Porsche 911: Ein Auto als Gesamtkunstwerk

Der Porsche 911 auf dem Highperformance-Shaker. © Porsche

Dieses Auto ist nicht irgendein Auto: es ist ein Porsche – und dann noch ein 911er. Also eine Sportwagen-Ikone. Das Auto, vor dem wir stehen, ist der neue 992.

Gerade wurde er auf der Los Angeles Motorshow erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Nun zeigte die VW-Tochter ihre Ikone am Hockenheimring und am Firmensitz in Zuffenhausen.


Das Ziel des zweitägigen Workshops ist klar: Porsche will zeigen, dass man hier nicht nur einen würdigen Nachfolger des 991 gebaut hat, sondern ab dem kommenden Jahr wieder den „besten Sportwagen der Welt“ auf die Reise zum Kunden schickt. „Der 911er ist nun einmal das Herz der Marke“, sagt Andreas Pröbstle, der Projektleiter Gesamtfahrzeug 911. Deshalb habe man sich beim 992 darauf konzentriert, „was ihn noch besser macht.“

Ein Aufwand, der immens ist

Ob der 992 nun noch besser als der Vorgänger ist, lässt sich nach einer Mitfahrt zwar erahnen, aber abschließend erst beantworten, wenn man den Neuen selbst gefahren ist. Doch auch wenn man seine Fahreindrücke bisher nur vom Beifahrersitz aus bei einigen Runden auf dem Hockenheimring an der Seite eines professionellen Testfahrers machen konnte, kann man so viel aber schon feststellen: auch der 992 ist wieder für alle Sportwagenfreunde ein Spaßbringer geworden.

Dazu gehört natürlich zunächst einmal der Antrieb, ein Sechszylinder-Boxermotor. Er leistet im neuen Modell Carrera S 450 PS – das sind 30 PS mehr als beim Vorgänger. Das maximale Drehmoment liegt bei 530 Newtonmetern. Hört sich gut an, fährt sich auch so: In 3,6 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, das sind 0,4 Sekunden weniger als beim Vorgänger. Doch das Maß der Dinge für einen Sportwagen ist nach wie vor die Rundenzeit auf der Nordschleife – und hier gab sich der Neue keine Blöße. Er umrundet sie in 7:25 Minuten. Das sind fünf Sekunden weniger als der 991. Ach ja, wen es interessiert: Der Verbrauch soll bei 8,9 Litern liegen. Die Kraft wird von einen neu entwickelten Achtgang-Automatik übertragen. Der Schalthebel wurde dabei indes zu einem kleinen Stummel deformiert. Das muss man mögen.

Vor 4,5 Zentimeter breitere Spur

Ansonsten ist der 992 vorn mit einer um 4,5 Zentimeter breiteren Spur unterwegs, was deutliche Auswirkungen auf seine Fahrdynamik hat. Sprich: die Traktion an den Vorderrädern ist spürbar noch besser geworden. Doch auch hinten hat der Neue zugelegt; hier sind es 4,4 Zentimeter. Das sieht man an seinem breiteren Heck – und das wird es nur noch zu sehen geben. Denn den 992 gibt es im Vergleich zum Vorgänger nur noch als Breitversion. Optisch sieht das jedenfalls ziemlich ansprechend aus.

Doch beim 911er spielt die Musik bekanntlich an der Hinterachse. Und da dem so ist, wurde die Motoraufhängung um 16,8 Zentimeter nach vorn und 11,3 Zentimeter weiter nach außen verlagert. Das führt dazu, dass es deutlich geringere Schwingungen des Motors gibt und in der Folge bei sportlicherer Fahrweise eine Verbesserung der Fahrzeugreaktionen gibt. Dass der 992 auf einer Mischbezollung (vorne 20 und hinten 21 Zoll) unterwegs ist, führt zu einer homogeneren Druckverteilung an der Reifenaufstandsfläche. Daneben führt die Kombination aus Fahrwerk und Reifen zu einem deutlichen Sicherheitsgewinn: so reduziert sich der Bremsweg bei Tempo 100 km/h um einen Metern. Bei Tempo 300 km/h sind es sogar zwölf Meter. Das kann darüber entscheiden, ob es zu einem Unfall kommt oder nicht.

Sicherheitsgewinn durch WET-Mode

Die Fahrwerksspezialisten haben zur Erhöhung der Fahrsicherheit dem 992 auch einen so genannten WET-Mode mit auf den Weg gegeben, der für ein noch sicherers Fahren bei nasser Fahrbahn sorgt. Ein Regensensor erkennt dabei den Nässegrad und sorgt dabei für eine Vorkonditionierung des Porsche Stability Management (PSM). Automatisch aktiviert sich der WET-Mode indes nicht. Das bleint dem Fahrer vorbehalten, der einen entsprechenden Warnhinweis erhält, den WET-Mode zu aktivieren.

