Renault EZ-GO: Robo-Taxi lädt zum Kaffeekränzchen

Premiere in Genf

Die Studie EZ-Go. Foto: Renault
Lounge-Atmosphäre im Renault EZ-Go. © Renault

Renault lässt in Genf vorfahren. Die Studie EZ-GO bietet Platz in einer Lounge Platz für sechs Personen, die automatisiert von A nach B gebracht werden.

Alle wollen alt werden, aber niemand will alt sein. Das ist so eine paradoxe Entwicklung, mit der sich Christian Ledoux herumschlagen muss. Denn als Chef der Mobility-Dienste von Renault soll er Angebote entwickeln, die zu solchen Entwicklungen passen. Also etwa Autos für Nicht-mehr-ganz-so-Frische, in denen diese sich jung, modern und gut aufgehoben fühlen. Eine Lösung heißt EZ-GO.


Das Concept-Car zeigt der französische Konzern auf der Automesse in Genf. Es soll eine Antwort sein auf die Tatsache, dass die Städte der Welt immer größer und dichter besiedelt werden. „Aber ganz unterschiedlich: In Japan oder Europa wird die Durchschnittsbevölkerung immer älter, in Afrika oder Asien gibt es immer mehr Jüngere, die sich kein eigenes Auto leisten können”, so Ledoux. Urbanen Lifestyle, sinnvoll genutzte Reisezeit und die neueste Technik wollen aber alle. Ob in der coolen Lounge oder im knuffigen Kaffeekränzchen.

Renault EZ-GO ohne Lenkrad und Pedalerie

Der EZ-GO bietet darum auf 5,20 Metern Länge von beidem etwas: Eintreten lässt sich in das elektrisch angetriebene Fahrzeug ohne Lenkung, Bremspedale oder Fahrer ganz bequem von vorn. Dazu schwingt die Glaskanzel des 1,60 Meter hohen Autos so weit nach oben, dass auch 1,80 Meter große Passagiere bequem aufrecht hineingehen können. Rollator, Kinderwagen oder Rollstuhl fahren ebenso komfortabel über eine ausfahrbare Rampe in das holzbeplankte Robo-Taxi.

„Wir wollen das autonome Auto demokratisieren”, sagt Ledoux dazu – und meint wohl auch: neue ZIelgruppen erschließen, die bisher eher nicht am Individualverkehr teilnehmen. Etwa, weil sie das aus Altersgründen oder wegen einer Behinderung nicht mehr können. Der andere Zuschnitt des Wagens erlaubt es auch, den Innenraum so radikal zu verändern wie noch kein ähnliches automobiles Konzept. Im EZ-GO betritt der Reisende zwischen den 3,80 Metern Radstand eine U-förmige Sitzgruppe mit Platz für mindestens sechs Personen, die sich mit maximal 50 km/h dank Allradlenkung ziemlich wendig durch die Stadt kutschieren lassen können. Dabei schauen sich die Passagiere plauderfreundlich an – oder durch die raumhohen Fensterfronten nach draußen oder oben. Bei zu viel Sonne dunkelt sich das Glasdach aber von selbst ab.

Renault EZ-GO als zweites Wohnzimmer

Der Innenraum des EZ-Go. Foto: Renault
Mindestens sechs Personen finden im Renault EZ-GO Platz. Foto: Renault

Stephane Janin, Chefentwickler der Concept-Cars bei Renault, sieht in diesem Design eine Zukunftschance für das Auto. „Es passt damit in das Ökosystem der modernen Menschen – sie wollen ein zweites Wohnzimmer; mit dem Sofa am Panoramafenster.” Befreit von den Fahraufgaben, wollen sie nicht nur wie bisher ein Taxi bestellen, in dem sie auf dem Rücksitz mehr oder minder sinnlos dem Ziel entgegendämmern. Das Fahrzeug selbst soll zum aktiven Lebensraum werden.

Und das ist im EZ-GO kein Futurologen-Blabla. Nicht nur die Anordnung der Sitze zeigt das. Gepäck oder Einkäufe lassen sich unter den Sitzen verstauen, so dass der Kommunikation im wahren Wortsinn nichts im Wege steht. Auf einem großen LCD-Bildschirm in Fahrtrichtung werden nach Bedarf Navigationsdaten, Sehenswürdigkeiten oder auch mal ein Film angezeigt. Der Passagier kann das über eine passende App auf seinem Smartphone mitbestimmen.

Das schlaue Handy ist überhaupt die zentrale Bedieneinheit für den mattsilbernen Keil. Per App kann der Reisende seinen EZ-GO nach Hause bestellen. Oder vielmehr Yannick, Isa oder Per … die einzelne Fahrzeuge haben nämlich Namen. Jedem EZ-GO-Nutzer sein persönlicher Chauffeur sozusagen.

Start für Renault EZ-GO bis 2025

Auch für Rollstuhlfahrer geeignet. Foto: Renault
Leichter Ein- und Ausstieg beim Renault EZ-GO. Foto: Renault

Janins Handvoll Designer durften sich am Concept-Car austoben, weitgehend befreit von den Zwängen automobiler Serien-Regularien. Deswegen steht der 1,7 Tonnen schwere EZ-GO auch technisch auf ziemlich eigenen Füßen. Der Elektromotor hinter der silbernen Wartungsklappe im Heck treibt die vollverkleideten Hinterreifen an, die induktiv ladenden Batteriepacks – 300 Kilo schwer – werden bislang noch nirgends anders eingesetzt.

Und auch die Steuerung für das autonome Fahren ist neu: Radar-, Lidar-, Ultraschall-Sensoren und Kameras stecken in einem Technik-Keil, der bei der Fahrt aus einer Finne am Heck des Fahrzeugs nach oben fährt. Da die Karosse wie ein umgedrehter Diamant zu allen Seiten nach unten abfällt, lässt sich aus dieser einzigen Zentrale für den Lidar-Sensor per Laser das ganze Auto überwachen und steuern. Das könnte Schule machen, wenn Renault sein Robo-Car in der ersten Hälfte des kommenden Jahrzehnts im Straßenbetrieb einsetzt.

Wo der EZ-GO dagegen noch weit von der Serie entfernt ist? Da sind zum Beispiel die verspielten, scharf geschnittenen Rücklicht-Elemente im zerklüfteten Heck. Keine Behörde würde aus Gründen der Crashsicherheit wohl so ein Design zulassen. Und auch, ob Sitzbänke mit reinen Zweipunktgurten die Gnade der Zulassungsbeamten weltweit finden, scheint fraglich. Seitenaufprallschutz? Da sieht es durch die großen Fenster auch nicht ganz sattelfest aus. Aber ein Concept-Car soll ja eben ein Konzept sein. Renaults EZ-GO beweist vor allem: Das Auto hat noch Zukunftschancen. (SP-X)