Renault R12: Europäer für die Welt

Der Renault 12, hier als Sportversion Gordini, markierte eine neue Ära. © Renault

Der Renault R12 wurde als erstes europäisches Weltauto konzipiert. Mittlerweile hat es alle fünf Kontinente erobert. Ob Dacia, Ford, Fasa oder Gordini, die Erfolgsstory trug dabei viele Namen.

Als erster für alle fünf Kontinente konzipierter Renault wagte der R12 vor 50 Jahren, was sich bis dahin kein Europäer zutraute: Mit moderner Technik und frecher Formensprache aufstrebende Märkte zu erobern. Die 4,34 Meter lange Limousine stand bei den Franzosen zugleich für den Beginn einer neuen Ära. Der 1,3-Liter-Vierzylinder mit Frontantrieb schickte die Heckmotor-Veteranen R8 und R10 in den Ruhestand.


Zudem revitalisierte der R12 Break die für Frankreich so typische Karosserieform des klassischen Familienkombis, die es bei Renault zehn Jahre lang nicht gegeben hatte.

Fundament für modernes Weltauto

Im Herbst 1971 kam die Kombi-Version Renault 12 Break hinzu. Foto: Renault

Vor allem jedoch legte der fast vier Jahrzehnte lang gebaute Renault 12 das Fundament für die spätere Renault-Tochter Dacia und das moderne Weltauto im Multi-Marken-Branding. Sogar Ford bediente sich in Südamerika der R12-Architektur. Und auch auf australischen Wüstenpisten oder afrikanischen Rüttelstrecken bewährte sich die robuste wie zukunftsgewandte Frontantriebskonstruktion besser als die meisten etablierten Modelle mit Hinterradantrieb.

Neben dem innovativen Frontantrieb kamen zugunsten niedriger Produktionskosten Schraubenfedern an allen vier Rädern und eine hintere Starrachse zum Einsatz. Für Renault war es das richtige Technikpaket, um sich gegen den härtesten globalen Rivalen, den Fiat 124 mit Hinterradantrieb, durchzusetzen.

Renault baut rumänisches Volksauto

In den Verhandlungen mit der Sowjetunion über den künftigen Lada hatte zwar noch Fiat die Nase vorn. Beim Vertragsabschluss mit dem rumänischen Staatsführer Nicolae Ceausescu um ein Volksauto setzte sich dann aber Renault durch. Die neu gegründete Marke Dacia – frei nach dem in der Römerzeit Dakien genannte Rumänien – startete 1969 mit dem Renault 12. Bis 2006 entstanden rund 2,3 Millionen Einheiten des Franzosen, darunter auch ganz eigenständige Karosserievarianten wie Pick-ups, Coupés und fünftürige Schräghecklimousinen.

In Westeuropa trat der Renault 12 als preiswerte Alternative zu etablierten Deutschen wie Audi 60 und VW 1600 an. Aber auch in der Mittelklasse der 1970er Jahre nahm er es mit Modellen wie dem Citroen GS, Ford Taunus/Cortina oder Opel Ascona auf.

Fachpresse lobt den flotten Franzosen

Auch der Dacia basierte auf dem R12. Foto: Dacia

Die deutsche Fachpresse war voll des Lobes über den gut ausgestatteten, sorgfältig verarbeiteten und flotten Franzosen. Dank aerodynamisch günstiger Form genügten dem 880 Kilogramm leichten Fünfsitzer 54 PS für die Höchstgeschwindigkeit von 142 km/h. Das Sportcoupé Ford Capri mit vergleichbarer Motorisierung kam nur auf 133 km/h.

Fürs sportliche Image schob Renault Ende 1970 den R12 Gordini nach, der mit dem 1,6-Liter-Vierzylinder aus dem Renault 16 und dank zweier Weber-Doppelvergaser bis 115 PS Leistung freisetzte. Genug Kraft für Tempo 185 und damit Attacken gegen VW-Porsche 914, BMW 2002 oder das Sechszylinder-Establishment.

Rallyestreifen statt Stoßstangen

Frech genug gekleidet für Provokationen war der Renault 12 Gordini allemal, trug er doch statt konventioneller Stoßstangen lieber seitliche Rallyestreifen. Auch einen Konkurrenten für Ford Capri und Opel Manta gab es auf Basis des Renault 12. Gekleidet in extravagante Couture fuhr das viersitzige Sportcoupé-Duo Renault 15/17 im Herbst 1971 an die Startlinie. Als der Renault 12 Gordini Ende 1974 aus dem Modellprogramm gestrichen wurde, übernahm der 108 PS starke Renault 17 Gordini dann die Funktion des Leistungsträgers.

1969 konnte der französische Staatskonzern in Deutschland immerhin 7,5 Prozent Marktanteil und damit erstmals Platz vier hinter VW, Opel und Ford erringen. Auch in der DDR war der Renault 12 bald begehrt – unter dem Dacia-Label. Regelmäßige kleine Facelifts hielten den Renault 12 über elf Jahre und vier Millionen Einheiten frisch. Erst danach musste der Dauerläufer in Westeuropa dem Renault 18 weichen. (SP-X)

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