«Umweltzone wird vielen Bürgern erst jetzt bewusst»

Bafa-Sprecher Volker Anders

Bafa-Sprecher Volker Anders © Foto: Bafa

Die Bundesregierung wird die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen mit Partikelfiltern weiter fördern. Im Interview mit der Autogazette sagt Bafa-Sprecher Volker Anders, warum diese Förderung bisher nur partiell angenommen wurde.

Bis zum letzten Mittwoch galt noch die Direktive, dass die Nachrüstung eines Dieselfahrzeugs mit einem Partikelfilter noch bis zum 31. Dezember mit 330 Euro gefördert werde. Nun aber wurde eine Verlängerung in Aussicht gestellt, die im kommenden Jahr beschlossen werden muss. Nachdem bisher erst 65.000 Autofahrer das seit 2006 bestehende Programm genutzt haben, glaubt Volker Anders, Sprecher vom auszahlenden Bundesamt für Wirtschaft- und Ausfuhrkontrolle (Bafa) mit einem Anstieg. „Den Bürgern wird teilweise erst jetzt klar, dass sie nur noch mit einer gelben/grünen Plakette in die Umweltzonen kommen“, sagte Anders der Autogazette.

«Rechne damit, dass das Programm gut angenommen wird»

Autogazette: Die Förderung für die Nachrüstung von Dieselpartikelfiltern ist vom Bundeskabinett verlängert worden. Rechnen Sie jetzt mit einem signifikanten Anstieg von Antragstellern?

Volker Anders: Die Bundesregierung will die Nachrüstung von Diesel-Pkw mit Partikelfiltern auch im nächsten Jahr fördern. Das ist im Haushaltentwurf für 2010 vorgesehen. Das Förderprogramm für das nächste Jahr kann erst nach Verkündung des Haushaltgesetzes 2010 starten. Ich rechne damit, dass das Programm gut angenommen wird.

Autogazette: Wieso erst jetzt?

Anders: Viele Städte verschärfen die Umweltzone. Den Bürgern wird teilweise erst jetzt klar, dass sie nur noch mit einer gelben/grünen Plakette in die Umweltzonen kommen.

Autogazette: Mit wie vielen Anträgen rechnen Sie?

Anders: Eine Prognose lässt sich hier nicht abgeben.

65.000 Anträge in drei Jahren

In manche Innenstädte kommt man nur noch mit grüner Plakette Foto: Tüv Süd

Autogazette: Wie viele Anträge sind bisher beim Amt eingegangen?

Anders: Bis zum 15. Dezember sind 65.000 Anträge eingegangen.

Autogazette: Das sind sehr wenige. Insgesamt konnten bis zu 200.000 Fahrzeuge gefördert werden, bevor die Frist verlängert wurde. Warum haben bisher nur so wenige Autofahrer den Antrag gestellt?

Anders: Das ist schwer zu sagen, da wir nicht wissen, wie viele Fahrzeuge schon seit 2006 aufgerüstet wurden und natürlich auch wie viele alte Dieselfahrzeuge im Zuge der Umweltprämie ausgetauscht wurden.

Autogazette: Die Umweltprämie hat aber dazu beigetragen, dass nun wenige Antragsteller die Dieselförderung in Anspruch nehmen?

Anders: Bei zwei Millionen verschrotteten Fahrzeugen ist davon auszugehen, dass viele alte Diesel darunter waren.

Warten auf die Verabschiedung

Autogazette: Was kostet eine Nachrüstung?

Anders: Je nach Werkstatt zwischen 600 und 800 Euro.

Autogazette: Ist den Interessenten die Summe von 330 Euro deshalb vielleicht zu wenig?

Anders: Nach den uns vorliegenden Rückmeldungen ist die Dieselpartikelfilterförderung durchaus interessant. Wer seinen alten Diesel auch zukünftig in den Umweltzonen fahren möchte, sollte sich jetzt für die Nachrüstung entscheiden.

Autogazette: Was müssen Autofahrer beachten, um die 330 Euro zu erhalten?

Anders: Noch gilt die alte Richtlinie, die vorschreibt, dass der Einbau bis zum 31. Dezember vonstatten gehen muss. Die Antragsteller haben die Möglichkeit, den Antrag bis zum 15. Februar den Antrag einreichen. Danach muss gewartet werden, bis das neue Förderprogramm verabschiedet wurde.

Autogazette: Was passiert eigentlich mit den nicht in Anspruch genommenen Fördergeldern?

Anders: Die nicht in Anspruch genommenen Fördergelder fließen in den Bundeshaushalt zurück.

Das Interview mit Volker Anders führte Thomas Flehmer