«Der neue Corsa wird uns deutliche Impulse verleihen»

Opel-Chef Michael Lohscheller

Opel-Chef Michael Lohscheller mit dem neuen Corsa. © Opel

Michael Lohscheller hat Opel zurück in die Gewinnzone geführt. Im Interview mit der Autogazette spricht der Opel-Chef über den neuen Corsa, die Fusionsgespräche zwischen PSA und FCA und darüber, weshalb eine Technologieoffenheit wichtig ist.

Opel-Chef Michael Lohscheller sieht im Falle einer Fusion zwischen dem PSA-Konzern und Fiat Chrysler Automobiles (FCA) keine Schwächung von Opel. «Die Stärken der verschiedenen Marken der Groupe PSA und von FCA würden noch besser zur Geltung kommen können – sowohl was die Märkte angeht, als auch die verschiedenen Marktsegmente», sagte Opel-Chef Michael Lohscheller im Interview mit der Autogazette.


«Davon könnten alle Marken profitieren»

Wie der Manager hinzufügte, „wäre ein fusioniertes Unternehmen für die Zukunft noch stärker aufgestellt. Davon könnten alle Marken profitieren“, so Lohscheller. „Opel hat in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren gezeigt, wozu es in der Lage ist: Wir haben das Unternehmen aus den tiefroten in die schwarzen Zahlen zurückgeführt. Und wir werden unseren Weg weiter gehen“, so der Opel-Chef.

«Diesem Auto kommt persönlich wichtige Bedeutung zu»

Der Opel Corsa als GS-Line. Foto: Opel

Autogazette: Herr Lohscheller, Sie haben am Samstag den neuen Opel Corsa in den Handel gebracht. Welche Rolle spielt das Modell in Ihrem Portfolio?

Michael Lohscheller: Eine wichtige – und das aus mehreren Gründen. Er ist eines unserer meist verkauften Modelle. Der neue Corsa wird uns deutliche Impulse verleihen. Zudem kommt diesem Auto auch für mich persönlich eine wichtige Bedeutung zu.

Autogazette: …weil es das erste Auto ist, was Sie als Opel-Chef auf den Weg gebracht haben?

Lohscheller: Ja, der Corsa ist das erste Modell, das in meiner Zeit als CEO entstanden ist. Und vor allem ist es das erste Modell, das entwickelt wurde, seitdem Opel Teil der Groupe PSA ist. Gleich nach der Bekanntgabe der Übernahme haben wir die Entscheidung getroffen, den noch auf globaler GM-Architektur weitgehend entwickelten Corsa zu stoppen und ihn auf die elektrifizierbare PSA-Plattform zu stellen.

«Bin stolz, was der Mannschaft gelungen ist»

Das Heck des Opel Corsa. Foto: Opel

Autogazette: Wieso diese Entscheidung?

Lohscheller: Der neue Corsa sollte gleich auf unserer neuen Konzern-Plattform entstehen. Denn sie ist auf europäische Kundenbedürfnisse maßgeschneidert, sie erlaubt uns viele Synergien und vor allem auch, unseren Bestseller rein elektrisch anbieten zu können. Es gibt kaum ein Unternehmen, das in nur zwei Jahren ein komplett neues Auto auf die Straße bringt. Ich finde, dass der neue Corsa ausgesprochen gelungen ist, sei es nun beim Design, beim Innenraum oder auch beim Fahrwerk. Er ist ein echter Opel – und demokratisiert Premiumtechnologien, wie Massage-Sitze und LED Matrix-Licht. Ich bin stolz darauf, was der gesamten Mannschaft hier in der Kürze der Zeit gelungen ist. Wir haben den Corsa in Rekordzeit und – qualität entwickelt und auf die Straße gebracht. Und es geht in diesem Tempo weiter: Das werden wir beim neuen Mokka noch deutlicher sehen.

Autogazette: Der PSA-Konzern spricht gerade mit FCA über eine Fusion. Sehen Sie dadurch die Stellung von Opel geschwächt?

Lohscheller: Keineswegs. Durch den Zusammenschluss würde der viertgrößte Automobilkonzern der Welt entstehen – mit einem Jahresabsatz von 8,7 Millionen Fahrzeugen. Die Stärken der verschiedenen Marken der Groupe PSA und von FCA würden noch besser zur Geltung kommen können – sowohl was die Märkte angeht, als auch die verschiedenen Marktsegmente. Im aktuell enorm disruptiven Umfeld mit großen Herausforderungen – Elektromobilität, Konnektivität, alternative Mobilitätskonzepte und autonome Mobilität – wäre ein fusioniertes Unternehmen für die Zukunft noch stärker aufgestellt. Davon könnten alle Marken profitieren. Opel hat in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren gezeigt, wozu es in der Lage ist: Wir haben das Unternehmen aus den tiefroten in die schwarzen Zahlen zurückgeführt. Und wir werden unseren Weg weiter gehen.

«Es geht darum, die Ladeinfrastruktur zu verbessern»

Der Opel Corsa-e hat eine Reichweite von über 330 Kilometer. Foto: Opel

Autogazette: Die Kaufprämie für Elektroautos wird für Autos unter 40.000 Euro auf 6000 Euro erhöht. Ist es wirklich Aufgabe der Politik, den Absatz von E-Autos in dieser Form zu steigern?

