Hybrid- und Elektroautos in der Werkstatt

E-Autos im Vorteil

Der Peugeot iOn wird nun auch zum Kauf angeboten © Peugeot

Nie wieder Ölwechsel oder verrostete Auspuffrohre – bei Elektroautos sind die Motoren nahezu wartungsfrei. Die Inspektion dürfte kostengünstiger als bei Wagen mit reinem Verbrennungsmotor ausfallen. Für Hybridfahrzeuge gilt das nicht unbedingt.

Von Stefan R. Weißenborn

Elektroautos sind in aller Munde - auf den Straßen längst aber noch nicht alltäglich. Doch schon heute stellen sich viele Fragen rund um Wartung und Reparatur, denn erste Großserienfahrzeuge sind marktreif und bald zu kaufen. Wie oft muss ein Hochspannungsfahrzeug zur Inspektion? Sind die Werkstätten vorbereitet? Kann der Kunde mit Kostenersparnis rechnen? Und welche Unterschiede gibt es zwischen Elektro- und Hybridautos?

Pflegeleichte Elektrofahrzeuge

Pkw mit reinem Elektroantrieb sind Experten der Automobilclubs zufolge pflegeleichter als Fahrzeuge mit Verbrenner. Peugeot-Sprecher Bernhard Voß verweist darauf, dass klassische Komponenten wie Luft-, Kraftstoff- und Ölfilter oder Zündkerzen schlicht entfielen. Der französische Hersteller will noch im Dezember den Elektrokleinwagen iOn ausliefern. Auch andere Hersteller kommen in Kürze mit elektrifizierten Fahrzeugen: Mitsubishi bringt ebenfalls im Dezember den Kleinwagen i-Miev in den Handel. Und Nissan hat zum Jahreswechsel den kompakten Leaf angekündigt.

Bei Hybridfahrzeugen sieht die Situation anders aus: Neben einem Elektromotor kommt ein Verbrenner zu Einsatz. Die Technik unter der Haube ist also komplexer. Die Wartungskosten dürften in den meisten Fällen dennoch nicht teurer als bei einem herkömmlichen Wagen ausfallen, sagt Carsten Graf vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg. Schließlich seien die elektronischen Komponenten nahezu wartungsfrei.

Wirtschaftlicher Totalschaden bei Batterieausfall

Hinzu kommt, dass herkömmliche Bauteile durch neue Technologien haltbarer werden - zum Beispiel die Bremse. «Die Beläge müssen seltener erneuert werden, wenn zusätzlich über einen Generator gebremst wird», erklärt Werner Steber vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn. Das ist bei Autos der Fall, die mit sogenannter Rekuperationstechnik Bremsenergie zurückgewinnen.

Hohe Kosten kann bei allen elektrifizierten Fahrzeugen die Batterie verursachen. Sie ist mit Abstand das teuerste Bauteil. Geht sie kaputt, droht der wirtschaftliche Totalschaden. «Kein Mensch weiß, wie lange solche Batterien durchhalten», sagt ADAC-Experte Graf mit Blick auf häufig eingesetzte Lithium-Ionen-Akkus.

Gute Erfahrungen mit dem Prius

Der Toyota Prius fährt mit einer Nickel-Metallhydrid-Batterie Toyota

Beim Toyota Prius, dem Vorreiter unter den Hybrid-Pkw, seien die Erfahrungen mit dem Akku immerhin «sehr gut», urteilt der Auto Club Europa (ACE). Für seine Mitgliederzeitschrift «ACE Lenkrad» hat der Club den Wagen einem Dauertest unterzogen. Abgesehen vom Plug-In-Modell fährt der Prius allerdings mit einer Nickel-Metallhydrid-Batterie und nicht mit Lithium-Ionen-Technik.

Die Inspektionskosten für den Testwagen blieben überschaubar: Nach 20.000 Kilometern war laut «ACE Lenkrad»-Redakteur Thomas Breitling eine Wartung für 250 Euro fällig. Nur geringfügig teurer werde die Inspektion zum Beispiel bei einem Honda Civic Hybrid.

Mechaniker nicht geschult

Bei reinen E-Fahrzeugen gibt es dafür noch keine Erfahrungswerte. «Die Inspektion wird aber wohl in ähnlicher Taktung wie bei Pkw mit Verbrennungsmotor erforderlich sein», sagt Frank Volk, Sprecher beim TÜV Süd. Neben den stromführenden Teilen hätten elektrifizierte Autos immer noch eine Lenkung, Klimaanlagen, Räder und Reifen, die allein aus Sicherheitsgründen in gleicher Regelmäßigkeit überprüft werden müssten. Bei batteriebetrieben Autos ist laut dem ADAC auch der Nässeschutz sensibler Elektrokomponenten wichtig. Über die Höhe einer möglichen Kostenersparnis kann bis jetzt nur spekuliert werden. Diese lässt sich Graf zufolge erst abschätzen, wenn die Hersteller Wartungspläne und Ersatzteilpreise bekanntgeben.

Doch kann jede Werkstatt Fahrzeuge mit Elektro-Komponenten ohne Risiko für Mensch und Maschine kompetent warten? Der TÜV Süd bezweifelt das. Seine repräsentative Umfrage aus dem Frühjahr 2010 hatte ergeben, dass in mehr als 80 Prozent der Werkstätten die Mechaniker nicht für Arbeiten an E-Fahrzeugen ausgebildet waren. Außerdem gab seinerzeit mehr als ein Viertel der Betriebe an, sich auch ohne Schulung an ein unbekanntes Elektroauto heranzuwagen.

Bordspannung nicht ungefährlich

Laut TÜV-Sprecher Volk dürfte sich die Lage zwar gebessert haben - dies sei an einer «erhöhten Nachfrage nach Schulungen zum Thema Hochvolttechnik» abzulesen. Doch Handlungsbedarf für Werkstätten sieht er noch immer.

ZDK-Referent Steber hält dagegen: Das Kfz-Gewerbe sei jetzt schon gut vorbereitet. Seit Anfang 2009 biete der Verband über seine Akademie Schulungen für den Umgang mit Hochvoltfahrzeugen an - also Hybrid-, Elektro- und Brennstoffzellenwagen. «Dort wird den Mitarbeitern beigebracht, das Hochvoltsystem spannungsfrei zu schalten, um dann normal am Fahrzeug arbeiten zu können», so Steber. Ab einer Bordspannung von 25 Volt Wechselstrom und 60 Volt Gleichstrom seien Reparaturen ohne Sicherheitsvorkehrungen nicht ungefährlich. Elektro-Pkw liegen weit darüber. (dpa/tmn)