Beim Design wird es bei Opel philosophisch

50 Jahre Design-Center in Rüsselsheim

Der Opel Experimental GT.
Der Opel Experimental GT. © AG/Mertens

Opel feiert das 50-jährige Jubiläum seines Design Studios in Rüsselsheim. Hier wurde 1964 der GT entworfen – der prägend war für das weitere Erscheinungsbild der Marke. Nun geht das Design in seine nächste Phase.

Im Designzentrum von Opel in Rüsselsheim hängt im ersten Stock derzeit ein kleines, gerahmtes Bild. Es geht unter den vielen Skizzen anderer Autos fast ein wenig unter, die hier entworfen wurden. Doch wer genau hinschaut, erkennt auf ihm einen Opel GT. Tritt man näher heran, dann steht über dem Bild des Sportwagens die Botschaft: "Es ist nicht wichtig, dass wir ihn bauen. Es ist wichtig, wie wir ihn bauen." Es steht dort noch ein Satz – und der bringt den Stolz der Ingenieure und Designer des Rüsselsheimer Autobauers zu diesem Sportwagen zum Ausdruck. "Nur Fliegen ist schöner."

Opel beim Design mit Vorreiterrolle

Dieses Auto ist für Opel nicht irgendein Auto. Es ist das erste Konzeptfahrzeug, dass in dem im Juni 1964 von GM gegründeten Design-Studio, dem damals Ersten seiner Art in Europa, entworfen wurde. "So ein Studio hatte es bis dahin in Europa nicht gegeben. Wir waren damit der erste Hersteller, der außerhalb der USA ein solches Design-Zentrum besaß", sagte Design-Chef Mark Adams am Montag aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums des Designstudios am Firmensitz des Autobauers in Rüsselsheim. Bis zum Jahr 1964 leistete sich nur der Opel-Mutterkonzern GM in Warren bei Detroit ein eigenes großes Designzentrum.

Opel Experimental GT
Das heck des Opel GT AG/Mertens

Und ohne dieses Design-Studio hätte man ein Auto wie den GT möglicherweise auch nie auf der Straße gesehen. "Vielleicht hätte es ihn als Skizze auf dem Papier gegeben, aber ob er dann auch jemals gebaut worden wäre, ist er unwahrscheinlich", sagt Erhard Schnell, der Designer des GT. Der Opel GT entstand damals ohne Wissen des Managements. "Ein Sportwagen stand damals nicht auf der Prioritätenliste des Managements. Es wollte Brot-und-Butter-Autos", erinnert sich Schnell. Doch die Talente, die der damalige Designchef Clare M. MacKichan um sich versammelt hatte, wollten auch andere, emotionalere Autos zeichnen und entwerfen - und so machte man sich an die Arbeit.

Herausgekommen ist der Opel Experimental GT - und er hat die Verantwortlichen, als sie das Auto erstmals präsentierte bekamen, auf Anhieb begeistert. Nach der Messepremiere auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main 1965 fiel die Entscheidung zum Bau des GT, der bereits drei Jahre später in Serie ging - und dabei vor allem in den USA seine Käufer fand. Von den über 108.000 bis 1973 verkauften Exemplaren gingen 70 Prozent in die Staaten - und ohne Frage gehört der Opel GT zu einer der Design-Ikonen im Automobilbau.

Weg zum Monza Concept geebnet

Opel Monza Concept
Der Opel Monza Concept AG/Mertens

Er inspiriert die Opel-Designer noch heute, sagt Mark Adams und ebnete den Weg für die Studie wie den Monza Concept, der im vergangenen Jahr seine Weltpremiere auf der IAA feierte. Der Flügeltürer wird so zwar nie in Serie gehen, doch Designelemente wird man in kommenden Modellen der Rüsselsheimer wiederfinden.

Adams mag mit Blick auf das Design von Opel indes nicht, wie viele andere Hersteller es tun, von einer Designsprache sprechen, die die Modelle aus Rüsselsheim ausmachen. Es sei mehr, was er und sein Team hier tagtäglich machen. Man verfolge eine Design-Philosophie. Ist da überhaupt ein Unterschied? Ja, sagt Adams. Während Designsprache etwas durchaus Vergängliches sein kann, hat Philosophie etwas von Nachhaltigkeit, ist etwas von Dauer. Folgt man Adams Sichtweise, dann beginnt nach dem Cycle 1.0 des im Jahr 2003 präsentierten Opel Insignia Concept nun die nächste Designphase in Rüsselsheim, der Cycle 2.0, der mit dem Monza Concept im Vorjahr begann und von dessen Designphilosophie sich in künftigen Modellen etliche Elemente wiederfinden werden.

Bei allem jedoch geht es um eine Gemeinsamkeit. Nämlich darum, "skulpturales Design mit deutscher Präzision" zu verbinden. Wem das vielleicht zu philosophisch erscheint, für den kann man das auch anders ausdrücken: es reicht allein nicht aus, dass ein Auto schön ausschaut, es muss auch technisch innovativ sein und den Kunden überraschen. Und mit dieser Philosophie will Opel möglichst viele Kunden von seiner Marke begeistern. (AG/FM)