ACE fordert Überholverbot für Lkw

Der ACE fordert ein Überholverbot für Lkw © Foto: dpa

Der Auto Club Europa spricht sich für ein Überholverbot für Lkw auf Autobahnen aus. Dadurch ließen sich schwere Unfälle reduzieren. Abgelehnt wird der Vorschlag vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung.

Kurz vor dem Beginn der Beratungen der Länderverkehrsminister an diesem Mittwoch in Wernigerode fordert der Auto Club Europa (ACE) ein Überholverbot für Lkw auf Autobahnen mit zweistreifigen Richtungsfahrbahnen.

Unfällen vorbeugen

Für den ACE ließen sich dadurch folgenschwere Unfälle besser verhüten und Staus wirksamer vermeiden, betonte der Club am Mittwoch in einer Pressemitteilung. Durch ein Überholverbot würde zudem der Verkehrsfluss verstetigt und damit die Wirtschaftlichkeit des Straßengüterverkehrs erhöht.

Abgelehnt wird der ACE-Vorschlag vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). «Wir haben nichts gegen ein Überholverbot zu Verkehrsspitzenzeiten. Doch ein generelles Überholverbot lehnen wir ab», sagte BGL-Hauptgeschäftsführer Karlheinz Schmidt am Mittwoch der Autogazette. Wie Schmidt hinzufügte, würde ein generelles Überholverbot nur dann Wirkung für den Verkehrsfluss zeigen, wenn zugleich Pkw auf der linken Seite nicht schneller als 120 km/h fahren dürften.

Nach ACE-Angaben würden zu den Befürwortern eines Lkw-Überholverbots bislang nur die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sowie der Freistaat Bayern gehören. «Das reicht noch nicht für die von vielen Verkehrssicherheitsexperten für notwendig erachtete Rechtsänderung», sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner am Mittwoch in Stuttgart.

«Fakten nicht zu bestreiten»

Wie Hillgärtner ausführte, würde jeder vierte Lkw-Unfall beim Überholen passieren. Bei jedem dritten Lkw-Unfall seien Schwerverletzte und Getötete zu beklagen. «Kein Verkehrspolitiker kann angesichts der Fakten ernsthaft bestreiten, dass es Handlungsbedarf gibt», sagte der ACE-Sprecher. Um ohne Gefahren überholen zu können, müsste man mindestens 20 km/h schneller sein als der Vordermann. Diesen Tempounterschied könnten Lkw in der Regel aber entweder nicht erreichen oder sie müssten über 80 km/h schnell fahren. Dies aber sei verboten, so der ACE-Experte.

Wie BGL-Hauptgeschäftsführer Schmidt sagte, seien beim Blick auf die Statistik Lkw trotz ihrer enormen Kilometerleistung gerade einmal zu weniger als zehn Prozent am gesamten Unfallgeschehen beteiligt. Schmidt sprach sich statt eines generellen Überholverbotes für einen Ausbau der Verkehrsleitsysteme aus. «Mit Blick auf die Stauregelanlagen im Großraum Frankfurt zeigt sich, dass es hierdurch zu einem Rückgang von 30 Prozent an Unfällen gekommen ist», so Schmidt.

Mit Blick auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Lkw stellte Schmidt fest, dass es bereits heute schon ein faktisches Überholverbot geben würde. «Die Fahrzeuge werden bei 89 km/h abgeregelt, entsprechend dürften die Lkw-Fahrer gar nicht überholen.» Damit die bekannten Elefantenrennen auf deutschen Autobahnen vermieden werden, appellierte Schmidt an die Vernunft der Lkw-Fahrer. «Wenn sie von einem Kollegen überholt werden, sollten sie einfach mal kurz vom Gas gehen statt stur das Tempo beibehalten zu wollen.» (AG)