Tut er es, passt sich unter anderem die Motorsteuerung, das Getriebe, das Allradsystem und das PSM an die nassen Straßenverhältnisse an. Dass das System ein deutliches Mehr an Fahrstabilität sorgt, konnte man auf einer Nassfläche abseits des Hockenheimringes erleben: Ohne eingeschalteten WET-Mode konnte das Fahrzeug nur durch die entsprechenden Lenkeingriffe des Fahrers in der Spur gehalten werden, mit WET-Mode war es signifikant fahrstabiler unterwegs.

Dass ein Auto, für das der wohlbetuchte Porsche-Fan mindestens 120.000 Euro auf den Tisch des Händlers legen muss, natürlich über besondere Qualitäten verfügt, ist selbst einem Laien klar. Doch warum ein Porsche 911 so viel kostet wie er letztlich kostet, liegt nicht an der Gesamtheit aller Maßnahmen, die die Schwaben treiben, damit ihr Aushängeschild den Anspruch des „besten Sportwagen der Welt“ erfüllt.

Finale Qualitätskontrolle

Dazu gehört ein Qualitätsmanagement mit einer Null-Fehler-Toleranz. Und dieses Qualitätsmanagement reicht von der Entwicklung über die Erprobung des neuen Modells bei Hitze im Death Valley oder Kälte in Finnland mit Temperaturunterschieden von bis zu 85 Grad bis hin zur Produktion und dem After-Sales. So wird beispielsweise die Karosserie in der Produktion an 3700 Messpunkten überprüft, ob es Abweichungen von der Norm gibt.

Doch Porsche vertraut dabei nicht nur auf Maschinen, sondern setzt bei der Qualitätskontrolle vor allem auf die Ressource Mensch. So überprüfen in der Auditabteilung im Werk in Zuffenhausen im Team von Michael Rometsch Kfz-Meister mit jahrelanger Erfahrung gerade vom Band gerollte neue Porsche-Modelle nach Fehlern. Während einer 65 Kilometer langen Testfahrt schauen die Experten nach Abweichungen von den hohen Qualitätsstandards.

Fehler, die man kaum sieht

Im Audi von Porsche: Die Tür ist nicht exakt montiert. Foto: Porsche

Bei dem silbernen Porsche 992, der in der Audiabteilung in Zuffenhausen steht, sind die Türen beispielsweise nicht perfekt verbaut. So verläuft die Kante des Türabschlusses nicht in einer Linie zum hinteren Karosserieteil. Was man als Laie nicht auf den ersten Blick erkennt, sehen Rometsch und seine Mitarbeiter sofort. „Ein Auto mit einem solchen Fehler kann nicht an den Kunden gehen. Hier müssen die Kollegen in der Produktion noch einmal ran“, sagte Rometsch.

Ähnlich sieht es mit dem kleinen Fehler im Spiegelglas aus Hier gibt es eine unsaubere Verklebung, die man aber erst mit dem richtigen Blickwinkel sieht. Kein gravierender Fehler, eher eine Kleinigkeit. Es ist aber ein Fehler, den das Qualitätsmanagement bei Porsche nicht akzeptiert. „Der Kunde erwartet bei einem hochpreisigen Produkt wie einem Porsche höchste Qualität“, sagt Frank Moser, Leiter Unternehmens-Qualität. Und die endet für Porsche nicht mit der Auslieferung des Fahrzeuges.

Dass sich dieser hoche Qualitätsanspruch auszahlt, zeigt auch der aktuelle TÜV-Report. Großer Gewinner ist der Porsche 911 mit den Modellreihen 991 und 997. Er siegte in allen Altersklassen, von den zwei- bis zu den dreijährigen Fahrzeugen. Dass ein Fahrzeug in allen Altersklassen so überzeugend abschneidet, hat es in der Geschichte des TÜV-Reports bislang noch nicht gegeben. Doch wer einmal erlebt hat, welchen Aufwand Porsche um den 911er treibt, dürfte davon nicht überrascht sein.

3 Kommentare

  1. Jaja, immer das Loblied auf den Neuen. Der 911wurde zu Grabe getragen seit VW Plattform, Downsizing und vor allem seit Einstellung des Saugers. Und zum Thema Qualität kann ich nur laut lachen: Mein 991 ist nun zum fünften Mal wegen dem gleichen Defekt im Porschezentrum. Der Service ist desaströs, einmal geht mein Fahrzeug „verloren“ und wird erst Tage später auf dem Gelände „wiedergefunden“ jedoch ohne mich zu fragen ob ich vielleicht wüsste wo es steht. Nun werde ich jedesmal wenn ich mein Fahrzeug wegen des selben Defektes am Kühlsystem bringe gefragt ob ich denn wieder im Regen gefahren sei. In Sachen Service und Qualität ist mein geliebter 911er das Schlußlicht im Fuhrpark.

  2. Endlich mal jemand der Klartext redet auch und vor allem bezüglich der Serviceleistungen im Vergleich zum Preis. Eine geniale Entwicklungsarbeit wird durch die Herren Betriebswirte ins Gegenteil gedreht. Habe versucht meinen 991 zu verkaufen, das einzige was ich als Antwort bekommen habe war die Angst vor irgendwelchen Schäden (bitte nur mit Porsche Approved) und das bei einem Auto mit 25.000 km.

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