-Updates oder andere Maßnahmen durchgeführt wurden. Wer möglichen Fahrverboten sicher aus dem Weg gehen will, kann auch zu einem der Turbo-Benziner greifen, die es mit 1,4 und 2,0 Litern Hubraum und 150 PS, 200 PS oder 220 PS gibt. Für die Kraftübertragung steht neben einem manuellen Sechsganggetriebe für alle Motoren bis auf den Basisdiesel auch ein Doppelkupplungsgetriebe zur Wahl. Allradantrieb gibt es für die Diesel mit 140, 150, 170 und 184 PS.

Bereits die Basis „Reference“ ist ordentlich bestückt. Neben den Einzelsitzen im Fond und den zwei Schiebetüren sind noch Klimaanlage, Fensterheber, Zentralverriegelung und CD-Radio an Bord. Wer Zusatzextras wie Klapptische an den Sitzlehnen, Dachreling, elektrische Heckklappe oder Laderaum-Fixiersets und Gepäcknetze will, sollte nach Ausstattungsversionen wie „Style“ oder Sondermodellen wie „4You“, „4Kids“ oder „Sun“ schauen. ESP und sieben Airbags sind übrigens bei jedem Alhambra an Bord, was unter anderem zum Fünf-Sterne-Ergebnis beim Euro-NCAP-Crashtest beigetragen hat.

Erste Generation mit Mängeln

Vor allem die erste Alhambra-Generation, damals gemeinsam mit Ford entwickelt, ist als Mängelriese berüchtigt. Auflage zwei ist besser, zeigt aber ebenfalls einige Mängelschwerpunkte. Vor allem das vom VW Passat übernommene Fahrwerk ächzt unter dem Gewicht des großen Familienautos. Bei den Hauptuntersuchungen sind Federbrüche, defekte Achsaufhängungen und verschlissene Bremsscheiben relativ oft ein Thema. Das sind zwar übliche Van-Probleme, auch bei anderen Herstellern, aber dadurch nicht minder ärgerlich – und vor allem teuer. Die Mängelquote des Alhambra liegt bei den ersten Untersuchungen jedenfalls deutlich über dem Segmentdurchschnitt, was sich in Teilen auch durch eine durchschnittlich höhere Laufleistung dieses Typs erklären lässt. Besonderes Augenmerk bei Fahrzeugen aus zweiter Hand muss deshalb dem Zustand von Achsen und Bremsen gelten. Neben defekten Klimaanlagenkompressoren werden zudem gelegentlich auch Roststellen moniert.

Fazit: Das Angebot an gebrauchten Alhambra ist in Deutschland üppig, das Preisniveau allerdings auch. Für Exemplare mit weniger als 100.000 Kilometer Laufleistung werden meist noch über 20.000 Euro aufgerufen. Damit das Familienkonto nicht weiter strapaziert wird, sollten vor dem Gebrauchtkauf seine Problemzonen im Fahrwerksbereich besonders genau untersucht werden. Im Zweifel bewahrt ein Check in der Werkstatt vor bösen und kostspieligen Überraschungen. In Sachen Alltagsnutzen und Ambiente ist der große Seat hingegen über alle Zweifel erhaben. (SP-X)

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