«Der neue Mokka wird Wahrnehmung der Marke verändern»

Opel-Deutschlandchef Andreas Marx

Opel-Deutschlandchef Andreas Marx vor dem Corsa-e. © Opel

Opel feiert am Dienstag und Mittwoch die Weltpremiere des neuen Mokka. Im Gespräch mit der Autogazette spricht Deutschlandchef Andreas Marx über die Bedeutung des neuen Modells, die Coronakrise und die weitere Elektrifizierung der Marke.

«Der neue Mokka wird die Wahrnehmung für unsere Marke verändern», sagte Opel-Deutschlandchef Andreas Marx im Interview mit der Autogazette. Die nächste Mokka-Generation zeige, «wie die neuen Opel-Modelle in diesem Jahrzehnt aussehen werden: pur, präzise – reduziert auf das Wesentliche».


Der neue Mokka wird kommendes Jahr auf den Markt kommen. Zum Marktstart wird es auch gleich eine Elektroversion des SUV geben. Bis zum Jahr 2024 will Opel seine gesamte Modellpalette elektrifiziert haben.

Hohe Nachfrage nach Corsa-e

Eine hohe Nachfrage verbucht der Hersteller derzeit für die Elektro-Version des Corsa. In Deutschland entscheide sich bereits jeder dritte Privatkunden für den Corsa-e, wie Marx sagte. Die hohe Nachfrage würde dabei auch durch die Erhöhung der Kaufprämie befördert.

«Die Kunden reagieren auf diesen Impuls. Es war richtig, dass die Bundesregierung gemeinsam mit den Herstellern diesen Anreiz für die Elektromobilität gesetzt hat. Im Gegensatz zur damaligen Abwrackprämie ist es bei der E-Mobilität so, dass der Mensch die Extra-Meile gehen muss. Für den Kunden ist diese Technologie neu, und da hilft die Prämie», so Marx.

«Gestalten war in dieser Zeit schwierig»

Autogazette: Herr Marx, Sie sind seit dem 1. Februar Deutschlandchef von Opel. Wie sehr hat die Corona-Pandemie Ihnen den Einstieg in die neue Position erschwert?

Andreas Marx: Wenn man einen neuen Job antritt, dann will man vor allem eines: gestalten. Doch gestalten war in dieser Zeit eher schwierig, weil schon nach den ersten sechs Wochen die Corona-Pandemie viele zuvor geplante Aktivitäten gehemmt hat. Die größte Weltwirtschafts- und Gesundheitskrise seit 100 Jahren haben natürlich auch wir mit voller Wucht zu spüren bekommen.

Autogazette: Welche Maßnahmen hatten für Sie in der Zeit des Lockdowns oberste Priorität, war es vor allem die Stützung des Handels?

Marx: Wir haben sehr stark daran gearbeitet die Lieferantenseite, den Handel, aber auch unser Unternehmen stabil zu steuern. Und das alles vor dem großen unbekannten Faktor: Wann geht diese Zeit wieder vorbei?

Autogazette: Gehörte zu den Maßnahmen auch die hohen Lagerbestände abzubauen?

Marx: Selbstverständlich haben wir auch in dieser Zeit Lagerbestände abgebaut. Und ich bin davon überzeugt, dass wir auch in diesem Bereich im Wettbewerbsumfeld gut aussehen. Der Abbau der Lagerbestände ist bilanziell auch für unsere Händler wichtig gewesen. Jetzt geht es darum, den Blick nach vorne zu richten und Fahrzeuge aus der laufenden Produktion abzusetzen. Wir haben einen guten Auftragsbestand, der kontinuierlich an die Kunden ausgeliefert wird.

«Bis 2024 ist unser komplettes Modellprogramm elektrifiziert»

Mit dem Opel Corsa-e durch Berlin. Foto: Opel

Autogazette: Mit welchem Plan waren Sie in Ihre neue Position gestartet, als Sie noch nicht damit rechnen konnten, dass Corona Ihnen diese Pläne durchkreuzt?

