«Kunden haben keineswegs das Vertrauen verloren»

Opel-Vertriebschefin Imelda Labbé

Opel-Vertriebschefin Imelda Labbé.
Opel-Vertriebschefin Imelda Labbé neben dem Mokka. © Gallus/Opel

Opel sorgt seit Wochen für Schlagzeilen. Im Interview mit der Autogazette spricht Vertriebschefin Imelda Labbé über den Absatz in Deutschland, neue Modelle und das Vertrauen der Kunden.

Opel-Vertriebschefin Imelda Labbé sieht bei den Kunden der Marke trotz der Diskussionen um die Zukunft des Rüsselsheimer Autobauers keinen Vertrauensverlust. «Wir sind in Deutschland in diesem Jahr langsam gestartet, konnten uns aber kontinuierlich verbessern und hatten im Mai unseren besten Monat mit knapp acht Prozent Marktanteil. Das zeigt, dass unsere Kunden keineswegs Vertrauen verloren haben», sagte Labbé im Interview mit der Autogazette.

«Haben beste Modellpalette aller Zeiten»

Wie Labbé hinzufügte, hätten die Kunden vielmehr auf die Neueinführungen des Zafira Tourer und des Astra GTC positiv reagiert. «Die Autohäuser waren voll.» Entsprechend zuversichtlich würden auch die Händler in die Zukunft schauen. «Sie bestätigen uns alle, dass wir die beste Modellpalette aller Zeiten haben. Unter dem Strich ist das für unsere Partner die zentrale Voraussetzung.»

Alles was darüber hinaus zu tun sei, werde man gemeinsam tun, sagte die Opel-Vertriebschefin. «Wir führen einen ganz intensiven Dialog. Der Handel weiß, dass er sich auf uns verlassen kann.» Opel kam im Mai laut Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) auf insgesamt 23.043 Neuzulassungen und einen Marktanteil von 7,9 Prozent. Für die ersten fünf Monate des Jahres liegt der Marktanteil kumuliert bei 7,2 Prozent.

Opel hatte in den zurückliegenden Wochen mit der Ankündigung für Schlagzeilen gesorgt, die neue Generation des Kompaktklassemodells Astra ab 2015 nicht mehr im Stammwerk Rüsselsheim bauen zu lassen. Am 28. Juni wird das Opel-Management dem Aufsichtsrat ein Konzept vorlegen, mit dem der Autobauer wieder in die Profitabilität geführt werden soll.

«Wir positionieren uns als deutsche Volumenmarke»

Der Opel Adam noch als Erlkönig unterwegs.
Der Opel Adam auf Testfahrt in Eisenach Opel

Autogazette: Frau Labbé, Opel kommt bis April mit 73.359 verkauften Autos nur noch auf einen Marktanteil von sieben Prozent. Haben die Kunden das Vertrauen in die Marke verloren?

Imelda Labbé: Nein, auf keinen Fall. Wir sind in Deutschland in diesem Jahr langsam gestartet, konnten uns aber kontinuierlich verbessern und hatten im Mai unseren besten Monat mit knapp acht Prozent Marktanteil. Das zeigt, dass unsere Kunden keineswegs Vertrauen verloren haben. Das Interesse an unseren neuen Fahrzeugen ist groß, wie die jüngsten Neueinführungen zeigen: Auf die Einführung von Zafira Tourer und Astra GTC haben die Kunden positiv reagiert. Die Autohäuser waren voll.

Autogazette: Der Vorsitzende des europäischen Händlerverbandes Euroda, Jaap Timmer, hat gerade gesagt, dass Opel zwar die richtigen Produkte habe, sich als Marke aber falsch positioniere. Teilen Sie seine Auffassung?

Labbé: Wir positionieren uns schon immer als deutsche Volumenmarke. Wir sind mit unseren Produkten mitten in der Gesellschaft verankert. Wir bieten dem Kunden bezahlbare Innovationen in Automobilen mit tollem Design. Daran hat sich nichts geändert.

Autogazette: Wie fühlen sich Ihre Händler aufgrund der derzeit laufenden Diskussionen um Produktionsverlagerungen und mögliche Werksschließungen?

Labbé: Die Händler schauen zuversichtlich in die Zukunft. Sie bestätigen uns alle, dass wir die beste Modellpalette aller Zeiten haben. Unter dem Strich ist das für unsere Partner die zentrale Voraussetzung. Alles was darüber hinaus zu tun ist, werden wir gemeinsam tun. Wir führen einen ganz intensiven Dialog. Der Handel weiß, dass er sich auf uns verlassen kann.