Lohscheller: Ich denke, dass eine solche Kaufprämie in der Übergangsphase hilft, der Technologie einen Anschub zu geben. Aber ich glaube nicht, dass das für immer so sein kann. Nachdem es der Industrie gelungen ist, auch Elektroautos im Volumensegment zu erreichbaren Preisen auf den Markt zu bringen, geht es nun darum, die Ladeinfrastruktur zu verbessern. Denn es ist ein Hemmnis für den Absatz von E-Autos, wenn die Kunden nicht wissen, wo sie ihr Auto laden können.

Autogazette: Die Bundesregierung hat sich ja zum Ziel gesetzt bis zum übernächsten Jahr 50.000 neue Ladestationen zu schaffen. Ist das ein realistisches Ziel?

Lohscheller: Es ist erst einmal wichtig, dass Ziel konsequent anzugehen. Ich glaube, alle müssen mithelfen. Um die E-Mobilität voranzubringen, brauchen wir einen gesamtgesellschaftlichen Schulterschluss. Dazu gehört beispielsweise auch, dass das Eigentums- und Mietrecht entsprechend geändert wird. Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten. Das sieht man in Rüsselsheim, wo wir mit Partnern 1300 Ladestationen aufbauen. Solche Initiativen brauchen wir noch mehr. Denn das größte Hemmnis für die Elektromobilität ist nach wie vor die Ladeinfrastruktur.

«Sorgen für Ladestationen bei allen Opel-Händlern»

Der Opel Grandland X Hybrid4 hat eine elektrische Reichweite von 50 Kilometer. Foto: Opel

Autogazette: Warum beteiligen Sie sich dann nicht an Ionity?

Lohscheller: Wir haben uns für andere Projekte wie das in Rüsselsheim entschieden. Zugleich werden wir dafür sorgen, dass es bei allen Opel-Händlern in Europa Ladestationen gibt.

Autogazette: Über wie viele Opelhändler sprechen wir?

Lohscheller: In Europa haben wir rund 3800 Vertriebsstandorte, in Deutschland gut 1100. Das sind beachtliche Zahlen.

Autogazette: Sie bringen im Frühjahr den Opel Corsa-e auf den Markt. Er kostet knapp unter 30.000 Euro. Kann man bei einem Auto für diesen Preis wirklich von einem Volkselektroauto sprechen, wie Sie es getan haben?

Lohscheller: Ich denke schon, dass der Corsa e ein Elektroauto für sehr viele Menschen ist. Zieht man von diesem Preis noch die Umweltprämie ab, dann sind wir in einem Bereich, der für viele Kunden erschwinglich ist. Wir sprechen beim Corsa-e auch nicht von einem Auto, das kaum Ausstattung hat. In Gegenteil: Der Corsa-e ist sehr gut ausgestattet. Hinzu kommt, dass Elektroautos bei den Betriebs- und Unterhaltskosten deutlich günstiger sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren.

Autogazette: Wie viele Elektrofahrzeuge müssen Sie ab 2020 absetzen, um die Flottenziele der EU von 95 g/km bis 2021 zu erreichen?

Lohscheller: Das kommt auch ganz drauf an wie zum Beispiel der Benziner beim Opel Corsa oder der Diesel läuft, die auf CO2-Werte von unter 100 g/km bzw. unter 90 g/km beim Diesel kommen. Mit unserer Modellpalette werden wir es schaffen, die CO2-Vorgaben zu erreichen, mit welchem Mix auch immer.

«Brennstoffzelle kommt große Bedeutung zu»

Der Opel Zafira Life wird im Rahmen eines Tests mit einer Brennstoffzelle ausgestattet. Foto: Opel

Autogazette: Sie bringen mit dem Grandland X auch einen Plug-in-Hybrid auf den Markt. Welche Rolle spielt diese Technologie für Sie?

Lohscheller: Sicherlich haben alle Antriebe Vor- und Nachteile. Doch der Kunde bekommt beim Plug-in-Hybrid das Beste aus beiden Welten. Von daher glaube ich, dass der Grandland X PHEV gut ankommen wird.

Autogazette: Sie sind also ein Freund der Technologieoffenheit?

Lohscheller: Absolut, weil die Menschen sich bei ihren individuellen Mobilität nicht vorschreiben lassen wollen, was sie zu fahren haben. Unsere Kunden sollen das auch künftig selbst entscheiden.

Autogazette: Welche Rolle spielt für Sie die Brennstoffzelle?

Lohscheller: Eine wichtige. Wir sind gerade dabei, die Entwicklung der Brennstoffzelle mit dem Zafira Life fortsetzen. Wir haben auf diesem Gebiet in der Vergangenheit umfangreiche Erfahrungen gesammelt haben – nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis – auf denen wir jetzt aufbauen. Der Brennstoffzelle kommt für uns im Nutzfahrzeugbereich eine große Bedeutung zu. Innerhalb des PSA-Konzerns ist das Kompetenzzentrum für dieses wichtige Zukunftsthema in unserem Entwicklungszentrum in Rüsselsheim angesiedelt.

Das Interview mit Michael Lohscheller führte Frank Mertens