Marx: Es gab da mehrere Punkte, vor allem aber war da unsere Kampagne Green Deal, die wir erfolgreich gestartet haben, jedoch nicht komplett umsetzten konnten. So bestätigte auch der Automobilexperte Prof. Reindl, dass wir damit genau den richtigen Weg eingeschlagen hätten, doch sei Corona uns dazwischengekommen.

Autogazette: Der Green Deal war ja etwas, was Sie bereits vor Corona auf den Weg gebracht hatten…

Marx: …genau, es ist eine Kampagne, die auf unserem Produktportfolio basiert. Wir sind mit unserem Portfolio mit Blick auf die CO2-Emissionen eines der wettbewerbsfähigsten, wenn nicht sogar das wettbewerbsfähigste Unternehmen im Markt. Deshalb habe ich meinem Team gesagt, dass wir diesen USP, unser Alleinstellungsmerkmal, auch kommunikativ unter ein Dachthema bringen.

Autogazette: Hat die Kampagne während Corona mit Blick auf den Absatz verfangen?

Marx: Ich bin weiter fest davon überzeugt, dass der Opel Green Deal genau unserer Positionierung entspricht. Deswegen haben wir dieses Dachthema trotz der geänderten Rahmenbedingungen beibehalten.

Autogazette: Was ist für Sie das Wichtigste an diesem Green Deal? Die Positionierung als grüne Marke?

Marx: Wir haben als Unternehmen eine Vielzahl einschneidender Maßnahmen getroffen. So haben wir uns von einigen Motoren und Modellen verabschiedet, um die CO2-Ziele zu erreichen. Bis 2024 ist unser komplettes Modellprogramm elektrifiziert. Doch wir schaffen die CO2-Ziele nicht nur aufgrund unserer Elektrifizierungsoffensive, sondern auch, weil wir viele hocheffiziente Verbrenner im Angebot haben.

«Wir werden die CO2-Ziele erreichen»

CO2 steigt weiter an. Foto: dpa
Die Autobauer müssen strenge CO2-Grenzwerte einhalten. Foto: dpa

Autogazette: Sie sind also zuversichtlich, dass Sie die CO2-Vorgaben von 95 g/km bis 2020 erfüllen werden?

Marx: Ja, wir werden die CO2-Ziele erreichen.

Autogazette: Die Corona-Krise hat den deutschen Automarkt und damit auch den von Opel einbrechen lassen. Sehen Sie bereits Anzeichen der Erholung?

Marx: Eine Besserung ist erkennbar. Ist das Niveau bereits auf dem des vergangenen Jahres? Nein, aber der Trend ist aufsteigend. Das heißt nicht, dass ich in Bezug auf die Verkaufszahlen zufrieden bin, doch der Blick ist nach vorn gerichtet. Und ich bin mehr als optimistisch. Wir werden uns weiter verbessern.

Autogazette: Vor dem Hintergrund der Auftragseingänge sagen Sie also, dass sich die Absatzsituation für Opel bis zum Ende des Jahres positiv ändern wird?

Marx: Absolut, davon gehe ich fest aus.

Autogazette: Wie schauen die Auftragseingänge genau aus?

Marx: Ich werde Ihnen keine absoluten Zahlen nennen. Doch nehmen Sie zum Beispiel den Corsa-e: Der zeigt ein gutes Momentum. In unserem Markt entscheidet sich beim Corsa bereits heute jeder dritte Privatkunde für die elektrische Variante.

Autogazette: Das ist insbesondere befördert durch die erhöhte Kaufprämie?

Marx: Die Kunden reagieren auf diesen Impuls. Es war richtig, dass die Bundesregierung gemeinsam mit den Herstellern diesen Anreiz für die Elektromobilität gesetzt hat. Im Gegensatz zur damaligen Abwrackprämie ist es bei der E-Mobilität so, dass der Mensch die Extra-Meile gehen muss. Für den Kunden ist diese Technologie neu, und da hilft die Prämie.

