Ohne Diskokugel geht beim Opel Adam nichts

Adam-Produktion im Werk Eisenach

Bisher ist der Adam der kleinste Opel-Vertreter.
Bisher ist der Adam der kleinste Opel-Vertreter. © AG/Flehmer

Das Opel-Werk in Eisenach ist mit 1600 Mitarbeitern die kleinste Fabrik des Unternehmens. Doch von Thüringen aus, wo der Kleinstwagen Adam mit seinen unzähligen Individualisierungsmöglichkeiten gebaut wird, wird der gesamte GM-Konzern beeinflusst.

Von Thomas Flehmer

Der Ursprung liegt fast 90 Jahre zurück. 1924 setzte Opel auf Fließbandarbeit und produzierte den so genannten "Laubfrosch", der sich aufgrund seiner grünen Farbe von den damals sonst in schwarz gehaltenen Limousinen absetzte. Es war auch der Beginn der Zweifarbigkeit an Fahrzeugen, der in der heutigen Zeit besonders im Opel-Werk in Eisenach perfektioniert wird, wo der an Individualisierungsmöglichkeiten reiche Kleinstwagen Adam produziert wird.

Eigene Ideen der Opel-Mitarbeiter

"Kein Adam gleicht dem anderen", sagt Werksleiter Stefan Fesser bei einem Rundgang durch die Produktionshallen im Gespräch mit der Autogazette, "für außen gibt es 61.000 Möglichkeiten, innen sind es 82.000 verschiedene Kombinationen." Unter den verschiedenen Personalisierungen für den Adam avancierten in den bisherigen zehn Monaten seit Verkaufsstart fünf Elemente zu Verkaufsschlagern: Der Sternenhimmel, das beheizbare Lenkrad, die automatische Einparkhilfe, das Infotainment-Paket Intelli-Link und die Zweifarbigkeit werden besonders häufig geordert. Und das insbesondere von Frauen – sie stellen 70 Prozent der Kunden des trendigen Kleinwagens der Rüsselsheimer.

Dabei sind sie in Eisenach besonders auf die Zweifarbigkeit stolz. Denn die Idee kam vor über zehn Jahren aus dem Kreis der 1600 Mitarbeiter des Werkes und wurde zuerst beim Corsa angewendet, der neben dem Adam auf gleicher Linie unter den Füßen der berühmten Wartburg produziert wird. "Dieses Konzept der Zweifarbigkeit haben wir dann im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Opel hat für diese Phase weitere acht Millionen Euro investiert", so Fesser. Der Autobauer verweist dann auch angesichts der hohen Investitionen gern darauf, dass man sich mit dem Bau des Adams im Werk in Eisenach zum Standort Deutschland bekennt – immerhin 190 Millionen Euro wurden investiert, um neben dem Corsa ein zweites Modell in Thüringen zu fertigen.

Spezielles Logistikkonzept für Adam-Produktion

Eine Investition, die sich auszahlt, da auf dieser Zweifarbigkeit laut dem 44-Jährigen, der in Eisenach schon diverse Positionen bekleidet hat, "viel Volumen liegt" – besonders beim Adam. Damit gerade bei der Fertigung des Kleinstwagen auch alle Personalisierungen im richtigen Auto verbaut werden, musste auch ein neues Logistikkonzept erstellt werden. "Auch dieses wurde von den eigenen Mitarbeitern erstellt, die sehr viel Freiraum erhalten und sich so den Arbeitsplatz selbst gestalten", so Fesser.

Dabei haben die seit 2011 eingeführten so genannten SPS-Sequenzen (Set Part System) die herkömmlichen Lagerflächen abgelöst, sagt Matthias Bähringer, Assist-Manager Materialplanung. "Die extra für die Produktion des Adam gefertigte neue Halle mit 22.000 Quadratmetern besteht zu 60 bis 70 Prozent aus Hochregalen." Damit wird Platz geschaffen, um die zahlreichen Individualisierungsteile unterzubringen. Aus der neuen Lagerhalle werden die Teile dann an einen Verteilpunkt in die Produktionshalle gebracht. Dort stellen Mitarbeiter die für jedes Auto benötigten Teile zusammen, die dann in einem Kasten zum jeweiligen Fertigungspunkt am Fließband gebracht werden, um so die am Auto arbeitenden Mechaniker zu entlasten.

Per "Diskokugel" zum richtigen Teil für den Opel Adam

Die "Diskokugel" leuchtet auf die Teile des Opel Adam, damit keine Verwechselungen entstehen.
Die "Diskokugel" leuchtet auf die Teile des Opel Adam, damit keine Verwechselungen entstehen. AG/Flehmer

Damit jedes Auto auch wirklich mit den benötigten Teilen gefertigt wird, unterstützt eine "Diskokugel" die Arbeiter, die die Teile zusammenstellen. Die benötigten Teile werden angeleuchtet, sodass der Arbeiter weiß, welches Teil er für welches Auto benötigt. Fehlgriffe schon bei der Fertigung werden somit ausgeschlossen. Auch dieses ein Beispiel für die Flexibilität der Mitarbeiter des Eisenacher Werkes, das innerhalb des GM-Konzerns eine herausragende Stellung einnimmt.

Denn die entwickelten Innovationen haben auch die Verantwortlichen in Detroit aufhorchen lassen. Bereits seit 1994 werden Schulungen für den gesamten GM-Konzern in Eisenach abgehalten. "Etwa 16.500 GM-Mitarbeiter wurden in Eisenach ausgebildet. Das weltweite Produktionssystem von GM wurde hier entwickelt", sagt Fesser nicht ohne Stolz.

510 Opel laufen pro Tag vom Band

Die Produktion des Opel Adam in Eisenach.
36 Opel werden pro Stunde gefertigt. Opel

Dass nicht immer alles nach Plan läuft und angesichts der europäischen Absatzkrise, die zu einer Kaufzurückhaltung insbesondere in Südeuropa geführt hat, auch mal Produktionspausen wie zuletzt eingelegt werden müssen, nimmt der Werksleiter in Kauf. Läuft alles in der Reihe, werden 36 Fahrzeuge pro Stunde gefertigt. Insgesamt rollen in zwei Tagesschichten 510 Autos vom Band.

"Wir hatten im ersten Halbjahr Überzeiten aufgebaut, von denen wir im Herbst gezehrt haben", so Fesser. Die Pausen werden einkalkuliert, da die Produktion nicht auf Vorrat ausgelegt ist. "Wir produzieren auf Sicht und da gibt es im Laufe eines Jahres unterschiedliche Peaks – je nach Nachfrage." Doch die Produktionspause stand dabei weniger im Zusammenhang mit einem Nachfragerückgang des Adams als vielmehr des Corsas, dessen dreitürige Variante auch in Eisenach gebaut wird.

Und Flexibilität ist gerade in Eisenach kein Fremdwort – nicht zuletzt durch die Personalisierungen beim Adam. Anders sieht es bei der Fluktuation der Mitarbeiter aus – es gibt so gut wie keine, was ein gutes Zeichen für die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz ist. "Ich war früher der Jüngste", sagt Bähringer, der kurz nach dem Start des neuen Werkes im September 1992 zu den Eisenacher Opelanern stieß, "und ich bin es heute immer noch."

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.