Porsches langer Weg unter das Dach von VW

Kapitalerhöhung gebilligt

Porsches langer Weg unter das Dach von VW
VW-Chef Martin Winterkorn mit Porsche-Boss Matthias Müller © dpa

In der Produktion, im Einkauf und beim Vertrieb arbeiten Porsche und VW längst Hand in Hand. Bis der kleine Sportwagenhersteller auch offiziell ganz unter das Dach von Europas größtem Autobauer schlüpft, könnten den Chefs aber noch schlaflose Nächte ins Haus stehen.

Von Stefanie Koller und Bernd Glebe

Reißender Absatz, sprudelnde Gewinne und neue Autos in der Pipeline: Porsche fährt mit dem neuen Chef Matthias Müller am Steuer Vollgas. Doch Milliardenschulden, Steuersorgen und Schadenersatzforderungen drücken den Schwaben mächtig aufs Gemüt. Bis zur Verschmelzung mit VW müssen die Altlasten aus der Vergangenheit beseitigt sein und Lösungen für die neuen Probleme gefunden werden. Nächster wichtiger Schritt ist eine Kapitalerhöhung, die Porsche fünf Milliarden Euro in die Kasse spülen soll. dpa beantwortet die wichtigsten Fragen zur Zukunft des Sportwagenbauers:

Warum soll so viel Geld von den Aktionären eingesammelt werden?

Die Dachgesellschaft Porsche SE hatte im Zuge der geplatzten Übernahme von VW mehr als elf Milliarden Euro Schulden angehäuft. Ein erster großer Brocken wurde getilgt, indem VW sich für knapp vier Milliarden Euro mit 49,9 Prozent am operativen Geschäft der Stuttgarter beteiligt hat. Übrig geblieben sind noch sechs Milliarden Euro. Fünf Milliarden Euro soll die Kapitalerhöhung einbringen und auf diesem Weg Porsche nahezu entschulden.

Wer sind die Aktionäre?

Das Geld kommt je zur Hälfte von den Stamm- und den Vorzugsaktionären von Porsche. Die Familien Porsche und Piëch halten 90 Prozent der Stammaktien, die restlichen zehn Prozent das Emirat Katar. Ob die Familien die 2,5 Milliarden allein berappen, oder ob Katar sich ebenfalls beteiligt, war am Dienstagabend unklar. Die übrigen 2,5 Milliarden Euro stemmen die Vorzugsaktionäre. Das sind vor allem Investmentfonds und Banken, aber auch viele Privatanleger. Falls diese direkte Kapitalerhöhung in den nächsten Monaten doch noch scheitern sollte, haben die Aktionäre dem Porsche-SE-Vorstand ein Hintertürchen geöffnet. Im Notfall darf die Führungsriege zum Beispiel eine sogenannte Wandelanleihe ausgeben und so das Geld einsammeln.

Warum ist die Kapitalerhöhung auf dem Weg zur Verschmelzung so wichtig?

Mit den Banken hat Porsche vereinbart, dass eine erste Kredittranche über 2,5 Milliarden Euro bis Ende Juni 2011 zurückgezahlt wird. Sollte die direkte Kapitalerhöhung nicht rechtzeitig geschafft sein, gewähren die Banken Porsche bis zu vier Monate Aufschub. Außerdem soll mit der Entschuldung die Verschmelzung der Porsche SE mit der Volkswagen AG ermöglicht werden. Dafür muss nachgewiesen werden, dass die Porsche-Dachgesellschaft ein positives Nettovermögen nachweist. Die Porsche SE hält zwar neben der Mehrheit am Porsche-Autogeschäft (Porsche AG) nach wie vor 50,7 Prozent der Anteile an VW und damit einen großen Wert - dieser zählt bei der Rechnung aber nicht.

Welchen Zeitplan haben Porsche und VW für die Verschmelzung aufgestellt?

Die Kapitalerhöhung will Porsche-Finanzvorstand Hans-Dieter Pötsch bis Ende Mai über die Bühne gebracht haben, bei möglichen Klagen könnte sich die Frist bis Ende August verlängern. Auf außerordentlichen Hauptversammlungen in der zweiten Jahreshälfte 2011 sollen die Aktionäre der Porsche SE und der VW AG der Verschmelzung zustimmen. Porsche wäre dann wie Audi eine eigenständige Marke unter dem Dach des VW-Konzerns. Dieser Zeitplan könnte sich allerdings im Extremfall sogar um Jahre verzögern.

Wo lauern Gefahren?

Spannend wird es für die Stuttgarter Anfang 2011. Bis spätestens 17. Januar will ein Gericht in den USA entscheiden, ob es eine Klage auf mindestens zwei Milliarden Dollar (1,5 Mrd Euro) Schadenersatz zulässt. Mehrere Investoren fühlen sich von Porsche über den Tisch gezogen. Sollte es zu einem Verfahren kommen, das sich über Jahre hinzieht, würde es den Zeitplan zur Verschmelzung durcheinanderwirbeln. Grund: Die Risiken sind nicht bewertbar. So lange das so ist, wird es keine Verschmelzung geben. Porsche hat zwar für Anwaltskosten Geld zurückgelegt, nicht aber für eine mögliche Schadenersatzzahlung.

Welche Probleme sind sonst noch zu lösen?

Auch die steuerlichen Folgen der Verschmelzung sind nach Angaben von Pötsch derzeit noch nicht geklärt. Entscheidend ist demnach die Frage: Ist die Verschmelzung mit einem Verkauf des operativen Porsche-Geschäft gleichzusetzen? Wenn ja, rechnet Pötsch für eine Verschmelzung im Jahr 2011 mit Steuern in Höhe von ein bis zwei Milliarden Euro. Wenn nicht, wäre es steuerfrei. Im Gesetz ist das laut Pötsch nicht klar geregelt, er rechnet erst in den nächsten Monaten mit einem entsprechenden Erlass aus dem Bundesfinanzministerium. In jedem Fall steuerfrei wäre der Zusammenschluss den gesetzlichen Regeln zufolge aber ab 2014.

Gibt es einen Notfallplan?

Sollte die Verschmelzung an einem der Punkte scheitern, haben sich die Wolfsburger für den Notfall eine Alternative zurechtgelegt, um Porsche komplett in den Konzern zu integrieren. Sie können auch die restlichen 50,1 Prozent der Anteile am Porsche-Sportwagengeschäft übernehmen. Die Aufstockung wäre aber erst im Zeitraum zwischen dem 15. November 2012 und 31. Januar 2015 möglich. Hier würde Pötsch mit Steuern von mindestens einer Milliarde Euro rechnen. Steuerfrei wäre sie ab August 2014. (dpa)

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