«Wenn elektrisch, dann richtig»

Andreas Marx mit einem Opel Grandland X Hybrid4. Foto: Mertens

Autogazette: Liegt der Auftragseingang beim Grandland X auf einem ähnlich hohen Niveau wie beim Corsa-e?

Marx: Auch hier sind wir sehr zufrieden. Der Anteil ist noch nicht auf dem Niveau des Corsa-e, aber wir sind auf einem guten Weg. Vielleicht spiegelt das auch die Einstellung der Menschen wieder, die elektrisch fahren wollen: wenn elektrisch, dann richtig. Außerdem ist der Grandland X Hybrid natürlich auch ein deutlich größeres Auto mit 300 PS Systemleistung und e-Allradantrieb – und damit hochpreisiger positioniert.

Autogazette: Sehen Sie mit Blick auf die Förderung der E-Mobilität das Problem, dass das zu Lasten des Gebrauchtwagenmarktes geht?

Marx: Ich teile diese Bedenken nicht. Die E-Mobilität wird sich über die unterschiedlichen Segmente im Markt entwickeln. Es gibt viele Kunden, die klassische Gebrauchtwagenkunden sind. Das wird auch bei der E-Mobilität nicht anders sein. Diese Kunden werden zukünftig ebenfalls klassische E-Autokunden sein. Bei der Abwrackprämie haben Menschen ein Neufahrzeug gekauft, die noch nie in ihrem Leben ein Neufahrzeug gekauft haben – und das aufgrund von 2500 Euro.

Autogazette: Könnte der Anteil beim Corsa-e höher sein, wenn Sie das Auto schneller liefern könnten?

Marx: Wir haben dazu einen klaren Plan: Wenn ein Kunde heute ein Auto bei uns bestellt, bekommt er es auch noch in diesem Jahr geliefert und kommt so auch in den Genuss der Mehrwertsteuerreduzierung. Wir sind lieferfähig. Doch man muss auch hier differenzieren: Wenn ein Händler ein Fahrzeug für den Lagerbestand bestellt, dann haben wir eine Wartezeit bis ins Jahr 2021.

«Natürlich gab es auch Skepsis»

Autogazette: Wie schaut das Kommitment Ihrer Händler zur E-Mobilität aus?

Marx: Natürlich gab es auch Skepsis, doch der Auftragseingang von 30 Prozent beim Corsa-e zeigt den Enthusiasmus unserer Händler. Das sieht man auch in der Bereitschaft der Händler, Autos ‚vorzubestellen‘.

Autogazette: Sollte die Nachfrage nach E-Mobilität weiter steigern, können Sie diese dann bedienen?

Marx: Als Verantwortlicher für Deutschland kann ich sagen, dass sich der Kunde bei uns keine Sorgen machen braucht. Die Verfügbarkeit in Europa hängt natürlich auch davon ab, wie sich die E-Mobilität letztlich in den europäischen Märkten entwickelt.

Autogazette: Wären Sie ein Freund einer Kaufprämie für Verbrenner gewesen?

Marx: Lassen Sie uns nach vorne schauen und die Prämien nutzen, die es tatsächlich gibt.

«Es gibt zahlreiche CO2-freundliche Modelle bei Opel»

Der Opel Astra ist mit effizienten Motoren unterwegs. Foto: Opel

Autogazette: Doch wäre es unter klimapolitischen Aspekten sinnvoll gewesen?

Marx: Wie gesagt. Es gibt zahlreiche CO2-freundliche Modelle bei Opel. Gute Beispiele für effiziente Verbrenner sind etwa der Opel Astra oder unser Flaggschiff, der neue Opel Insignia.

Autogazette: Sie bringen in diesem Jahr noch den Vivaro-e auf den Markt. Welche Rolle spielt die Nutzfahrzeugsparte in ihrer Elektrifizierungsstrategie?

Marx: Die Elektrifizierung unserer leichten Nutzfahrzeuge ist uns genauso wichtig. Auch hier gibt es ja klare CO2-Ziele. So werden wir bis Ende 2021 auch unser gesamtes LCV-Portfolio elektrifizieren. Neben dem Vivaro-e folgt im nächsten Jahr beispielsweise der Combo Cargo und auch der Movano jeweils in einer elektrischen Variante.

