Stockend unterwegs in die Elektromobilität

Fehlende Lade-Infrastruktur

Auch die Ladeinfrastruktur für E-Autos muss sich verbessern.
Es gibt auch Alternativen für die Elektromobilität © dpa

Die Bundesregierung träumt weiter von einem Million Elektroautos bis 2020. Doch die Realität sieht anders aus. So gibt es bundesweit gerade einmal 3000 Stromtankstellen. Viel zu wenig, wie Kritiker sagen.

Deutschland ist bei der Elektromobilität noch weit von einst gesetzten Zielen entfernt. Ein Problem ist dabei die Infrastruktur. Weniger als 3000 Stromtankstellen gab es zu Jahresbeginn in Deutschland, das ist aus Sicht von Kritikern viel zu wenig, um angesichts der noch geringen Reichweiten der Elektro-Autos ohne Angst vor einem Liegenbleiben längere Strecken zu fahren.

Eigentlich sollten Anfang 2015 schon 100 000 E-Autos auf deutschen Straßen rollen. Zu Jahresbeginn waren allerdings nur knapp 19 000 reine Elektroautos zugelassen. Im Vergleich zum Vorjahr war das immerhin ein Plus von 56 Prozent. Und 2014 und 2015 kamen und kommen viele renommierte Hersteller mit neuen Modellen auf den Markt: Vom vielzitierten Luxus-Tesla, Porsche, BMW und Mercedes bis zu Fahrzeugen, die eher auf Normalverdiener zielen etwa von VW, Ford oder Kia.

Millionen-Investitionen in Lade-Technik

Das macht den Stromversorgern neue Hoffnung, die - bisher meist mit wenig Ertrag - schon viele Millionen Euro in die Technik für ein Ladenetz gesteckt haben. Vor allem größere Anlagen für Dienstwagenflotten, Parkhäuser oder große Parkplätze etwa von Supermärkten bieten Chancen - wenn die Versorger nicht nur die Stromtankstellen bauen und warten, sondern als Dienstleister auch die Abrechnung mit ihren rechtlichen und steuerlichen Klippen übernehmen, sagt der Energierechtsspezialist Christian de Wyl, der bundesweit Stadtwerke berät.

«Die Zulassungszahlen werden schon 2015 deutlich steigen und disruptiv hochspringen, sobald die Batterien preiswerter werden», sagt der Chef von RWE Effizienz, Norbert Verweyen. Derzeit verbilligten sich moderne Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos im globalen Einkauf jeden Monat um ein Prozent.

RWE ist mit gut 2500 Elektro-Ladepunkten in Deutschland Marktführer im Ausbau des Netzes. Verweyen nimmt auch an der nationalen Konferenz zur Elektromobilität mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 15./16. Juni in Berlin teil.

RWE erhält Zuschlag von Aldi

Eine Million E-Autos bis 2020 will die Regierung. dpa

Der Essener Stromkonzern hat vom Discounter Aldi Süd den Zuschlag bekommen, knapp 50 Filialen von Düsseldorf bis München mit Stromtankstellen auszurüsten - Schnellladestationen, die Buchsen für alle derzeit gängigen Steckertypen bieten und in den 30 Minuten für einen üblichen Discounterbesuch immerhin eine Stromzuladung für 80 Kilometer Reichweite erlauben. Die Kunden zahlen dabei keinen Cent und der Strom kommt ohne Zusatzlast für das Netz von der eigenen Solaranlage der Filiale.

Ob das Ziel der Bundesregierung von einer Million Elektro-Fahrzeugen bis 2020 erreichbar ist, wagt auch Optimist Verweyen nicht zu prognostizieren. Aber das Firmenkundengeschäft nimmt Fahrt auf: Rund 180 Stromladepunkte hat RWE schon für die Daimler-Standorte in Stuttgart errichtet, 160 Ladepunkte beim Chemiekonzern BASF und 130 für VW. Beim Aufbau des öffentlichen E-Tankstellennetzes hakt es dagegen bisher noch an vielen Stellen, wie der Duisburger Autospezialist Prof. Ferdinand Dudenhöffer betont: Das Netz ist viel zu dünn und vor allem in den Wohngebieten fehlen Stromtankstellen. Benzintankstellen gibt es bundesweit mehr als 14 000.

Schnellladeanlagen für Durchreisende werden bisher kaum angeboten. Viele Stationen versorgen nicht alle drei Steckertypen der Industrie, «Typ 2», «CCS» und «Chademo» aus Japan - wer die falsche Ladestation erwischt, bleibt liegen. Und die Abrechnung ist schwierig, weil Ladekarten oft von den regionalen Stromanbietern stammen und schon an der nächsten Säule nicht mehr akzeptiert werden. Dudenhöffer fordert - wie viele Kritiker - staatliche Programme, um den Ausbau des Netzes wesentlich zu beschleunigen.

Engere Bindung zu Kunden

Vom zusätzlichen Stromabsatz wird man beim Aufbau der Ladesysteme bisher nicht reich, sagt auch Verweyen. Aber die Stromkonzerne erhoffen sich eine engere Bindung zu Kommunen und Geschäftskunden, die Ladesäulen anbieten wollen, und zu privaten Endkunden. Wer privat ein Ladegerät für sein E-Auto in der Garage kauft, könnte sich auch eine Fotovoltaikanlage zur Stromerzeugung aufs Dach und eine Speicherbatterie in den Keller stellen und eine Regelungsanlage dazunehmen, die Strom im jeweils günstigsten Moment kauft, produziert und einspeist, hofft die Branche.

Der RWE-Konkurrent EnBW, der mit etwa 750 Ladepunkten vor allem in Baden-Württemberg im Geschäft ist, sieht die Technik deshalb als Investition in die Zukunft. «Im Moment verdienen Sie damit kein Geld», sagt ein Sprecher. «Das ist alles noch in der Aufbauphase. Aber wer sich jetzt engagiert, kann später mitspielen.» (dpa)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur gelernt. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.