Scooter: Auf drei Rädern am Stau vorbei

Der Piaggio MP3 300 hpe soll (fahr)aktivere Menschen auf die Seite der Neigetechnik-Scooter ziehen. © David Pell/Piaggio

Manch einer mag schon mit dem Umstieg auf einen Scooter geliebäugelt haben. Doch dann wurde der Gedanke verworfen, weil man doch nicht auf zwei Rädern unterwegs sein wollte. Doch es gibt Alternativen.

Seit vielen Jahren versuchen Rollhersteller, von Staus geplagte Autofahrer in Deutschland für den Umstieg auf einen Scooter zu begeistern. Helfen sollen dabei in besonderer Weise dreirädrige Modelle, die man dank ihrer breiten Vorderachse auch mit Führerschein Klasse B, also dem Pkw-Führerschein fahren darf.


Darüber hinaus verspricht diese Gattung dank aufwendiger Fahrwerkstechnik zugleich sicheren Kurvenspaß. Mittlerweile stehen einige Modelle in verschiedenen Preis- und Leistungsklassen zur Wahl.

Piaggio MP3 als Urvater der Dreierband

Urvater dieser illustren Dreiradbande ist ein Italiener: MP3 heißt der bereits 2006 erstmalig angebotene Roller von Piaggio. Einst ist er als 125er angetreten, zwischenzeitlich sogar mit Hybridantrieb. Über Jahre ist der MP3 gereift und vor allem stärker geworden. Mittlerweile gibt es ihn als 300er und 500er mit einer Leitungsspanne von 26 PS bis maximal 44 PS. Die Preise variieren zwischen knapp über 7000 bis etwas oberhalb von 11.000 Euro.

Technisch haben die Modelle einige Höhepunkte wie etwa neuerdings einen Rückwärtsgang für das 275 Kilogramm schwere Topmodell 500 hpe Sport Advanced zu bieten. Seinem Kern, dem besonderen Fahrvergnügen dank der drei Räder, ist er unverändert treu geblieben. Entsprechend ist es nach wie vor ein großes Vergnügen, in kräftiger Schräglage mit einem MP3 um Ecken zu wetzen, vor denen die Fahrer von Einspur-Rollern Manschetten haben.

Quadro QV3 mir MP3 verwandt

Ganz ähnlich sieht das bei dem entfernt mit dem MP3 verwandten QV3 der Schweizer Marke Quadro Vehicles aus. Hinter Quadro steckt der Zweiradtechnik-Zulieferer Marabese Design, der einst an der Entwicklung der Parallelogramm-Aufhängung der Vorderachse des ersten MP3 beteiligt war. Für die Quadro-Dreiräder hat Marabese später ein technisch feineres, hydraulisches Pendant zum MP3-System weiterentwickelt und sich mit dem taiwanesischen Rollerhersteller Aeon zusammengetan, um 2012 zunächst das Modell 350D auf den Markt zu bringen.

Mittlerweile heißt der Dreirad-Scooter QV3. Der mit 220 Kilogramm leichteste Vertreter in seiner Hubraumklasse wird von einem 29 PS starken Einzylinder angetrieben. Auch ihn zeichnet ein agiles wie stabiles Verhalten in Kurven aus, welches selbst bei Schräglagen von 40 Grad noch sichere Haftung garantiert, da die Hydraulik die Räder auf die Straße presst. Clever: Beim Ampelstopp bleibt der QV3 aufrecht stehen, selbst wenn der Fahrer seine Füße auf den Trittbrettern belässt. Derzeit kostet das Dreirad von Quadro rund 7.000 statt sonst 7.600 Euro.

Metropolis, der Klassiker

Ein weiterer Klassiker der Dreirad-Szene ist der Metropolis des mittlerweile zu Mahindra gehörenden Zweiradherstellers Peugeot Motorcycles. Der rund 260 Kilogramm schwere „Franzose“ wird von einem Einzylinder mit 400 Kubikzentimeter Hubraum und 36 PS angetrieben. Wie seine ähnlich starken Mitbewerber ist auch der Metropolis mit 135 km/h Topspeed absolut autobahntauglich. Wie ein moderner Pkw strotzt der Peugeot-Scooter zudem vor innovativen Ausstattungsdetails, die vom schlüssellosen Smart Key über eine elektrisch betätigte Feststellbremse bis zum kompletten Cockpit mit Reifendruckkontrollsystem reichen. Wie seine Mitbewerber zeichnet auch ihn ein hohes Maß an Agilität aus, was sich Peugeot mit mindestens 9.700 Euro allerdings auch ordentlich bezahlen lässt.

Ein noch junger Herausforderer dieser drei Europäer ist der aus Japan stammende Tricity, den Yamaha 2014 in einer vergleichsweise bescheidenen 125er-Version ins Rennen geschickt hat. Roller und Motor wurden 2017 überarbeitet und die Leistung auf 12,2 PS angehoben, was zumindest im Stadtverkehr souveränes Mitschwimmen erlaubt.

Dreiräder auch elektrisch

Wendig und fahrstabil: der neue Dreirad-Roller Tricity 300 von Yamaha. Foto: Yamaha

Zumal der Tricity 125 mit knapp über 160 Kilogramm ziemlich leicht ist. Zudem ist er mit einem Preis von rund 4.750 Euro relativ günstig. Die Neigetechnik ist clever, allerdings bietet der kleine Tricity im Gegensatz zu seinen zuvor genannten Mitbewerbern keine Fahrwerksarretierung, weshalb der Fahrer beim Ampelstopp noch wie bei Einspur-Rollern klassisch die Füße auf den Boden setzen muss. Wesentlich erwachsener, stärker und komfortabler ist der gänzlich neue Tricity 300. Neben 28 PS Motorleistung bietet er außerdem noch ein Standing-Assist-System, weshalb man hier im Gegensatz zum 125er-Bruder die Füße auf dem Trittbrett lassen kann. Clever-Technik und gehobenes Leistungsniveau haben auch bei Yamaha ihren Preis: 8.400 Euro kostet der ab Juli verfügbare, große Tricity.

Anders als die zuvor genannten Vertreter mit Verbrennungsmotor, werden die Dreirad-Roller iTank und iTango des chinesischen Herstellers Doohan rein elektrisch angetrieben. Dank Neigetechnik sollen die Stromer ein ähnliches Schräglagengefühl wie klassische Zweiräder erlauben, mit allerdings erhöhter Stabilität und kurzen Bremswegen dank der drei Bremsen. Einstiegsmodell ist der iTango, den es in 25-km/h- und 45-km/h-Versionen gibt.

In beiden Fällen sind die Roller mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet, die Reichweiten von bis zu 70 Kilometer erlauben. Bessere Fahrleistungen ermöglicht der iTank, der in einer auf 45 km/h beschränkten Variante sowie in Kombination mit einer 5,7 PS starken Bosch-Maschine 70 km/h erreicht. Rund 4.000 Euro kostet die Topversion des iTank, 1000 Euro günstiger ist die 45-km/h-Version. Diese werden teilweise schon für rund 2000 Euro angeboten. Einige Discounter vertreiben den iTango auch als eGo2. (SP-X)

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