«Irre Resonanz» auf den Schrottplätzen

Autoverwerter sehen «Tsunami-Welle»

«Irre Resonanz» auf den Schrottplätzen
Hochkonjunktur für Autoverwertungen © Foto: dpa

Die Umweltprämie hat schon nach kurzer Zeit das Gewerbe der Recycler angekurbelt. Erstmals seit Jahren wird die Auslastung wieder zufriedenstellend sein.

Von Marco Hadem

Frühmorgens auf einem der größten Schrottplätze Deutschlands in Leverkusen: Mit lautem Krachen verwandelt eine 500- Tonnen-Presse einen alten Trabi in einen Schrottquader. Während die Presse mit roher Gewalt arbeitet, ist wenige Meter entfernt im Büro von Peter Bender Diplomatie gefragt. Denn seit die Bundesregierung die Abwrackprämie für Altautos aus dem Hut gezaubert hat, lässt das Telefon dem Geschäftsführer keine Ruhepausen mehr. Zumeist liegen nur Sekunden zwischen den Gesprächen, die alle nur ein Thema haben und schon jetzt erahnen lassen, welche Auswirkungen der 2500-Euro- Schrottbonus für die Branche haben wird.

Keine praxisnahe Planung

«Die Resonanz ist wirklich irre», sagt Bender. «Damit habe ich nicht gerechnet». Spricht es und muss schon wieder ans Telefon gehen. An der anderen Seite seiner Leitung sind zumeist Autohändler und Privatkunden, die wissen möchten, welche Auflagen man für die Schrottprämie erfüllen muss. Und genau an diesem Punkt sieht Bender trotz aller Euphorie auch Grund zur Kritik: «Ich hätte mir gewünscht, dass die Planung praxisnäher abgelaufen wäre. Viele Unklarheiten hätten so vermieden werden können.»

Mit dieser Ansicht ist er nicht alleine. Auch der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) sowie die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) fordern, die Abwrackprämie nachzubessern. «Um einen Missbrauch zu verhindern, sollte der für die Prämie notwendige Verwertungsnachweis des Autos nur von zertifizierten Betrieben ausgestellt werden», sagt BVSE- Sprecher Jörg Lacher. Zudem sei es dringend erforderlich, die Zulassungspapiere der Altautos einzuziehen. Ansonsten könnten schwarze Schafe leicht ein doppeltes Geschäft machen, indem sie die Wagen weiter ins Ausland verkaufen.

«Tropfen auf dem heißen Stein»

Bei allem Optimismus bewertet Peter Bender die Prämie für die Automobilindustrie nur als «Tropfen auf den heißen Stein». In Deutschland kommen rund 16 Millionen Autos für die Prämie infrage. Mit dem eingeplanten Etat kann aber nur die Verschrottung von 600.000 Autos finanziert werden. «Was passiert mit all denen, die ihr Auto jetzt verschrotten, auf ihre Neubestellung aber noch warten müssen? Bekommen die ihre Prämie auch dann noch, wenn der 1,5-Milliarden-Etat schon weg ist?» Und wer garantiert, dass die Altfahrzeuge bei den vielen nicht lizenzierten Betrieben auch umweltverträglich gelagert und verwertet werden?

Abgesehen von solchen Kritikpunkten kann sich die Abwrackprämie zumindest für die Demontagebetriebe finanziell als echter Glücksfall erweisen. 2008 hat das Leverkusener Unternehmen laut Bender rund 8500 Autos verschrottet. Für das laufende Jahr rechnet er mit bis zu 30.000 Fahrzeugen. «Ich habe für alle 45 Mitarbeiter eine Urlaubssperre verhängt», erklärt der Geschäftsmann. Außerdem müsse im Zweischichtbetrieb gearbeitet werden. «Anders können wir die Tsunami-Welle von Autos nicht bewältigen.» Auch Neueinstellungen sind ab sofort geplant: «Wir suchen händeringend Mitarbeiter.»

Zufriedenstellende Auslastung

Der BVSE geht davon aus, dass es nach der Verabschiedung der Prämie im Bundestag zu einem regen Andrang kommen wird, der aber deutlich unter den Erwartungen der Schrotthändler liegt: «Wir rechnen damit, dass bis zum Jahresende zwischen 100.000 und 200.000 Autos mehr als im Vorjahr in den Betrieben landen», sagt Lacher.

Zuletzt war die Zahl der Autos, die beim Recycler landeten, rückläufig. Aus der Sicht von BDSV-Geschäftsführer Ulrich Leunig wird sich durch die Prämie die bislang teils «dramatische Situation» bei einigen Demontagebetrieben in den Ballungszentren entspannen. «Der wachsende Export von Altautos ins Ausland und teure Investitionen in den Vorjahren haben viele Unternehmen hart getroffen», erklärt Leunig. «Wenn sich die Prognosen bestätigen, wird die Auslastung der Betriebe erstmals seit Jahren wieder zufriedenstellend sein.» (dpa)

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