Autogazette: Welche Bedeutung haben für Sie die Plug-in-Hybride, die ja immer wieder in der Kritik stehen?

Marx: Ich fahre selbst einen Plug-in-Hybrid. Den Opel Grandland X Hybrid4. Aufgrund der Distanz von meiner Arbeitsstelle zu meinem Wohnort in Trier ist der Plug-in-Hybrid die perfekte Lösung. Und wenn sie mich nun fragen, ob bzw. warum ich meinen PHEV lade? Ich lade ihn, weil ich das elektrische Fahren liebe. Wenn ich nach Hause komme, wird er daher regelmäßig geladen. Ich habe mit Römerstrom zudem einen Ökostrom-Anbieter, was mir persönlich wichtig ist. Um den PHEV wirkungsvoll zu nutzen, muss man ihn natürlich regelmäßig laden. Dann wird man auch seine Vorteile erleben.

«Ich bin ein Naturmensch»

Autogazette: Wie halten Sie es privat mit der Nachhaltigkeit?

Marx: Als Familienvater ist Nachhaltigkeit für mich ein wichtiges Thema. Den Ökostrom erwähnte ich ja bereits. Und: Ich bin zudem ein Naturmensch, ich bin ein Fan von Österreich und liebe es, in den Bergen zu sein. Dort wird man allein mit Blick auf die immer weiter zurückgehenden Gletscher sensibilisiert für Umweltschutz und Ressourcenschonung. Das eine ist bekanntlich eine Statistik zu sehen, das andere, die Folgen live zu erleben.

Autogazette: Legen Sie auch bei der Ernährung Wert auf Nachhaltigkeit?

Marx: Ja, ich mag es, regionale Produkte zu kaufen. Dort, wo ich wohne, gibt es die Initiative Marke „Ebbes von hei“, „Etwas von hier“. Restaurants verwenden also nur Produkte aus der Gegend. Ich mag es, Restaurants zu besuchen, die diesen Ansatz verfolgen.

«Neue Mokka wird Wahrnehmung der Marke verändern»

Der Opel Mokka-e kann an einer CCS-Station geladen werden. Foto: Opel

Autogazette: Im kommenden Jahr kommt der Mokka auf den Markt, der mit Marktstart auch gleich als E-Version angeboten wird. Ist der Mokka das wichtigste Modell für Opel in 2021?

Marx: Aus Markengesichtspunkten ist es das wichtigste Auto. Denn der neue Mokka wird die Wahrnehmung für unsere Marke verändern. In meiner früheren Position als Produktplaner war ich sehr nah dran an unserem neuen Produkt-Plan. Den Start hat der Corsa gemacht, nun folgt in 2021 die nächste Mokka-Generation. Sie zeigt klar und mutig, wie die neuen Opel-Modelle in diesem Jahrzehnt aussehen werden: pur, präzise – reduziert auf das Wesentliche. Diesem Design-Vorbild werden schon bald weitere attraktive Modelle folgen.

Autogazette: Würden Sie sagen, dass ihre vorherige Position in der Produktplanung Ihnen den jetzigen Job als Deutschlandchef erleichterte?

Marx: Das ist von Vorteil. Man kommt aus einer strategischen Position und geht in eine operative. Die Thematik Green Deal habe ich auf den Weg gebracht, weil ich weiß, was in unserem Portfolio steckt. Zusammen mit meinem Team habe ich ja definiert, was zukünftig kommt. Von daher weiß ich, dass Opel einen sehr positiven Weg eingeschlagen hat. Wir hatten in der Vergangenheit selten die Möglichkeit, unser Produktportfolio auf ein Attraktivitätsniveau zu heben wie es jetzt in der Groupe PSA der Fall ist. Die modularen Multi-Energy-Plattformen für eine effiziente Modellvielfalt sind dabei ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg.

Das Interview mit Andreas Marx führte Frank Mertens

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