«Mit Blick auf den Mai sind wir auf einem guten Weg»

Der Opel Mokka Opel

Autogazette: Opel konnte im Vorjahr 254.605 Autos absetzen und damit einen Marktanteil von acht Prozent erzielen. Was erhoffen Sie sich für dieses Jahr?

Labbé: Der Markt in Deutschland ist derzeit schwierig einzuschätzen, entsprechend geben wir keine Absatzprognosen. Wir orientieren uns von Monat zu Monat und mit Blick auf den Mai sind wir auf einem guten Weg.

Autogazette: Im Oktober steigen Sie mit dem Opel Mokka ins Sub-Kompakt-SUV Segment ein. Ist der Mokka das Auto, von dem ein Impuls für die Marke ausgehen wird?

Labbé: Der Mokka hat ohne Frage hohes Eroberungspotenzial, er ist ein Lifestyle-Fahrzeug und spricht auch viele Frauen an. Das wurde mir auch von vielen Händlern während der AMI Leipzig bestätigt. Entsprechend wird der Mokka der Marke Impulse geben – als eines von insgesamt sechs neuen Modellen in unserem 150. Jubiläumsjahr.

Autogazette: Sie verlangen für den Mokka 18.990 Euro. Ist das im Vergleich zum Skoda Yeti, eines der Konkurrenzmodelle, der 18.390 Euro kostet, nicht zu hoch?

Labbé: Nein, das glauben wir nicht. Der Mokka bietet ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis, auch mit Blick auf unsere Mitbewerber. Beim Mokka sind übrigens eine Klimaanlage und ein Radio bereits in der Basisausstattung inkludiert. Dafür müssen Sie bei der Konkurrenz nochmal tief in die Tasche greifen, ein geringerer Basispreis relativiert sich damit ganz schnell.

Autogazette: Können Sie mit dem Mokka neue Kunden für die Marke erreichen?

Labbé: Wir sind sicher, dass dieses Sub-Kompakt-SUV-Segment ein wachsendes Segment ist. Entsprechend gehen wir davon aus, dass wir mit dem Mokka auch jüngere Kunden für die Marke gewinnen können.

«Der Mokka ist ein echter Opel »

Nur geringe Nachfrage nach dem Opel Antara Opel

Autogazette: Was stimmt Sie so zuversichtlich, dass der Opel Mokka besser beim Kunden ankommt als der Antara, der als Misserfolg gilt?

Labbé: Der Mokka ist eine Opel-Entwicklung. Das sieht man am Design, das sieht man im Innenraum und das sieht man an der Vielzahl der Innovationen. Der Mokka ist ein echter Opel und hat damit ein großes Potenzial.

Autogazette: Ist der Kleinwagen Adam, der kommendes Jahr auf den Markt kommt, für Sie das wichtigste Auto der vergangenen Jahre für die Marke?

Labbé: Corsa, Astra und Insignia sind für uns beim Volumen die wichtigsten Modelle. Doch der Adam wird für uns unter Imagegesichtspunkten ganz wichtig sein – und er wird in der Lage sein, viele neue Kunden für die Marke Opel zu gewinnen. Eines ist mir mit Blick auf den Adam übrigens wichtig: es ist ein Auto, das wir wie unseren Corsa in unserem Werk in Eisenach produzieren werden. Wir bauen Eisenach dafür aus und bekennen uns damit zum Standort Deutschland. Deutschland ist und bleibt das Rückgrat unseres Geschäfts – an unseren Standorten Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern beschäftigen wir rund 22.000 unserer europaweit 40.000 Mitarbeiter, in Rüsselsheim betreiben wir zudem ein Entwicklungszentrum mit 6500 Ingenieuren.

Elektroauto Opel Ampera
Der Opel Ampera Opel

Autogazette: Vom Opel Ampera sind bisher 7000 Fahrzeuge bestellt worden. Viele Experten sprechen davon, dass der Hype um die Elektromobilität vorbei ist. Sie auch?

Labbé: Wir laufen mit dem Ampera konstant, wobei wir die zentralen Märkte derzeit bestückt haben. Das Interesse ist nach wie vor sehr groß, vor allem bei Meinungsführern und bei Gewerbekunden. Für uns ist entscheidend, dass wir bei der Elektromobilität Technologieführer sind. Darauf bauen wir weiter auf.

Das Interview mit Imelda Labbé führte Frank Mertens