Ex-Porsche-Chef Wiedeking wird 60: «No risk, no fun»

Feier in Österreich

Der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking
Der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking © dpa

Wer an Wendelin Wiedeking denkt, denkt auch an die gescheiterte VW-Übernahme und die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.. Am Dienstag feiert der Ex-Porsche-Chef seinen 60. Geburtstag.

Als er zuletzt einen runden Geburtstag feierte, galt Wendelin Wiedeking als einer der erfolgreichsten Autobosse der Republik. Nun wird der frühere Porsche-Chef 60 Jahre alt - und beschäftigt sich mit Schuhen, Häusern und Pharma. In zehn Jahren hat sich für den früheren Manager der Sportwagenschmiede einiges verändert: Die geplante Übernahme des wesentlich größeren VW-Konzerns scheiterte, Wiedeking musste als Porsche-Chef seinen Hut nehmen und kurz darauf ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen ihn - das tut sie bis heute. Ist einem da überhaupt nach Schaumwein und Torte?

Nach Alleinsein zumindest nicht. «Er hat auf jeden Fall Freunde und gute Bekannte eingeladen», verlautete aus dem Umfeld von Wiedeking. Statt zu Hause im schwäbischen Bietigheim bei Stuttgart zu bleiben, feiere er seinen Geburtstag (28. August) in Österreich. Auf der Gästeliste dürfte neben dem früheren Porsche-Sprecher Anton Hunger auch Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück stehen - beide sind Wiedeking auch nach dessen unfreiwilligem Abgang bei dem Autobauer freundschaftlich verbunden.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

An seinem 60. Geburtstag fällt Wiedekings Blick zurück allerdings auf ein Lebenswerk, an dem nun andere feilen. 17 Jahre lenkte er die Geschicke von Porsche, führte den damals angeschlagenen Autobauer wieder auf die Überholspur, griff nach der Macht bei Volkswagen - und verhob sich. Mittlerweile hat VW die Hausmacht bei den seit jeher eng verbandelten Partnern - und nicht umgekehrt Porsche, wie Wiedeking es geplant hatte.


Seit drei Jahren hat die Staatsanwaltschaft den früheren Manager unter anderem wegen des Verdachts der Marktmanipulation bei der schmutzigen Übernahmeschlacht im Visier. Wiedeking selbst äußert sich zu den Vorwürfen nicht. «Ich bin mit mir im Reinen», erklärte er einst dem «Stern». «Im Übrigen war es in meiner Lebensplanung ohnehin nicht vorgesehen, unbedingt bis 65 in einer abhängigen Managementfunktion zu sein.» Manager des Jahres war er ohnehin bereits mit 42 - dank seiner Arbeit bei Porsche. Dass er sich zum Geburtstag insgeheim doch wieder einen Spitzenposten wünscht, glauben zumindest Menschen aus seinem Umfeld nicht.

Wiedeking selbst sagte einst über sein Leben nach Porsche: «Ich bin mindestens genauso viel unterwegs wie in meiner früheren Tätigkeit.» Tatsächlich reicht die Liste seiner Aktivitäten von Beteiligungen an Schuhherstellern und PR-Agenturen bis hin zu Immobilienfirmen und Pharmakonzernen.

Höchstes Niveau der Hochnäsigkeit

Den Schatten von Porsche und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft kann er dennoch nicht ganz abschütteln: «Am Ende ist das immer eine Last», sagt einer, der ihn kennt. Wiedekings Freunde betonen stets, so viel habe er gar nicht falsch gemacht.

So wohlwollend sehen ihn aber nicht alle: Man dürfe ihm und dem früheren Porsche-Finanzchef Holger Härter zwar nicht die ganze Schuld an der gescheiterten VW-Übernahme zuweisen, räumte Porsche-Urenkel Peter Daniell Porsche jüngst im «Stern» ein. «Aber ich will schon sagen: Die Dicke ihrer Zigarren und das Ausmaß der Bankgeschäfte waren auf dem höchsten Niveau der Hochnäsigkeit und des jugendlichen Spieltriebes.»
An Wiedekings Lebensmotto «no risk, no fun» hat sich trotzdem nichts geändert, wie er in Interviews erklärte. Auch von Porsche ist er nie ganz losgekommen.

Aus seinem Umfeld heißt es, er fahre noch immer Cayenne und Panamera im Wechsel. Eines seiner liebsten Hobbys hat ebenfalls mit seinem früheren Konzern zu tun - wenn auch eher wenig mit schnellen Autos: Auf seinem Grundstück in Bietigheim baut Wiedeking Kartoffeln an und pflügt dafür selbst den Acker - mit einem alten Traktor von Porsche. (dpa)